MV Agusta unter Druck
Die italienische Traditionsmarke MV Agusta sah sich angesichts »zahlreicher Berichte und Interpretationen« über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu einer öffentlichen Klarstellung veranlasst. Der Hersteller bestätigt in der Pressemitteilung, dass er seit Monaten an der Wiederherstellung seines operativen, industriellen und finanziellen Gleichgewichts arbeitet. Gleichzeitig prüft der Eigentümer Art of Mobility, eine Beteiligungsgesellschaft, hinter der die russische Investorenfamilie Sardarov steht, verschiedene Optionen für eine künftige Beteiligungsstruktur. Mehrere Szenarien seien bereits verworfen worden, weitere Möglichkeiten würden aktuell weiter ausgelotet.
Sanierungsverfahren offiziell eingeleitet
Brisant ist vor allem die Bestätigung, dass MV Agusta das italienische Verfahren »Composizione Negoziata della Crisi (CNC)« eingeleitet hat. Das Instrument dient Unternehmen mit finanziellen Problemen dazu, unter Begleitung eines unabhängigen Experten mit Gläubigern und anderen Beteiligten eine Sanierung auszuloten. Voraussetzung ist eine konkrete Aussicht auf eine wirtschaftliche Erholung.
Mit einer deutschen Insolvenz in Eigenverwaltung ist das Verfahren jedoch nicht gleichzusetzen. Bei der Eigenverwaltung handelt es sich um ein Insolvenzverfahren, während die CNC gerade eine Sanierung ohne Insolvenzverfahren ermöglichen soll. MV Agusta ist nach eigener Darstellung weiterhin operativ tätig.
Interesse an der Marke ungebrochen
Wie ernst die finanzielle Schieflage ist, lässt das Unternehmen offen. Konkrete Angaben zu Verbindlichkeiten oder zur wirtschaftlichen Situation sucht man in der Stellungnahme vergeblich. Die jüngsten Verkaufszahlen lassen zumindest ein ungebrochenes Interesse der Motorradfahrer an den edlen Maschinen der Traditionsmarke erkennen: Für das erste Halbjahr 2026 meldet MV Agusta weltweit 2.166 neu zugelassene Motorräder der Marke, 3,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Jeimat- und Kernmarkt Italien stiegen die Zulassungen sogar um 28,8 Prozent.
Eine Zukunftsgarantie ist das nicht. MV Agusta räumt selbst ein, dass die ermutigenden Zuwächse beim Absatz Geschäftszahlen die operativen und finanziellen Schwierigkeiten nicht beseitigen würden. Wie es mit Eigentümerstruktur und der Marke weitergeht, bleibt damit offen.