Nach Bagger-Attacke in Mörlenbach: Zehntausende Euro für betroffene Familie gespendet
Ein Bagger hat das Zuhause von Nicole Gerstner und ihren drei Kindern zerstört. Seit ein Nachbar am Sonntag große Teile ihres Hauses in Mörlenbach-Bonsweiher Bergstraße) mit einem Bagger beschädigt hat, ist die Familie bei Verwandten untergekommen.
Inzwischen erfährt die Familie große Unterstützung: Knapp 40.000 Euro waren bis Mittwochabend über ein Online-Spendenkonto zusammengekommen, das Freunde der Familie ins Leben gerufen haben.
"Wir sind nicht alleine"
Für Gerstner ist die Unterstützung überwältigend. "Das ist so unfassbar, dieser Zuspruch", sagt sie dem hr am Mittwoch und ringt dabei mit den Worten. Dass so viele Menschen helfen wollen und die Familie nicht alleinlassen, sei "unfassbar und unglaublich schön".
Wie groß die finanziellen Folgen der Zerstörung sind, zeigt eine erste Schadensschätzung der Polizei: Sie geht von mehreren hunderttausend Euro aus. Gerstner hat inzwischen mit ihrer Versicherung gesprochen. Nach ihren Angaben kommt diese für die Schäden nicht auf. "Ich bin nicht gegen Vandalismus versichert. Nicht gegen Menschen, die mit dem Bagger unser Haus einreißen", sagt sie.
"Es ist so surreal"
Als Gerstner am Mittwoch zu ihrem Haus zurückkehrt, sieht sie das Ausmaß der Zerstörung. Rund ein Drittel der Hauswand fehlt, die beschädigte Fassade ist mit Plastikplanen abgedeckt. Davor liegen Möbel, Holzbalken und Dämmmaterial in den Schuttbergen. Auch der große, rote Bagger steht noch auf dem Grundstück.
"Ich bin immer noch fassungslos. Es ist so surreal alles", sagt die 46-Jährige. Am Sonntagmorgen hatte sie noch einen Marmorkuchen gebacken und das Frühstück vorbereitet. Die Brötchen waren im Ofen. "20 Minuten später hätten wir da gesessen und gefrühstückt", erzählt sie.
Doch dazu kam es nicht. Als ihre Töchter den Nachbarn erneut vor dem Haus bemerkten, riefen sie ihre Mutter. Der 44-Jährige war Gerstner bereits zwei Tage zuvor aufgefallen: Nach ihren Angaben hatte er sie beschuldigt, Strahlung gegen ihn zu richten.
Nun war er mit einem Bagger zurückgekehrt. Er begann, mit der Schaufel auf die Kellerwand einzuschlagen. Gerstner forderte ihn auf, aufzuhören. Er habe geantwortet: "Das wird jetzt abgerissen." Daraufhin alarmierte sie die Polizei und brachte ihre Kinder ins Freie. Während die Familie auf die Beamten wartete, hörte sie, wie der Bagger das Haus weiter zerstörte. "Es waren die schlimmsten zehn Minuten meines Lebens", sagt Gerstner.
Familie darf vorerst nicht zurück ins Haus
Das Haus gilt als einsturzgefährdet. Gerstner und ihre Kinder dürfen deshalb vorerst nicht hinein. Ein Statiker soll prüfen, ob sie zumindest wichtige Dokumente und persönliche Erinnerungsstücke bergen können. Bis dahin bleibt die Familie bei Verwandten untergebracht.
Besonders bitter ist die Zerstörung wegen eines fast abgeschlossenen Umbaus: Fast ein Jahr lang hatte die Familie den Keller ausgebaut, damit dort Platz für Gerstners pflegebedürftigen Mann entsteht. Ende Oktober sollte alles fertig sein.
Staatsanwaltschaft lässt Schuldfähigkeit prüfen
Der 44-jährige Nachbar wurde nach der Tat von der Polizei in eine psychiatrische Fachklinik gebracht. Noch am selben Tag schrieb er auf seiner Homepage, er habe eine vermeintliche Strahlungsquelle beseitigt, die gegen ihn gerichtet gewesen sei.
Die Staatsanwaltschaft Darmstadt wirft ihm die Zerstörung von Bauwerken vor. Ein Sachverständiger soll seine Schuldfähigkeit prüfen. Der weitere Verlauf des Verfahrens hängt nach Angaben der Staatsanwaltschaft maßgeblich von dieser Einschätzung ab.