Münchnerin verzweifelt wegen Handysucht ihrer Kinder
tz München Stadt Moosach „Hilflos, wütend, gestresst“: Münchnerin verzweifelt wegen Handysucht ihrer Kinder – Expertin gibt Tipps Von: Francesca Di Maggio Uns auf Google folgen Eine Mutter aus München kämpft täglich mit ihren Kindern um deren Handynutzung. Eine Expertin gibt Tipps – und berichtet von einem extremen Fall. Moosach – Emine B. aus Moosach ist Mutter von drei Kindern. Vor allem mit ihren beiden älteren hat sie klare Regeln zur Handynutzung vereinbart, auch wenn diese im Alltag nicht immer leicht umzusetzen sind. Im Wohnzimmer liegen Schulhefte, Stifte und ein halb aufgebautes Lego-Set auf dem Teppich. Auf dem Sofa sitzen ihre beiden Kinder, jedes mit dem Handy in der Hand. Mal wird kurz gelacht, weil ein Video besonders lustig ist, dann scrollen die Daumen weiter. Mutter aus München in Sorge wegen Handynutzung ihrer Kinder – „Mittlerweile ist es ein Dauerzustand“ „Mittlerweile ist es ein Dauerzustand“, sagt Emine. „Morgens vor der Schule, nach der Schule und abends vor dem Schlafengehen.“ Eigentlich hat die Familie ein Tageslimit von anderthalb Stunden vereinbart. „Aber vor allem in den Ferien ist das fast unmöglich.“ Immer gut informiert: Unsere neuen tz-Stadtteil-Newsletter tz.de ist jetzt noch lokaler: Neben unserer ausführlichen München-Berichterstattung haben wir auch neue Stadtteil-Newsletter gestartet. Sie wollen aktuelle Themen aus dem Südosten, dem Norden, dem Südwesten oder aus der Innenstadt Münchens direkt per E-Mail bekommen? Das ist jetzt möglich. ► Der Newsletter „München Südwest“ informiert über Sendling, Sendling-Westpark, Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln und Hadern. Hier geht es zur Anmeldung. ► Der Newsletter „München City“ behandelt alle Themen aus den Bezirken Altstadt-Lehel, Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, Maxvorstadt und Schwanthalerhöhe. Hier geht es zur Anmeldung. ► Der Newsletter „München Südost“ informiert über Au-Haidhausen, Obergiesing-Fasangarten und Untergiesing-Harlaching. Hier geht es zur Anmeldung. ► Der Newsletter „München Nord“ berichtet über Themen aus Schwabing-West, Milbertshofen-Am Hart, Schwabing-Freimann und Feldmoching-Hasenbergl. Hier geht es zur Anmeldung. Ihr Stadtviertel ist (noch) nicht dabei? Keine Sorge! Auch für die anderen Bezirke in München bereiten wir weitere eigene Newsletter vor. Mit dieser Erfahrung ist sie nicht allein. Petra Trautwein ist Lernexpertin, Mindset-Coach und Spiegel-Bestseller-Autorin des Buches „Handy frei“. Die Münchnerin begleitet seit Jahren Familien bei den Themen Lernen, Schule und Medienerziehung. Ein Satz, den sie immer wieder hört: Früher hätten Kinder eben ferngesehen, heute hingen sie am Handy, so groß könne der Unterschied doch nicht sein. Soziale Medien reizintensiver als klassische Filme Trautwein sieht das anders. „Wenn ich das vergleiche, ist mir ein zweistündiger Film lieber als zwei Stunden im Netz zu surfen“, sagt sie. Kurze Clips in sozialen Medien seien deutlich reizintensiver als ein klassischer Film. Für Emine zeigt sich der Wandel im Alltag ganz konkret. Besonders im Urlaub merke sie, wie stark die Handys inzwischen präsent seien. „Wir sind durch die Schweiz gefahren, und die Kinder wollten eigentlich nur wissen, wann sie endlich ankommen und die Handys benutzen können“, erzählt die Moosacherin. Die Stimmung kippe dann schnell. Die Kinder wirkten gereizt, sie selbst fühle sich „hilflos, wütend, gestresst“. Trautwein betont, dass Kinder nicht süchtig werden, weil sie willensschwach sind. „Das Smartphone erfüllt echte Bedürfnisse“, sagt sie. Etwa nach Zugehörigkeit, Erfolgserlebnissen, Entspannung und Sicherheit. Genau deshalb seien sie für Kinder und Jugendliche so attraktiv. „Diese Grundbedürfnisse sind berechtigt. Aber wenn wir sehen, wie viele Kinder depressiv sind, unter der Schule leiden und wenig Selbstbewusstsein haben, dann sind diese Bedürfnisse offenbar nicht ausreichend erfüllt.“ Heftige Reaktionen sind meist vorübergehend Besonders schwierig werde es oft, wenn Eltern das Handy vorübergehend wegnehmen. „Neulich hatte eine Mama im Coaching einen Drittklässler, der gesagt hat: Dann will ich nicht mehr leben, wenn ihr mir mein Handy wegnehmt.“ Solche heftigen Reaktionen seien meist vorübergehend. „Aber alle kommen drüber hinweg“, sagt Trautwein. Bevor Konflikte eskalieren, empfiehlt Trautwein einige einfache Regeln: „Kein Handy am Esstisch und keine Geräte im Schlafzimmer.“ Am Tisch komme man nur dann wieder ins Gespräch, wenn Bildschirme Pause haben. Nachts brauche es Ruhe. Viele Eltern wüssten gar nicht, dass ihre Kinder nachts noch im Klassenchat unterwegs seien. Ständig aufpoppende Nachrichten störten den Schlaf – mit Folgen für Konzentration und Stimmung. Moosacherin helfen klare Strukturen Auch Emine hat gemerkt, dass klare Strukturen helfen. Wenn die Kinder ihr Zimmer aufräumen müssen, bekommen sie das Handy erst, wenn die Aufgabe erledigt ist. „Dann ist es etwas entspannter, und sie räumen auch wirklich auf.“ Gute Erfahrungen macht sie auch, wenn sie aktiv Alternativen anbietet, etwa Gesellschaftsspiele oder gemeinsames Malen. „Dann ist es ruhiger. Wenn ich nichts anbiete, gibt es schneller Streit.“ Besonders verzweifelt melden sich bei Trautwein Eltern von Teenagern. „Mit 15 oder 16 ist der Zug nicht komplett abgefahren, aber es ist nicht mehr leicht.“ Oft gehe es dann nicht nur ums Handy, sondern um größere Themen dahinter. Trotzdem lohne es sich, dranzubleiben. Emine würde anderen Eltern heute hauptsächlich einen Rat geben: „Handy so spät wie möglich, damit fängt der ganze Ärger an.“ Mindestens genauso wichtig sei es, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen und am Familientisch wieder mehr Zeit ohne Bildschirm zu verbringen. Perfekt laufe das nicht immer. Doch an den Tagen, an denen die Handys häufiger liegenbleiben, wird wieder mehr gelacht, gespielt und erzählt. Und manchmal, sagt Emine, verschwinden die Kinder irgendwann tatsächlich freiwillig im Zimmer – „und lesen einfach nur ein Buch“.