Müssen Schwangere wirklich für zwei essen?
Rund um die Schwangerschaft ranken sich viele Mythen: Was darf man und was nicht? Müssen Schwangere etwa auf Kaffee verzichten? Und isst man wirklich für zwei? Mythos 1: Für zwei essen – oder lieber besser essen? Als Schwangere hat man einen Freifahrtschein für Pizza, Süßigkeiten oder Cola – schließlich isst man ja für zwei, oder? Zwar braucht der Körper während der Schwangerschaft mehr Proteine, Vitamine und Mineralstoffe als vorher. Doch viele überschätzen laut dem Netzwerk "Gesund ins Leben", wie viel Energie sie tatsächlich benötigen und auch wieder verbrauchen. Denn im Laufe und gerade gegen Ende ihrer Schwangerschaft bewegen sich Frauen tendenziell weniger. Wichtiger als nur mehr zu essen, ist es, sich ausgewogen, abwechslungsreich und gesund zu ernähren, betont das Netzwerk beim Fachtag "Schwangere begleiten". Denn die Ernährung der Mutter beeinflusst die Gesundheit des Babys. Doch hier offenbart sich ein weiteres Problem: Nicht für alle ist klar, was eine ausgewogene und gesunde Ernährung beinhaltet. So zeigen Studien, dass Menschen mit sozialer Benachteiligung sich oft ungesünder ernähren – oft, weil ihnen das Wissen fehlt. Das Netzwerk "Gesund ins Leben" fordert Hebammen und Gynäkologinnen dazu auf, sich mit den unterschiedlichen Lebensumständen der Schwangeren auseinanderzusetzen und möglichst individuell auf die Bedürfnisse einzugehen. Auch eine Ernährungsberatung ist in den neuen Handlungsempfehlungen des Netzwerks vorgesehen. Jedoch kritisiert es, dass eine Ernährungsberatung nicht von Krankenkassen übernommen wird. So wird Gesundheit eine Frage des Geldbeutels. Wie sieht eine ausgewogene Ernährung aus? Fokus auf pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und Obst regelmäßig Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und eine Handvoll Nüsse regelmäßiger, aber bewusster Verzehr von tierischen Lebensmitteln wie Milch, fettarmem Fleisch und Wurstwaren sowie fettreichen Meeresfischen und Eiern ab und zu süße und salzige Snacks sind in Ordnung lieber pflanzliche Fette als tierische – Rapsöl ist eine gute Alternative vorrangig Wasser und ungesüßte Getränke statt Limos oder Softdrinks kein Alkohol Mythos 2: Brauche ich Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft? Viele der Nährstoffe und Mineralien, die man während der Schwangerschaft braucht, lassen sich mit einer ausgewogenen Ernährung abdecken. Bei anderen ist es kniffliger. Insbesondere Folsäure und Jod sollten supplementiert werden. Übrigens: Folsäure wird bereits vor der Schwangerschaft empfohlen, wenn Paare sich in der Kinderwunsch-Phase befinden. Während der Schwangerschaft steigt auch der Eisenbedarf. Das liegt an der Zunahme des Blutvolumens und dem Wachstum des Fötus und der Plazenta. Jedoch bleibt gleichzeitig die Regelblutung aus. Empfohlen wird daher, ärztlich zu prüfen, ob ein Eisenmangel vorliegt. Nur dann sollten Nahrungsergänzungsmittel genommen werden. Denn auch zu viel Eisen kann schädlich sein und zum Beispiel zu einem zu geringen Geburtsgewicht beim Baby führen. Mythos 3: Bloß kein Kaffee in der Schwangerschaft? Viele Schwangere verzichten auf Kaffee. Aber ist das wirklich notwendig? Grundsätzlich, heißt es in den Handlungsempfehlungen, sollten Schwangere koffeinhaltige Getränke mit Bedacht genießen. Sie sollten nicht mehr als 200 mg Koffein am Tag zu sich nehmen. Das entspricht rund zwei Tassen Filterkaffee oder zwei Espressi. Grund dafür ist, dass das Koffein die Plazenta passiert, doch die Halbwertszeit des Koffeins sich während der Schwangerschaft verlängert. So ist der Embryo dem Koffein länger ausgesetzt, was gesundheitliche Folgen wie ein zu niedriges Geburtsgewicht haben kann. Mythos 4: Vegan? Geht nicht! Und wenn jemand kein Fleisch und Fisch isst? An sich kein Problem für diejenigen, die darauf achten, dass ihre Ernährung weiterhin ausgewogen ist. Vor allem bei Vegetarierinnen, die Eier und Milchprodukte zu sich nehmen, sehen auch die aktuellen Empfehlungen keinen akuten Handlungsbedarf. Jedoch sollten Schwangere womöglich DHA supplementieren – eine Omega-3-Fettsäure, die vor allem in Fisch enthalten ist. Empfehlungen der Redaktion Warum sich viele Schwangere von Fachkräften nicht verstanden fühlen Stillen am Arbeitsplatz? Diese Rechte haben Mütter Welche unbequemen Fragen sich Eltern vor dem ersten Schultag stellen sollten Auch bei einer veganen Ernährung sollten Schwangere stark auf die Ausgewogenheit in der Auswahl ihrer Lebensmittel achten. Denn je stärker diese eingeschränkt ist, desto höher ist das Risiko, nicht alle Nährstoffe aufzunehmen, die benötigt werden. So sollten Veganerinnen ihren Vitamin-B12-Haushalt besonders im Blick behalten. Der Nährstoff unterstützt die Bildung von roten Blutkörperchen und ist für alle Menschen unerlässlich. Vitamin B12 ist hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln enthalten, in kleinen Mengen auch in Sauerkraut, Shiitake-Pilzen oder Meeresalgen. Jedoch ist laut der DGE die Versorgung mit Vitamin B12 aus Pflanzen nicht ausreichend. Deswegen wird Veganerinnen zu Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin B12 geraten.