Mythos knackt Verschlüsselungsstandard
Als der Verschlüsselungsstandard AES (Advanced Encryption Standard) im Jahr 2001 eingeführt wurde, galt er als nahezu unknackbar. Die Anthropic-KI Claude Mythos Preview soll diesen Algorithmus jetzt geknackt haben. Allerdings nicht in der Vollversion, die zum Schutz von Internetverbindungen, drahtlosen Netzwerken und der Speicherung von Daten eingesetzt wird. Mythos knackt Verschlüsselungsstandard Ähnliche kryptografische Algorithmen kommen bei der Verschlüsselung von Online-Banktransaktionen ebenso zum Einsatz wie in der privaten Kommunikation oder bei der Übermittlung von Staatsgeheimnissen. Wie die New York Times (NYT) berichtet, hat Claude Mythos Preview Schwachstellen in einer abgeschwächten AES-Version ausgemacht. Dabei soll die KI 200- bis 1.000-mal schneller gewesen sein als menschliche Kryptografie-Expert:innen zuvor. Während für aktuell eingesetzte Verschlüsselungsalgorithmen keine akute Gefahr besteht, warnen Beobachter:innen vor den rasanten Fortschritten der KI-Modelle im Bereich Kryptografie. Die langfristigen Auswirkungen auf traditionell eingesetzte Schutzmaßnahmen im Internet könnten erheblich sein, wie es bei der NYT heißt. Kryptografie: Rasante KI-Entwicklung So erklärte Anthropic-Forscher Nicholas Carlini, dass KI-Modelle noch 2025 nicht annähernd so leistungsfähig gewesen seien wie heute. Sie hätten Probleme, die er schon im Alter von 16 Jahren lösen konnte, nicht lösen können. „Aber jetzt betreiben sie modernste Forschung, die auf diesem Gebiet zuvor nicht entdeckt werden konnte“, so der Forscher, der früher in Googles KI-Abteilung tätig war. Mythos soll den Angriff auf den Verschlüsselungsstandard zudem fast vollständig autonom entwickelt haben. Im Anschluss daran sollen zwei menschliche Forscher:innen fast einen Monat daran gearbeitet haben, die vorgeschlagene Methode zu überprüfen. Cybersecurity: KI versus Quantencomputer Schon länger warnen Expert:innen davor, dass Quantencomputer künftig in der Lage sein könnten, moderne Verschlüsselungsstandards zu knacken. Das wiederum hätte tiefgreifende Folgen für die digitale Privatsphäre sowie für die nationale Sicherheit. Die aktuellen KI-Fortschritte lassen jetzt Bedenken aufkommen, dass der mathematische Kern von Internet-Sicherheitsstandards auch unabhängig von Quantencomputern verwundbar sein könnte. Neben der AES-Attacke soll Mythos laut Anthropic zudem einen weiteren verbesserten Angriff auf ein anderes kryptografisches System namens Hawk orchestriert haben. Hawk soll eigentlich sowohl gegen traditionelle als auch gegen Quantencomputer-Angriffe sicher sein und gilt als Kandidat für einen neuen Verschlüsselungsstandard des National Institute of Standards and Technology. Schwachstelle in Post-Quanten-Standard Das Post-Quanten-Verfahren ist über Jahre getestet worden. Die Hawk-Entwickler:innen selbst haben derweil bestätigt, dass die von Mythos gewählte Angriffsmethode funktionieren könnte. Das wiederum könnte bedeuten, dass KI-Modelle wie Claude Mythos Preview künftig auch bei der Entwicklung solcher kryptografischer Verfahren hilfreich sein könnten, um entsprechende Schwachstellen zu identifizieren.