Nach E-Autos und Solaranlagen bald auch Wärmepumpen aus China?
Stand: 24.09.2026 12:34 Uhr
Etwa eine Milliarde Euro Umsatz macht der Wärmepumpenhersteller Stiebel Eltron aus Holzminden pro Jahr. Noch. Chinesische Unternehmen sind auf dem Vormarsch. Kann eine Aufweichung des Kartellrechts helfen?
von Gino Egbers
Bei Stiebel Eltron läuft es. 200 Wärmepumpen werden im Werk in Holzminden täglich gefertigt. Die Auftragsbücher sind voll, weltweit arbeiten 5.000 Beschäftigte für das Unternehmen. Trotzdem ist die Zukunft ungewiss. "Die chinesische Regierung verfolgt im Grunde genommen den Plan, die Weltmarktführerschaft in der Wärmepumpen-Industrie zu übernehmen", sagt Geschäftsführer Kai Schiefelbein.
Mehr Förderung, weniger Einschränkung in China
"Wie auch in anderen Branchen fördert die chinesische Volksrepublik ihre Wärmepumpen-Unternehmen in einem Ausmaß, bei dem europäische Firmen mittelfristig nicht mithalten können", erklärt Schiefelbein. Neben günstigen Krediten geht es auch um das Kartellrecht. So könnten viele verschiedene Unternehmen in China eng miteinander arbeiten, um zum Beispiel neue Wärmepumpen-Teile zu entwickeln. Das geteilte Know-how und die geteilten Kosten sorgten für effiziente Innovation. In Europa seien solche Zusammenschlüsse kartellrechtlich stark eingeschränkt, argumentiert Schiefelbein. Er fordert europaweite Anpassungen im Kartellrecht.
Ein Déjà-vu nach den Solaranlagen?
Die Wärmepumpen-Industrie wäre nicht die erste Zukunftstechnologie, die nach China abwandert. Nachdem 2012 die Förderungen für Photovoltaik-Anlagen zurückgefahren wurden, brach die Branche ein. Innerhalb eines Jahres sank der Umsatz von knapp zwölf auf etwas über sieben Milliarden Euro pro Jahr. Gleichzeitig baute China durch gezielte Fördermaßnahmen eine Photovoltaik-Industrie auf und erobert den europäischen Markt.
"Wir müssen lernen, unsere Technologien zu schützen"
"Wir haben die Photovoltaik-Anlagen in Deutschland erfunden und den Verkauf in Gang gebracht. Inzwischen gibt es kaum noch Unternehmen hier. Wir müssen lernen, unsere Technologien zu schützen", sagt Silke Weyberg, Geschäftsführerin des Landesverbands Erneuerbare Energien Bremen/Niedersachsen. Sie fordert langfristige Strategien. Auch, um sich bei der Frage um die Energie-Sicherheit weniger von China abhängig zu machen.
Chinesische Währung 30 Prozent unter Wert
Das Kräftemessen mit China: ein schwieriges Unterfangen. Das beginnt schon bei Chinas Währung, dem Renminbi. Der ist etwa 30 Prozent weniger wert, als er es eigentlich sein müsste, sagt Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. "Die chinesische Regierung hält den künstlich niedrig. Dadurch können Produkte aus China schon grundsätzlich 30 Prozent günstiger ins Ausland verkauft werden." Dazu kämen staatliche Subventionen, die europäische Unternehmen in der Menge nicht bekämen, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler.
Können Wärmepumpen in Masse produziert werden?
Betroffen sind laut Matthes vor allem Produkte, die einfach, "quasi von der Stange", herzustellen sind. Photovoltaikanlagen könne man inzwischen zum Beispiel problemlos in Masse in chinesischen Fabriken herstellen. Ein Verbrennungsmotor sei dagegen deutlich schwieriger zu bauen. Entsprechend sei die Industrie in diesem Bereich gegenüber chinesischen Unternehmen resilienter. Bei der Wärmepumpe müsse man jetzt sehen, ob sie eher Solar-Panel oder eher Verbrennungsmotor sei. So oder so müsse sich Europa aber anderen Volkswirtschaften anschließen und Zölle auf bestimmte Importwaren erheben, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sagt Matthes.