Nach Großbrand in Neumünster: Strafverfahren gegen Mieterin
Stand: 08.07.2026 10:20 Uhr Nach dem tagelangen Brand in einer Lagerhalle haben die Staatsanwaltschaft Kiel und die Polizei Neumünster erste Ermittlungsergebnisse veröffentlicht. Laut Feuerwehr war es das größte Feuer seit 30 Jahren. Nach dem Großbrand in einer Lagerhalle in Neumünster in der vergangenen Woche wird gegen die Mieterin wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Laut Polizei liegen konkrete Anhaltspunkte vor, dass in der Halle Gegenstände gelagert wurden, die aufgrund ihrer Beschaffenheit brandgefährdend waren. Nach aktuellem Kenntnisstand wurden dort vor allem Akkumulatoren, also Akkus, einer Firma gelagert. Die genaue Ursache ist jedoch weiterhin unklar. "Aufgrund des erheblichen Zerstörungsgrades ist die Brandursache nicht abschließend feststellbar", sagte Polizeisprecherin Mira Grunicke. Brände auch in anderen Lagerstätten der Firma Auch in anderen Lagerstätten der Firma kam es bereits zu mehreren Bränden. So nutzte das Unternehmen laut Polizei auch eine Halle im Stadtteil Gadeland, in der es kürzlich auch brannte - insgesamt dreimal. Dort wurden demnach ebenfalls Akkus und weitere Gegenstände gelagert. Mieterin ist für Aufräumarbeiten verantwortlich Nach Angaben der Polizei wurden in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt, der Stadt Neumünster und der Berufsfeuerwehr nun Maßnahmen getroffen, um weitere Lagerhallen der Mieterin zu identifizieren und erneute Brände zu verhindern. Der Brandort an der Wrangelstraße sei wieder freigegeben. Für die Aufräumarbeiten sei die Mieterin verantwortlich. Die Ermittlungen gegen sie dauern weiter an. Löscharbeiten dauerten drei Tage Das Feuer war am vergangenen Dienstag (30.6.) in dem Lagerhallenkomplex ausgebrochen. Nachdem Einsatzkräfte es rund drei Tage lang gelöscht hatten, konnte die Feuerwehr die letzten Nachlöscharbeiten am Donnerstagabend (3.7.) gegen 18 Uhr abschließen. Am gleichen Tag kam eine erleichternde Information für die Anwohnenden in Neumünster: Asbest wurde laut Angaben der Stadt außerhalb der Brandstelle nicht gemessen. Zwei von neun Messungen seien positiv gewesen, beide stammten aber aus dem direkten Einsatzbereich, teilte die Stadt mit. Nach den bisherigen Erkenntnissen war die Bedachung der Lagerhalle mit asbesthaltigen Eternitplatten eingedeckt. Weiterhin Vorsicht geboten Ablagerungen oder Trümmerteile, die im Umfeld des Brandortes auf Grundstücken niedergegangen seien, müssen laut Behörden nicht zwangsläufig asbesthaltig sein. Es könne sich dabei auch um gewöhnliche Brandrückstände wie verbrannte Pappe oder andere Materialien handeln. Aus Vorsorgegründen wird dennoch empfohlen, solche Funde mit Einweghandschuhen aufzunehmen, in eine reißfeste Tüte zu verpacken, diese gut zu verschließen und anschließend zu entsorgen. Größter Brand in Neumünster seit 30 Jahren Die Berufsfeuerwehr Neumünster spricht von dem größten Brand in der Stadt seit 30 Jahren. Am Dienstagmorgen war der Lagerhallenkomplex in Flammen aufgegangen, in dem Akkus von E-Scootern gelagert waren. Feuerwehrsprecher Alexander Benecke-Blüher sagte NDR Schleswig-Holstein, das Löschwasser sei nicht tief genug ins Gebäude gekommen, um alle Glutnester zu erreichen. Deshalb wurde zunächst eine erste Halle nach und nach abgerissen. "Die ist jetzt platt", sagte ein Feuerwehrsprecher. Benecke-Blüher hatte solch einen Einsatz vorher noch nie erlebt und lobte das außergewöhnliche Engagement aller Beteiligten. Es sei ein Einsatz, an den man sich noch in 20 Jahren erinnern werde. Es ist körperlich super anstrengend, es ist kräftezehrend, die Muskeln tun weh, die Knochen tun irgendwann weh. Viele haben sich, glaube ich, auch Blasen gelaufen. Ich gehöre selber mit dazu. Das gehört dann in dem Moment leider irgendwie auch ein bisschen dazu und zeigt eigentlich auch, dass man gekämpft hat. Alexander Benecke-Blüher, Sprecher der Berufsfeuerwehr Neumünster Akkus für E-Scooter befanden sich in der Lagerhalle In der abgebrannten Lagerhalle waren laut Polizei Akkus für E-Roller gelagert. Die Akkus erschwerten das Löschen, weil sie sich immer wieder von selbst entflammen. Bei großer Hitze neigten Akkus dazu, sich aufzublähen und ein Gas zu entwickeln, das hochbrennbar und explosiv sei, sagte der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands Schleswig-Holstein, Volker Arp. Dieses Gas führe dazu, dass es am Ende eine Kettenreaktion gebe. Die Helfenden bekämpften die Flammen von allen Seiten. Die Feuerwehr setzte dabei mehrere Drehleitern und unter anderem auch einen Löschroboter aus Hamburg ein. Eine Person wurde bei dem Feuer verletzt, weil sie giftige Gase eingeatmet hatte. Es hat richtig doll gestunken. Anwohnerin aus Neumünster-Wittorf 300 Einsatzkräfte an Löscharbeiten beteiligt Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Neumünster, Helfende aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde, Kreis Plön und Kreis Segeberg. Auch das Technische Hilfswerk und der Katastrophenschutz waren vor Ort. Das Technische Betriebszentrum der Stadt Neumünster legte Sandsäcke aus und baute Sperren auf, damit keine Schadstoffe in die Umwelt gelangten. Bisher seien alle Proben "im grünen Bereich". In der Spitze waren 300 Helfer vor Ort, darunter viele Ehrenamtliche. Das DRK Kaltenkirchen übernahm zum Beispiel während der dreitägigen Löscharbeiten die körperliche Verpflegung der Einsatzkräfte und kochte für sie. Man muss schon sagen, ein paar, die mit Atemschutzgeräten und so da drin waren, oder davor, die sahen schon echt fertig aus. Dafür, dass es dieser Großbrand war, waren die alle sehr gut drauf. Die Gesichter, die waren auch so, oh, das DRK kocht wieder, also die waren echt happy. Monique Hellendahl & Lenja-Sophie Wiechmann, DRK Kaltenkirchen Betriebe schließen für Rettungseinsatz Aufgrund der Länge und Intensität des Einsatzes in Neumünster haben viele Helferinnen und Helfer sogar ihr Privatleben umorganisieren müssen. Einige Betriebe mussten laut Daniel Witter von der Freiwilligen Feuerwehr Neumünster sogar schließen, da mehrere Leute innerhalb des Betriebs Mitglied in der Feuerwehr sind. Abgesehen von der Erschöpfung aller Beteiligten würde abschließend ganz klar die Freude über die tolle Zusammenarbeit überwiegen. Neumünsters Feuerwehr ist daher voller Dankbarkeit. Dieses Engagement von allen Einsatzkräften, die hier vor Ort waren, ist einfach faszinierend zu sehen. Auch die ganzen Kräfte, die von außerhalb kamen. Das ist absolut fantastisch, wie da die Blaulichtfamilie dann auch wirklich zusammenkommt und auch zusammenhält. Und das hat sich hier wieder auf jeden Fall gezeigt. Alexander Benecke-Blüher, Sprecher der Berufsfeuerwehr Neumünster Schadenshöhe ist noch unklar Nachdem der Einsatz laut Feuerwehr seit Donnerstagabend als abgeschlossen gilt, muss nun das eingesetzte Material gereinigt werden. Wie hoch der Schaden ist, ist noch unklar.