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Münchnerin erzählt von Zuständen in Nepal

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„Stehen vor dem Nichts“: Katastrophale Zustände in Nepal – Münchnerin erzählt von betroffenen Familien

Von: Theresa Salmansberger

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Vor sechs Jahren ist Tabea Seiz von München nach Nepal gezogen. Jetzt will sie den Menschen, die von der verheerenden Sturzflut betroffen sind, helfen. Sie berichtet von berührenden Zuständen.

München / Nepal – Seit mehr als sechs Jahren lebt Tabea Seiz inzwischen in Nepal. Sie habe sich über ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in das Land und in die Leute verliebt, begründet sie den Entschluss, von München nach Kathmandu zu ziehen. Doch was sich in ihrer Wahlheimat gerade abspielt, ist eine Katastrophe: Bei einer verheerenden Sturzflut am 26. August sind mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen, rund 5000 werden noch vermisst. Gewaltige Schlamm- und Wassermassen sind durch das Bhote-Koshi-Flusssystem nahe der Grenze zu Tibet geströmt und haben eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Besonders hart hat es die Menschen in der abgelegenen Himalaya-Region Nepals getroffen.

Und genau da greifen Seiz und ihr Team nun ein. Die 41-Jährige ist Programmleiterin der Welthungerhilfe und bezeichnet die Geschehnisse der vergangenen Tage und Wochen als „kollektiven Schock“. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt sie, von welchen berührenden Momenten ihre Kollegen vor Ort berichten, wie die Organisation die betroffenen Menschen nun unterstützen will und was ihr Hoffnung bereitet.

„Familien stehen vor dem Nichts“: Sturzflut spülte Dörfer weg und tötete Hunderte Menschen in Nepal

Nepal ist ein kleines Land. Jeder vor Ort ist irgendwie betroffen, findet Seiz. „Viele Familien stehen vor dem Nichts.“ Einige leben von der Landwirtschaft und haben mit Häusern, Feldern und Ernten ihre Lebensgrundlage verloren. Manche sitzen an Berghängen und blicken auf die Stelle, an der bis vor wenigen Tagen ihr Dorf stand. „Das beschäftigt alle.“ Doch noch schlimmer trifft es viele Familien mit dem Verlust von Angehörigen. Sie machen sich oftmals selbst den Fluss entlang mit Fotos auf die Suche nach Toten oder Vermissten. „Durch die Wucht hat es manche bis nach Indien gespült“, erzählt Seiz, „das ist unfassbar“.

Außerdem spielen für viele hinduistische und buddhistische Familien in Nepal Rituale nach dem Tod eines Familienmitglieds eine wichtige Rolle. Die Verstorbenen sollen beim Übergang in das neue Leben begleitet werden. Dass Angehörige nicht gefunden werden, „bringt viele zur Verzweiflung“, weiß Seiz. „Sie wollen zumindest ein letztes Mal persönlich Abschied nehmen.“

Große Verzweiflung in Notunterkünften – doch es gibt auch Hoffnung

Auch in den Notunterkünften, in denen viele Kollegen der Programmleiterin die Hilfsmaßnahmen vorbereiten, ist die Verzweiflung greifbar. Die Teams vor Ort berichteten ihr, dass sie eine Lage in so einem Ausmaß noch nie erlebt hätten. „Manche der Menschen dort sind gar nicht wirklich anwesend, stehen unter Schock und haben ein Trauma erlitten“, erzählt Seiz und schluckt. „Das geht einem nahe.“

Doch zumindest eines bereitet der 41-Jährigen Hoffnung: der Zusammenhalt. Sie erlebt, dass die Menschen füreinander da sind. Nepal ist ein sehr spirituelles Land – hier treffen sich die Leute am Tempel, zünden Kerzen an und organisieren Transporte. Zumindest ein kleiner Lichtblick in so einer schweren Zeit.

Lastwagen und Hubschrauber versorgen Hinterbliebene – doch der Weg ist schwer

Auch die Welthungerhilfe, für die Seiz seit vier Jahren die Programme aus Kathmandu heraus koordiniert, will helfen. Zwei Teams mit insgesamt zehn Leuten sind vor Ort. Sie konzentrieren sich vor allem auf den Norden des Distrikts Rasuwa. Die Nothilfe sei gut angelaufen, die Kollegen der Programmleiterin bringen Lastwagen mit Lebensmitteln – und in Zukunft auch Kleidung, Hygieneartikel, warme Decken, Solarlampen und Kochutensilien – zu den Hinterbliebenen. Doch dorthin zu kommen, ist alles andere als einfach. „Wir sind in abgelegenen Gebieten unterwegs, viel Infrastruktur wurde dort weggespült.“

Teilweise führen nur Feldwege zu den kleinen Dörfern – oder das, was von ihnen übrig geblieben ist. „Durch den starken Monsunregen sind die Wege aufgeweicht und unsere Autos bleiben immer wieder stecken.“ Für 100 Kilometer haben die Helfer schon einmal zwölf Stunden gebraucht. Deswegen werden manchmal Hubschrauber eingesetzt, doch diese können in den Gebieten nicht gut landen. Also erkunden die Teams die Gemeinden teilweise zu Fuß, um herauszufinden, wo bislang kaum Hilfe angekommen ist. Das sind schwierige und kräftezehrende Situationen, die auch die Kollegen vor Ort belasten.

Hinzu kommt die hohe psychische Belastung vieler Betroffener, die Angehörige, ihr Zuhause oder ihre Lebensgrundlage verloren haben. Die Welthungerhilfe stimmt sich daher mit anderen Organisationen ab, um Möglichkeiten für psychosoziale Unterstützung zu schaffen. Die konkreten Maßnahmen befinden sich noch in Planung. Insgesamt stellt die Welthungerhilfe zur Unterstützung 100.000 Euro aus ihrem Nothilfefonds bereit. Nach ersten Einschätzungen sind mindestens 10.000 Haushalte auf Unterstützung angewiesen.

„Bestmöglich unterstützen“: So geht es in betroffenen Regionen nun weiter

Wie es für die betroffenen Regionen nun weitergeht, ist schwer zu sagen, meint Seiz. „2,5 Millionen Tonnen Schutt und Schlamm liegen noch im Flussbett“, weiß sie. Nun stellen sich die Fragen: Wohin damit? Können irgendwann wieder Häuser gebaut und landwirtschaftliche Flächen genutzt werden oder besteht weiterhin Gefahr? Vielleicht wäre auch eine Umsiedlung nötig. Welche Lösungen langfristig möglich und notwendig sind, müsse nun sorgfältig geprüft werden. Aufgeben kommt für die Programmleiterin und ihre Teams jedenfalls nicht in Frage: „Das Wichtigste ist, dass wir die Familien jetzt bestmöglich unterstützen.“ (Quelle: eigenes Gespräch) (res)

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