Münchens Oberbürgermeister: Warum Söder einen Grünen lobt
Mitte der vergangenen Woche auf einer Baustelle in München. Medienvertreter warten schon. Dann kommt ein Mann auf dem Fahrrad an, fast unscheinbar. Es ist Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause: "Ich fahre so zu Terminen, wie es am schnellsten geht", sagt der 36-Jährige. Oft sei das das Fahrrad, manchmal auch Bus und Bahn, bei schlechtem Wetter das Auto.
Es ist nur ein kleines Detail, doch es passt in das Bild eines Mannes, der zwar wenig Aufsehen um seine Person machen will - und über den doch viel gesprochen wird: Erst der mit zwei Schlägen geglückte Anstich auf dem Oktoberfest, dann Münchens Erfolg beim Deutschen Olympia-Vorentscheid. Immer prominent dabei: Dominik Krause.
Ehrgeizige Wohnungsbauziele
Krause besucht in München ein Neubauprojekt nahe der Isar. Dort sollen Wohnungen für Angestellte der Stadtwerke entstehen, dank Unterstützung des Bundes deutlich schneller als geplant. Es ist ein Termin ganz nach Krauses Geschmack.
Denn eines seiner zentralen Wahlversprechen war, mehr bezahlbaren Wohnraum in München zu schaffen, Deutschlands mit Abstand teuerster Stadt. 50.000 neue Wohnungen während seiner Amtszeit hat er versprochen. Ein ehrgeiziges Ziel - zu ehrgeizig?
Dabei setzt Münchens Oberbürgermeister auch auf eine neue Umwandlungsagentur. Sie soll helfen, leerstehende Büros und andere Gewerbeflächen in dringend benötigten Wohnraum umzuwandeln. Doch einfach wird das nicht. Erst kürzlich hat eine Studie ergeben, dass das Potential der Gewerbeflächen wohl niedriger ist als gedacht. Krause war von 10.000 Wohnungen durch Umwandlungen ausgegangen.
Angespannte Haushaltslage
Eine weitere Herausforderung für den neuen Oberbürgermeister: Die angespannte Haushaltslage. Auch München muss sparen. Manch einer im Stadtrat sieht da schon eine Bewährungsprobe kommen für Krauses sogenannte Mango-Koalition aus Grünen, SPD, FDP, Freien Wählern und einer lokalen Wählerliste.
"Da sind Konflikte vorprogrammiert", sagt Manuel Pretzl, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Münchener Stadtrat. Bislang lächelt Krause die Herausforderungen weg. Der neue Rathauschef versprüht Aufbruchstimmung, ist aber kein Lautsprecher. Auch, weil er weiß, dass er als Grüner im Rathaus unter besonderer Beobachtung steht.
Pragmatismus statt ideologischer Kämpfe, das ist das Motto: "Wenn man viele Menschen vertritt, muss man auch bedächtiger damit umgehen, Themen zu formulieren", sagt er. Seine Aufgabe sei es, Oberbürgermeister für die Stadt zu sein "und kein Parteipolitiker".
Schwarz-Grüne Annäherung?
Dieser Ton kommt auch bei einem an, der bislang nicht gerade als Freund der Grünen bekannt war. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) klingt, wenn er über Krause spricht, fast schon zahm. Nach Krauses geglücktem Anstich auf dem Oktoberfest sagte Söder:
Und nach Münchens Erfolg im Olympia-Vorentscheid fuhren Söder und Krause zusammen Achterbahn auf dem Oktoberfest. Manch einer sah in den Bildern schon eine Möglichkeit für eine Annäherung zwischen CSU und Grünen in Bayern.
Bislang aber deutet darauf wenig hin: "Ich halte es für unabdingbar, dass es eine gute Zusammenarbeit zwischen der Landeshauptstadt und der Landesregierung gibt", sagt Krause. Das Verhältnis Söder-Krause ist von Respekt geprägt, denn beide wissen: Sie brauchen den jeweils anderen. Vor allem bei Münchens Olympia-Bewerbung.
Auch hier ist Krause nun gefordert, den weiteren Bewerbungsprozess als Stadtchef so zu organisieren, dass sich München am Ende auch im internationalen Wettbewerb durchsetzen kann. Die Arbeit für den jungen Hoffnungsträger im Münchner Rathaus hat also gerade erst begonnen.
Jakob Rhein ist Reporter im ZDF-Landesstudio München.
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