DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,02 % 64.323,00 USD 08:09:33 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

MSCI Aktie: So schlägt sie den MSCI World Index

Wirtschaft

Der Vertriebschef einer großen amerikanischen Finanzfirma bittet um Vertraulichkeit, als das Gespräch auf MSCI kommt. Dann sagt er frei heraus: „An denen beißen sich alle die Zähne aus. Da können Sie als Konkurrent so billig sein, wie Sie wollen – die Leute bleiben denen trotzdem treu.“ Das Kürzel, das den Vertriebschef schier zur Verzweiflung bringt, ist in der Finanzwelt wohlbekannt: MSCI hat einige der wichtigsten Börsenbarometer der Welt entwickelt, allen voran den MSCI World, in den viele Sparer regelmäßig investieren. Oft wird darüber berichtet, dass der Zusatz „World“, den der Index im Namen trägt, in Wahrheit eine Mogelpackung ist. Denn der MSCI World bildet die Wertentwicklung von rund 1300 Aktiengesellschaften aus den wichtigsten Industrieländern nach, aber eben nicht die ganze Welt. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Wenig wird dagegen über das Unternehmen gesprochen, das sich hinter dem Kürzel MSCI verbirgt. Dabei ist das die eigentliche Geschichte. Die Geschichte hinter MSCI MSCI ist eine börsennotierte Gesellschaft, auf die Anleger genauso setzen können wie auf den MSCI World. Das Überraschende daran ist: Mit der MSCI-Aktie ließ sich in den vergangenen Jahren noch mehr verdienen als mit dem MSCI World. Seit Jahresanfang 2020 hat dieser seinen Wert in etwa verdoppelt, ein Zugewinn von hundert Prozent. Für die MSCI-Aktie lief es noch besser: Ihr Plus betrug im gleichen Zeitraum sogar 134 Prozent. Wie konnte das gelingen? Und was hat es nun mit dem ominösen Kürzel auf sich, das der Firma ihren Namen gibt? Die zweite Frage lässt sich schneller beantworten als die erste. Das Unternehmen hinter den heute so populären Aktienindizes wurde Ende der 1960er-Jahre unter dem Namen Capital Indices International gegründet. Die Idee, systematisch die Börsendaten von Märkten außerhalb der USA auszuwerten, galt damals als seltsam. Die Großanleger jener Zeit stammten fast alle aus den Vereinigten Staaten und interessierten sich nur wenig für Aktien außerhalb ihrer Heimat. Später übernahm die Großbank Morgan Stanley das Unternehmen, was endlich auch erklärt, wofür die Buchstabenkombination steht, die heute jeder kennt: Morgan Stanley Capital International. Heute haben die Bank und MSCI nichts mehr miteinander zu tun, 2007 ging MSCI als eigenständiges Unternehmen an die Börse. Den Namen behielt man aber, weil er schon damals in der Finanzszene einen guten Klang hatte. Das Geschäft mit den Gebühren Womit wir bei der anderen Frage wären: Wie hat es MSCI geschafft, eine Stellung zu erlangen, die die Konkurrenz zur Verzweiflung bringt und die Anleger erfreut? Henry Fernandez, seit fast dreißig Jahren an der Spitze von MSCI, hat der Sonntagszeitung dazu vor einiger Zeit in einem Interview sinngemäß gesagt: Man habe mit den Börsenbarometern eine Art Standard geschaffen, an dem niemand vorbeikomme. „Das ist vergleichbar mit der physischen Infrastruktur eines Landes.“ Das sind große Worte, wie sie ein selbstbewusster Firmenchef schon einmal wählen darf, der seit vielen Jahren verlässlich einen Nettogewinn von mehr als einer Milliarde Dollar einfährt. Aber auch unabhängige Analysten wie Rajiv Bhatia vom Analysehaus Morningstar stimmen in den Lobgesang ein: „Das Indexsegment ist das Kronjuwel der Firma.