Nach Hackerangriff in Berlin: Problemlösung könnte noch Tage dauern
Durch den Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz sind zahlreiche Bürgerdienste aktuell nicht verfügbar. So können mehrere Bezirke keine Fälle in den Bereichen Wohnberechtigungsschein und Zweckentfremdung bearbeiten. Bei den Straßen- und Grünflächenämtern können keine Anträge für Baustellen, Straßensperrungen oder Umleitungen bearbeitet werden. Bereits seit Anfang der Woche ist bekannt, dass es derzeit große Probleme bei der Auszahlung von Wohngeld an mehr als 50.000 berechtigte Haushalte in Berlin gibt. Das gilt auch für die Leistung "Bildung und Teilhabe", die verschiedene Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche umfasst - wie etwa eine Übernahme von Kosten für Ausflüge von Schulen oder Kitas. Wann die Störung behoben sein wird, sei nicht bekannt, heißt es in einer offiziellen Mitteilung, die einige Bezirke auf ihren Webseiten veröffentlich haben. Zwei Senatsverwaltungen offline Durch den Hackerangriff sind vor allem die Senatsverwaltung für Bauen und Stadtentwicklung sowie die für Mobilität und Klimaschutz betroffen. Sie bleiben weiter vom Landesnetz getrennt. Die Bau- und die Verkehrsverwaltung sollen so schnell wie möglich wieder angeschlossen werden, es werde aber "noch einige Tage" dauern, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner am Mittwochabend bei einer Pressekonferenz. Es handele sich um einen erheblichen und sehr ernsten Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz, so Wegner. Nach jetzigem Stand seien aber keine sensiblen Daten abgeflossen. Mit der Frage, was die Ursache des Angriffs war, befasse man sich aktuell noch nicht. Stattdessen betreibe man akutes Krisenmanagement, sagte Berlins Chief Digital Officer (CDO) Florian Hauer. Dabei unterstütze ein externer US-amerikanischer Dienstleister. "Ein Angriff auf Berlin in Gänze" Ein Gespräch mit Berlins Landesbevollmächtigten für Informationssicherheit verdeutlicht, wie ernst der Fall tatsächlich war - und wie viel noch ungeklärt ist. "Es wurde keine Senatsverwaltung angegriffen, sondern Berlin in Gänze", fasst Olaf Kroll-Peters im Gespräch mit dem rbb die Lage zusammen. Ihm zufolge fielen bei einer Störungsmeldung zunächst Unregelmäßigkeiten auf. "Was wir nicht gefunden haben, ist, dass der Angreifer etwas kaputt gemacht hat. Sondern, wir haben im System jemanden gefunden", sagte er. Daraufhin sei ein spezialisiertes US-Unternehmen hinzugezogen worden - das schließlich Alarm schlug. "Vielleicht haben wir es für den Täter einfach zu schnell gesehen - und die richtigen Maßnahmen getroffen", so Kroll-Peters. Doch er räumt auch ein: Wie lange der Hacker im System war, ist unklar. "Die Ermittlungen laufen, wann er ins System kam. Weil so ein Angreifer meistens schon ein bisschen vorher da ist. Aber wir sprechen von maximal ein par Tagen." Wie lange war der Eindringling im System? Heißt auch: Wie lange der Eindringling sein Unwesen treiben konnte, ist noch nicht geklärt. Möglicherweise also nicht nur am Freitag, sondern in den Tagen davor schon, was Hauer auf Nachfrage in der rbb24 Abendschau nicht bestätigte, aber auch nicht verneinte. IT-Experten sehen Berlin schlecht aufgestellt Die Senatskanzlei hatte am Montag mitgeteilt, dass es bereits am Freitag zu einem Angriff auf die IT gekommen war. Wegen der Sicherheitsanalysen, die viel Netzleistung beanspruchen, waren zeitweise auch andere Dienste nicht erreichbar, zum Beispiel das Online-Portal für Wahlunterlagen. IT-Experte Manuel Atug hatte das Land für seine nach seiner Ansicht mangelhaften Cybersicherheit kritisiert. Berlin sei "sehr schlecht aufgestellt", sagte er im rbb. Experten wie er selbst hätten in der Vergangenheit bereits Vorschläge unterbreitet, die nicht umgesetzt worden seien. Sendung: rbb24 Inforadio, 20.08.2026, 7:50 Uhr Audio: rbb24 Inforadio, 20.08.2026, Sebastian Schöbel