Nach Insolvenz: Erste Baumarkt-Größen machen konkrete Angebote für Hellweg-Filialen
Die insolvente Baumarktkette Hellweg wird in ihrer bisherigen Form mitsamt der Marke Baywa nicht fortgeführt. Wie die „Lebensmittel Zeitung“ berichtet, liegen den Gläubigern jedoch Übernahmeangebote vor. Zu den Interessenten gehören fast alle bekannten Akteure der deutschen DIY-Branche. Die Bieter wollen sich Teile des bundesweiten Filialnetzes sichern.
Konkurrenten buhlen um Berliner Hellweg-Standorte
Nach Informationen der „Lebensmittel Zeitung“ soll Branchenführer Bauhaus ein besonders hohes Gebot für die Berliner Standorte abgegeben haben, um Wettbewerber auszustechen. Auch der Konkurrent Obi signalisiert starkes Interesse und soll demnach bis zu zehn Filialen für eine Übernahme angemeldet haben.
Insgesamt beziehen sich die Gebote von Bauhaus, Obi und Hornbach in der ersten Phase allerdings auf deutlich weniger als die Hälfte der insgesamt 114 Märkte. Die verbleibenden Standorte stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Verhandlungen über Mieten sollen Sanierung von Hellweg-Filialen ermöglichen
Einige Marktteilnehmer wie die Rewe-Tochter Toom halten sich im aktuellen Verkaufsprozess noch zurück und konzentrieren sich auf die eigene Neuausrichtung. Branchenkenner rechnen laut der „Lebensmittel Zeitung“ damit, dass Toom, Globus Baumarkt und Partner der Hagebau-Gruppe erst in einer späteren Phase zum Zug kommen.
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Für viele unrentable Filialen mit hohem Sanierungsbedarf müssen die potenziellen Käufer zunächst günstigere Mietkonditionen mit den Hauseigentümern vereinbaren. Erst durch reduzierte Pachten könnten diese Standorte für die Mitbewerber wirtschaftlich attraktiv werden.
Vom Baumarkt-Boom zum Verdrängungswettbewerb
Für die aktuelle Situation bei Hellweg lohnt sich auch ein Blick darauf, wie stark sich der deutsche Baumarktsektor seit der Wiedervereinigung verändert hat. Nach Angaben des Branchenportals „diyonline“ erlebte die deutsche DIY-Branche Anfang der 1990er-Jahre einen starken Wachstumsschub.
Nach der Wiedervereinigung eröffneten zahlreiche westdeutsche Unternehmen neue Märkte in den ostdeutschen Bundesländern, wo ein großer Nachholbedarf bei Renovierungen, Modernisierungen und Neubauten bestand. Allein zwischen März 1990 und Dezember 1991 entstanden dort 178 neue Baumärkte.
Das schnelle Wachstum führte jedoch innerhalb weniger Jahre zu einem deutlich härteren Wettbewerb. 1995 gab es bundesweit bereits 2.840 Bau- und Heimwerkermärkte. Nach Einschätzung der Branche war damit der Bedarf weitgehend gedeckt, sodass erstmals von einem Überangebot an Standorten die Rede war.
Unternehmen mussten zunehmend um Kunden und Marktanteile konkurrieren, während bei einigen Betreibern die Umsätze deutlich zurückgingen. Auch Hellweg gehörte damals zu den Unternehmen, die von dieser Entwicklung betroffen waren.