“ Dort habe sie Preissetzungsmacht. Andere Geschäftsfelder, zum Beispiel im Bereich der Risikoanalyse von Portfolios, sind im Vergleich dazu zu vernachlässigen. Konkret ist mit „Indexsegment“ Folgendes gemeint: Fondsmanager aus der ganzen Welt messen ihre Leistung daran, wie gut oder schlecht sie im Vergleich zu einem bestimmten Börsenindex abschneiden. Das Fachwort hierfür lautet „Benchmark“, und kein Vergleichsmaß wird im Bereich der internationalen Aktienmärkte so häufig gewählt wie der MSCI World. Um jederzeit Zugriff auf die dahinterstehenden Daten zu haben, zahlen die Fondsgesellschaften MSCI eine Gebühr. Die falle deutlich höher aus als bei anderen Indexanbietern, ist in der Branche zu hören. Dass sich trotzdem kaum einer für einen Wechsel entscheidet, hat auch mit der Qualität der angebotenen Datensätze zu tun. Kaum ein Konkurrent hat für Aktiengesellschaften außerhalb Amerikas Datenreihen, die detailliert bis in die 1960er-Jahre zurückreichen. Dies erklärt, warum nach Angaben von MSCI Geldanlagen im Wert von mehr als 18 Billionen Dollar an die Aktienbarometer des Unternehmens gekoppelt sind. Die Partnerschaft mit Blackrock Dass die Summe derart hoch ausfällt, hat auch mit einer Entwicklung zu tun, die in den Anfangstagen von MSCI niemand so absehen konnte: Die Rede ist vom enormen Erfolg der börsengehandelten Indexfonds, besser bekannt unter dem Kürzel ETF. Vor allem vielen Privatleuten leuchtet diese Art des Geldanlegens ein, bei der es nicht mehr darum geht, die besten Aktien zu finden. ETF beschränken sich stattdessen darauf, einen Aktienmarkt in seiner ganzen Breite abzubilden. Das ist, so zeigen es seit Jahren viele Studien, auf lange Sicht der erfolgversprechendere Weg. Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. F.A.S. jetzt lesen MSCI profitiert davon in außergewöhnlichem Maße. Ausgezahlt hat sich vor allem, dass das Unternehmen schon früh eine Partnerschaft mit dem wichtigsten ETF-Anbieter der Welt einging, mit der Fondsgesellschaft Blackrock. Diese legt unter der Marke „iShares“ ETF auf, die in vielen Fällen die Börsenbarometer von MSCI als Grundlage nutzen. Dafür zahlt die Fondsgesellschaft eine Lizenzgebühr an MSCI. Je mehr Geld in die Fonds von Blackrock fließt, umso besser verdient MSCI daran. Vor einigen Monaten haben beide Firmen ihre Zusammenarbeit bis 2035 verlängert. Nun könnte man annehmen, dass große Fondsgesellschaften doch genauso gut ihre eigenen Börsenindizes entwickeln könnten, anstatt Gebühren an MSCI zu zahlen. 2013 scherte tatsächlich einmal die amerikanische Fondsgesellschaft Vanguard aus und verzichtete auf den Einsatz wichtiger MSCI-Indizes. Einen ähnlichen Vorfall gab es seitdem nicht. Der Vertriebschef, der vertraulich über seine Branche berichtet, sagt dazu: „Heute ist die Marke MSCI derart akzeptiert, dass sich kaum jemand traut, darauf zu verzichten.“ Das sei so ähnlich, als wolle man im Büro das Softwareprogramm Microsoft Office abschaffen. „Am Ende wagt sich da niemand so richtig heran.“ Was kann MSCI da überhaupt gefährlich werden? Morningstar-Analyst Bhatia sieht vor allem eine Gefahr: Wenn die Börsenkurse dauerhaft einbrechen würden, würde dies zu einem deutlichen Rückgang der Gebühreneinnahmen bei MSCI führen. Sollte überdies das Vertrauen in das Anlageinstrument ETF grundsätzlich zurückgehen, wäre MSCI zusätzlich getroffen. Auch dies wäre in einer möglichen Börsenkrise nicht auszuschließen. Bislang jedoch ist von alldem nichts zu sehen. Wer die MSCI-Aktie kaufen möchte, sollte berücksichtigen: Günstig ist das Papier nicht mehr. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis – ein Maß für den Preis einer Aktie – beträgt mehr als 30. Das hält die Analysten, die die Aktie regelmäßig beobachten, nicht davon ab, eine klare Empfehlung auszusprechen. 90 Prozent von ihnen raten zum Kauf.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren