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Musiala findet die Leichtigkeit wieder - und Kompany droht beim FC Bayern ein Problem

Sport

Natürlich waren sie alle sofort bei ihm. Harry Kane, der die Vorlage zu diesem wichtigen und schon recht späten 1:0 gegen FK Bodö/Glimt gegeben hatte, kniff Jamal Musiala in die Schulter, Aleksandar Pavlovic umarmte ihn, Jonathan Tah deutete eine kleine Verbeugung an, als er ihm die Hand gab. Es war ein Jubel, der noch ein wenig enthusiastischer ausfiel, als es bei einem 1:0 in der 47. Minute am ersten Spieltag der Champions League gegen einen Underdog aus Norwegen sonst üblich gewesen wäre - auch wenn dieses mit Überzeugung geschossene Tor durchaus sehr hübsch gewesen war.

Als Jamal Musiala später ausgewechselt wurde, klatschte auch Trainer Vincent Kompany ihn noch etwas aufmunternder als sonst ab. Ihre Umarmung geriet lang. "Ich und vermutlich 75.000 im Stadion und noch mehr vor dem Fernseher haben sich über dieses Tor gefreut", sagte Kompany später.

Getty Images

Jamal Musialas Tor gegen Bodö/Glimt war eine doppelte Erlösung

Musialas Treffer war eine doppelte Erlösung. Weil es eben der Dosenöffnertreffer in einem bis dahin ziemlich zähem Spiel gegen einen sehr dicht und umsichtig verteidigenden Gegner war, das schließlich nach 90 Minuten standesgemäß 5:0 endete. Vor allem aber, weil Musiala bei seinem ersten Startelfeinsatz dieser noch jungen Saison das Tor erzielt hatte.

Etwas mehr als drei Wochen ist es her, dass Musiala zum zweiten Mal binnen weniger Tage in einem Testspiel orientierungslos auf den Rasen gesackt war und dies später mit "temporär kurz auftretenden, aber gut behandelbaren Absencen" begründete, die auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind. Mehr als ein Jahr hatte Musiala da schon mit dieser Form der Epilepsie gelebt, ohne dass es der Öffentlichkeit aufgefallen wäre, vermutlich im Zuge einer Umstellung der Medikation war es dann zu den zwei Zusammenbrüchen während der Spiele gekommen. Nach seinem Kurzeinsatz vergangenes Wochenende gegen Schalke, brachte Kompany den Spielgestalter gegen Bodö wieder von Beginn an.

"Dass er dann das 1:0 macht, sind so Geschichten, die der Fußball schreibt, aber das hat der Junge sich auch verdient", sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl. Dass Musiala das 1:0 machte, war aber auch folgerichtig: Neben Joshua Kimmich war Musiala in der zähen ersten Halbzeit der auffälligste Bayer gewesen, er war eifrig, teils sogar übereifrig zu Werke gegangen. Ganz so, als ob er auch sich selbst zeigen wollte, dass er wieder da war.

Welche Verletzung hatte Jamal Musiala?

"Das Gefühl, was ich heute gehabt habe, ist ein Gefühl, was ich eine Weile nicht gehabt habe", sagte dann auch Musiala nach dem Spiel offen bei DAZN. Denn da waren ja nicht nur die Sache mit den Absencen gewesen: Nach seinem schweren Wadenbeinbruch bei der Klub-WM, zu einer Zeit, als er sich in absoluter Top-Form befand, und einer anschließenden langen Reha schien es bisweilen so, als ob er das Vertrauen in seinen Körper und seine exorbitanten Fähigkeiten verloren hatte. Musiala schien in der vergangenen Saison oft die Leichtigkeit zu fehlen.

Nach der WM wurde ihm noch operativ eine Platte entfernt, die das Schienbein zuvor nach dem Bruch stabilisiert hatte. "Ich will jetzt Schritt für Schritt wieder mit diesem leichten Gefühl auf dem Platz, mit Freude und Spaß, auf mein Level zurückkommen", erklärte er nun. Der "Support von Bayern, den Spielern und Trainern, das hat mir richtig geholfen."

Tatsächlich hatte Kompany auch in der vergangenen Saison immer wieder betont, dass er überhaupt keine Zweifel habe, dass Musiala wieder zurückfinden würde. Nun sagte er: "Wir wussten, dass dieser Moment kommen würde. Für Jamal ist es natürlich super. Du brauchst als Topspieler Vertrauen, um in den Rhythmus zu kommen. Und da sind natürlich solche Momente ganz, ganz wichtig", sagte er.

Michael Olise wird erst weltklasse, als Musiala nicht mehr auf dem Platz ist

Doch der FC Bayern wäre nicht der FC Bayern, wenn der Aufschwung Musialas den Trainer nicht auch vor Herausforderungen stellen würde. Die Frage, wen Kompany auf der Zehn aufstellen soll, wird nicht leichter zu beantworten sein, je mehr Spieler aus ihren Verletzungen zurückkommen.

Lennart Karl etwa wurde gegen Bodö erneut eingewechselt, ebenso Neuzugang Ismael Saibari. Und auch Serge Gnabry sollte nicht mehr ewig verletzt sein. Sicher, sie alle sind flexibel und können auch auf anderen Positionen spielen, doch das macht es für Kompany nicht unbedingt leichter.

Und dann gibt es noch einen Spezialfall. Denn der lange weitgehend unsichtbare Michael Olise war zwar schon besser im Spiel nach Musialas 1:0, doch er drehte eben erst richtig zur Weltklasseform auf, als Musiala auf der Bank saß und er wie in der französischen Nationalmannschaft die Position auf der Zehn einnehmen durfte.

Schon während der WM war ja die Frage aufgekommen, ob Kompany es sich wirklich erlauben können würde, diesen begnadeten Zehner bei den Bayern weiter vorwiegend auf dem rechten Flügel spielen zu lassen. Die Antwort des Bayerntrainers in allen bisherigen Pflichtspielen einschließlich des Super Cups war schlicht “Ja” gewesen: Olise agierte immer von der rechten Seite, trotz dreier Tore und einer Vorlage konnte er in den vorangegangenen vier Spielen nicht restlos überzeugen.

Gegen Bodö schien sich der Trend zu bestätigen: Olise kam lange nicht ins Spiel, rannte sich im Dribbling oft fest und zeigte auch im Passspiel ein paar Unzulänglichkeiten. Als Musiala aber zum 1:0 traf und als Bodö/Glimt in der Folge den Münchnern immer mehr Platz machten, blühte Olise auf. Erst gab er mit einer schönen Freistoßflanke die Vorlage zu Harry Kanes 2:0, und als Musiala sich nach 65 Minuten ausruhen und Olise ins Zentrum durfte, machte er noch seine zwei Tore.

Doch Kadermanagement gehört ja zu den größten Stärken Kompanys.

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