Musiker mit 56 Jahren an Organversagen gestorben
Startseite
Welt
Er sang 90er-Jahre-Hit: Musiker mit 56 Jahren an Organversagen gestorben – Fans erschüttert
Von: Yannick Hanke
Uns auf Google folgen
Er schrieb den 90er-Hit „Barely Breathing“ und komponierte das Tony-prämierte Musical „Spring Awakening“. Nun ist Duncan Sheik gestorben. Fans reagieren emotional.
Manhattan, New York – Duncan Sheik, der Sänger und Songwriter hinter dem Pop-Hit „Barely Breathing“ und Komponist des Tony-prämierten Musicals „Spring Awakening“, ist tot. Er starb am Donnerstagabend (Ortszeit), 17. September, im Alter von 56 Jahren in einem Krankenhaus in Manhattan.
Seine Mutter Suzanne Sheik bestätigte den Tod gegenüber der New York Times. Als Todesursache nannte sie Organversagen. Laut Angaben des britischen Guardian führte wiederum ein Herzversagen zu einem Herzstillstand. „Mit tiefer Trauer bestätigen wir den Tod von Duncan Sheik“, teilte ein Sprecher mit. „Die Welt hat ein einzigartiges Talent und eine zutiefst einflussreiche Stimme in Musik und Theater verloren … Duncans Kunstfertigkeit hat viele Menschen berührt und hinterlässt eine unauslöschliche Spur in der Kulturlandschaft.“
„Umgeben von Liebe verstorben“: Grammy-prämierter Musiker Duncan Sheik tot
In derselben Erklärung, die auch auf den Social-Media-Kanälen des US-amerikanischen Sängers veröffentlicht wurde, heißt es weiter: „Duncan war Vater, Ehemann, Sohn, Bruder und Freund. Man wird sich an seine Sensibilität, seinen Witz, seine Intelligenz und die Tiefe seines Geistes erinnern, die er den Menschen entgegenbrachte, die ihn kannten und liebten. Wir sind zutiefst dankbar für die Welle der Anteilnahme von seinen Fans, Freunden, Weggefährten und der künstlerischen Gemeinschaft. Sein musikalisches Erbe wird weiterhin Generationen inspirieren. Duncan ist letzte Nacht friedlich, umgeben von Liebe, verstorben.“
Laut seinen Social-Media-Kanälen war der Musiker im vergangenen Monat mehrfach im Krankenhaus. Am 20. August postete er ein Foto mit der Bildunterschrift: „Ich würde lieber zu Hause Musik machen. Aber ein bisschen Reflexion schadet nicht … langweilige Krankenhausaufenthalte haben ihre Vorteile (abgesehen vom Offensichtlichen).“ Sein Team bestätigte einen Tag vor seinem Tod, dass er sich in „kritischem, aber stabilem Zustand“ befinde.
Mit „Barely Breathing“ zum Radio-Dauerbrenner: der Musiker, der kein Timberlake sein wollte
Der zurückhaltende, mit einem Semiotik-Abschluss von der Brown University ausgestattete Sheik war womöglich ein unwahrscheinlicher Popstar, als er 1992 nach Los Angeles zog, um eine Demoaufnahme einzuspielen – nachdem er zuvor als Begleitgitarrist für seine Freundin und Kommilitonin Lisa Loeb gespielt hatte. Mit seinem selbstbetitelten Debütalbum wurde er dennoch berühmt: ein introspektiver Gegenentwurf zum lauten, verzerrten Grunge-Sound jener Dekade.
Die Single „Barely Breathing“ – ein sanft klingendes, aber unter der Oberfläche schonungslos ehrliches Porträt von Liebeskummer – wurde zum Radio-Dauerbrenner und hielt sich 55 Wochen in den Billboard Hot 100, damals der viertlängste Verbleib in der Chartgeschichte.
Doch Sheik sträubte sich gegen die Rolle des MTV-Schwarms und sensiblen Sexsymbols. Gegen Ende des Jahrzehnts, als der Pop sich zunehmend Richtung Backstreet Boys und Britney Spears bewegte, fühlte er sich fehl am Platz. „Ich dachte: Ich werde dieses Spiel, Justin Timberlake sein zu wollen, nicht gewinnen“, sagte er 2022 laut Houston Chronicle. „Vielleicht sollte ich etwas anderes versuchen.“
„Exzentrisches Genie“: Wie Duncan Sheik Preise en masse einheimste
Gemeinsam mit dem Dichter und Dramatiker Steven Sater, mit dem er bereits 2001 am Album „Phantom Moon“ zusammengearbeitet hatte, begann Sheik, ein Musical auf Basis von Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen“ (1891) zu entwickeln. Thema war das schmerzhafte sexuelle Erwachen einer Gruppe deutscher Teenager, das zu seiner Zeit wegen Obszönität verboten war.
„Ich halte ihn für ein Genie“, sagte Sheik gegenüber dem Rolling Stone über die Zusammenarbeit mit Sater. „Er ist ‚da draußen‘, exzentrisch und einzigartig – und genau deshalb liebe ich ihn. Ich versuche sicherzustellen, dass meine Musik diese Qualitäten in sich trägt.“
Das daraus entstandene Rockmusical wurde 2006 zum sofortigen Hit und gewann acht Tony Awards, darunter den für das beste Musical; Sheik selbst erhielt die Trophäen für die beste Originalmusik und die beste Orchestrierung, kurz darauf folgte ein Grammy für das beste Musical-Album. Die Show lief über zwei Jahre am Broadway und machte aus den damals unbekannten Darstellern Lea Michele und Jonathan Groff Broadway-Stars. 2015 wurde „Spring Awakening“ neu aufgelegt, eine Off-Broadway-Produktion soll im November eröffnen.
Fans nehmen Abschied vom Musiker: prägende Figur mit „massivem Einfluss“
Michele, die Sheik seit ihrem 14. Lebensjahr kannte, würdigte ihn nach Bekanntwerden seines Todes: „Ich habe eine Demokassette gehört, auf der er Songs aus ‚Spring Awakening‘ vor meiner Mittelschule sang, bevor ich mein erstes Vorsprechen hatte. Mir fehlen die Worte. Das tut weh und fühlt sich nicht real an. Danke für alles, was du uns gegeben hast. Und für die Zeit, die wir zusammen hatten. All meine Liebe und Gebete gehen jetzt an Nora, Ines und Duncans Familie.“
Sheik komponierte in der Folge weitere Musicals, darunter „Alice by Heart“ – eine im London des Zweiten Weltkriegs angesiedelte Version von „Alice im Wunderland“, die 2019 am MCC Theater in New York Premiere feierte – sowie „American Psycho“, eine Adaption des Romans von Bret Easton Ellis. Daneben veröffentlichte er weiterhin Musik abseits des Theaters, darunter 2011 eine Coverversion-Sammlung britischer 80er-Jahre-Acts wie Depeche Mode und Tears for Fears. Sein letztes Album, das ambiente „Claptrap“, erschien 2022.
In einem Reddit-Thread wird dem Musiker gedacht. Seine Kompositionen werden dabei als „wunderschön“, „einzigartig“ und „atemberaubend“ gelobt. „Ein Sänger, dessen Songs massiven Einfluss auf meine musikalische Prägung und mich hatten“, heißt es unter anderem. „Mit 56 Jahren zu sterben, ist tragisch“, merkt ein anderer Nutzer des sozialen Netzwerks an. In dieselbe Kerbe schlägt ein anderer Fan, der es so formuliert: „Das ist doch Mist. Er war so talentiert“.