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Multivitamine: Neue Studie liefert Hinweise auf bislang unterschätzten Nutzen

Gesundheit

Bei vielen steht die Dose mit den Multivitaminen neben der Kaffeemaschine, und mit ihr die Frage, ob sich das Geld dafür überhaupt lohnt. Eine große US-Langzeitstudie mit älteren Menschen gibt jetzt eine vorsichtig positive Antwort. Wer zwei Jahre lang täglich ein Multivitamin nahm, hatte danach bessere Omega-3-Werte, einen stabileren Nierenwert und einen Stoffwechsel, der rechnerisch etwas jünger wirkte. Ein Jungbrunnen ist die Tablette damit nicht, die verbreitete Annahme, sie bringe grundsätzlich nichts, lässt sich so aber nicht mehr halten.

Dr. Gerd Wirtz spezialisiert sich in seinen Publikationen und Podcasts als Neurophysiologe auf digitale Gesundheit und Longevity. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Multivitamine: COSMOS-Studie zeigt bessere Omega-3- und Nierenwerte

Die Daten stammen aus COSMOS, einer der größten Studien zu Nahrungsergänzungsmitteln in den USA. Für eine 2026 veröffentlichte Auswertung untersuchte das Forschungsteam Blutproben von 399 Frauen und Männern, im Schnitt gut 70 Jahre alt. Ein Teil nahm zwei Jahre lang täglich ein gängiges Multivitamin-Mineralstoff-Präparat, der andere ein Placebo.

Nach zwei Jahren lag die Omega-3-Fettsäure DHA in der Multivitamingruppe höher, ebenso die Omega-3-Fettsäuren insgesamt. DHA ist ein wichtiger Baustein der Nervenzellen im Gehirn. Bemerkenswert ist das Ergebnis, weil das Präparat selbst gar kein Omega-3 enthielt.

Auch beim Kreatinin, einem gängigen Blutwert für die Nierenfunktion, schnitt die Multivitamingruppe besser ab. Normalerweise steigt dieser Wert mit dem Alter, weil die Nieren langsam an Leistung verlieren. Unter dem Multivitamin stieg er langsamer an als unter Placebo.

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Multivitamine und biologisches Alter: Hinweise auf einen jüngeren Stoffwechsel

Zusätzlich werteten die Forscherinnen und Forscher sieben sogenannte Stoffwechseluhren aus. Diese Verfahren schätzen anhand vieler Stoffwechselprodukte im Blut, wie alt der Körper biologisch wirkt. Alle sieben Uhren zeigten in der Multivitamingruppe ein etwas jüngeres Ergebnis, je nach Methode um ein halbes bis ein ganzes Jahr. Auch die berechneten Risikowerte für 16 chronische Erkrankungen fielen günstiger aus.

So eindeutig, wie das klingt, sind die Ergebnisse allerdings nicht. Die Studie war vergleichsweise klein und prüfte sehr viele Werte gleichzeitig. Nach der dafür üblichen statistischen Korrektur gilt keiner der Effekte mehr als sicher belegt. Aufschlussreich ist trotzdem, dass so viele Messungen in dieselbe günstige Richtung zeigen.

Multivitamine im Alter: Wer am ehesten profitieren kann

Dass Multivitamine Krankheiten verhindern oder das Leben verlängern, beweist die Auswertung nicht. Sie passt aber zu einem Muster, das sich in der Longevity-Forschung immer wieder zeigt: Den einen großen Hebel gibt es selten, meist addieren sich viele kleine Effekte über Jahre. Ein Multivitamin kann einer davon sein, vor allem im Alter. Ältere Menschen essen oft weniger, und der Körper nimmt manche Nährstoffe wie Vitamin B12 schlechter auf.

Multivitamine sinnvoll einnehmen: Bedarf, Dosierung und Wechselwirkungen

Wenn du dich abwechslungsreich ernährst und keinen Mangel hast, musst du nicht vorsorglich zur Tablette greifen. Isst du wenig oder sehr einseitig oder vermutest du einen Mangel, lass deinen Bedarf zuerst ärztlich prüfen. Bei einigen Nährstoffen zeigt eine Blutuntersuchung, ob eine Ergänzung sinnvoll ist.

Entscheidest du dich für ein Multivitamin, wähle ein klassisches Präparat mit moderaten Mengen, wie es auch in COSMOS zum Einsatz kam. Hochdosierte Produkte oder mehrere Präparate gleichzeitig erhöhen das Risiko, einzelne Nährstoffe zu hoch zu dosieren. Nimmst du regelmäßig Medikamente, kläre mögliche Wechselwirkungen vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Zur Routine wird die Einnahme am leichtesten, wenn du die Tablette immer zur selben Mahlzeit nimmst.

Die Dose neben der Kaffeemaschine darf also stehen bleiben. Erwarte nur keine spürbare Wirkung nach ein paar Tagen, denn in COSMOS zeigten sich die Veränderungen über zwei Jahre. Die Tablette ergänzt gutes Essen, Bewegung und Schlaf – ersetzen kann sie keins davon.

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