Nach 19 erfolglosen Bewerbungen: Marie zweifelt an ihrem Traum von der eigenen Praxis
Marie aus Montpellier steht trotz abgeschlossenem Psychologiestudium erneut ohne Masterplatz da. Wie „Midi Libre“ berichtet, blieben all ihre Bewerbungen für das neue Studienjahr erfolglos. Damit ist zum zweiten Mal in Folge keine reguläre Fortsetzung ihres Studiums möglich.
Marie scheitert trotz vieler Bewerbungen
Sie hat ihren Bachelor in Psychologie seit 2025 und versuchte anschließend, einen Platz in einem Masterstudiengang zu bekommen, unter anderem in klinischer Psychologie, Entwicklungspsychologie und Neuropsychologie. Insgesamt verschickte sie 19 Bewerbungen in ganz Frankreich. „Aber ich wurde nirgendwo genommen.“
Nach Angaben von „Midi Libre“ hatte Marie versucht, ihr Profil gezielt auszubauen. Sie belegte einen Universitätskurs in Psychoanalyse und sammelte praktische Erfahrung in verschiedenen Bereichen, unter anderem in einer Betreuungseinrichtung, in einer Praxis und an einer Schule. Für eine Zulassung reichte das dennoch nicht.
Das Berufsziel gerät in weite Ferne
Die wiederholten Absagen zwingen Marie nun offenbar zum Umdenken. Eigentlich wollte sie später eine eigene psychologische Praxis eröffnen. „Ich muss mich umorientieren“, sagt sie.
Laut „Midi Libre“ hat sie sich bereits um eine Stelle als Vertragskraft an einer Grundschule bemüht. Auch eine Ausbildung zur Lehrerin kommt für sie offenbar infrage. Ein Grund für diesen Schritt ist laut ihren Angaben auch die finanzielle Lage, da ihre Eltern sie bislang bei ihrem Studium unterstützen.
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Psychologie-Studium endet oft nicht mit dem Bachelor
In Frankreich ist der Bachelor in Psychologie für viele Betroffene nur ein Zwischenschritt. Wer später tatsächlich als Psychologe arbeiten möchte, benötigt in der Regel den weiterführenden Masterabschluss. Darauf weist auch das französische Recht zum Berufstitel hin, das den Zugang zum Beruf des Psychologen an bestimmte Abschlüsse knüpft, darunter den Masterabschluss, wie aus Legifrance hervorgeht.
Genau deshalb treffen Absagen in diesem Fach besonders hart: Für viele Studierende geht es nicht nur um ein weiteres Studienjahr, sondern um den Zugang zum eigentlichen Berufsziel. Wer nach der Licence keinen Platz bekommt, gerät schnell in eine Sackgasse, obwohl das Studium bereits abgeschlossen ist. Wie „L’Etudiant“ unter Berufung auf den Ethikbericht zu Mon Master berichtet, erhielt 2025 nur rund die Hälfte der neuen Psychologie-Absolventen in Frankreich ein Angebot für einen Masterplatz.
Abgelehnte Bewerber können den Rektor einschalten
Zugleich gibt es für abgelehnte Bewerber ein formales Verfahren. Über die staatliche Plattform „Mon Master“ können Absolventinnen und Absolventen unter bestimmten Voraussetzungen den zuständigen Rektor einschalten, wenn sie keine Zusage für das erste Masterjahr erhalten haben.
Wie auf der Informationsseite zum Verfahren „Saisine du recteur“ und in den FAQ von „Mon Master“ erläutert wird, zählen dazu unter anderem ein französischer Bachelorabschluss aus den vergangenen drei Studienjahren sowie eine bestimmte Zahl an Bewerbungen. Erfüllt ein Student diese Bedingungen, soll der Rektor drei zum Abschluss und Studienwunsch passende Vorschläge machen. Die Frist dafür ist allerdings knapp: Die Meldung muss in der Regel binnen 15 Tagen nach dem letzten Ablehnungsbescheid erfolgen.