Nach Pokal-Klatsche gegen Jeddeloh Trainer Frank Schmidt über Heidenheims Krise: "Ein gewaltiger Rucksack"
Trainer Frank Schmidt hielt es über weite Teile des DFB-Pokalspiels des 1. FC Heidenheim beim SSV Jeddeloh II nicht auf seinem Platz im Stadion in Oldenburg. Der FCH-Rekordcoach, der im vergangenen Jahr in der zweiten Runde gegen den Hamburger SV die Ampelkarte gesehen hatte und daher am Sonntag gesperrt war, tigerte immer wieder über die Tribüne und schien teilweise fassungslos über die Defensivleistung seiner Mannschaft. Denn auch gegen den Viertligisten spielte der 1. FC Heidenheim nicht zu Null.
Gegentorflut für den 1. FC Heidenheim
Im Gegenteil - gegen den Nord-Regionalligisten kassierten die Schwaben bereits in Halbzeit eins die Gegentreffer Nummer acht, neun und zehn im dritten Pflichtspiel, die Gegentore elf und zwölf folgten im zweiten Durchgang. Am Ende stand eine blamable 2:5-Klatsche des 1. FC Heidenheim beim zwei Klassen tiefer spielenden Nordklub.
Auch mit ein paar Stunden Abstand schien Coach Schmidt noch konsterniert. "Der Tag tut weh. Die Niederlage war völlig verdient", sagte der 52-Jährige in der TV-Sendung SWR Sport: "Die letzte Woche hat vielleicht noch in dieses Spiel eingezahlt. Wir haben gedacht, nach der Niederlage letzte Woche und nach der ersten Halbzeit gegen Hertha, dass es fast nicht noch schlimmer gehen kann und dass wir die Defensive mit dem Testspiel unter der Woche gegen Bayern München (2:4) ein bisschen stabilisiert hätten. Aber wir haben gesehen: Im Fußball kann es noch schlimmer gehen, und das mussten wir wirklich brutal erfahren."
Heidenheim ließ gegen Jeddeloh II über weite Strecken die Grundtugenden vermissen, die den Klub von der Ostalb unter Coach Schmidt über lange Jahre auszeichneten. Unbedingter Wille, mit dem auch fußballerische oder technische Defizite kaschiert werden können. Zweikampfintensität, eine gewisse Härte, Resilienz und Handlungsschnelligkeit - das alles fehlte gegen den Regionalligisten. Die Mannschaft offenbarte erneut starke Abstimmungsprobleme, sie wirkt äußerst verunsichert.
Besorgniserregender Trend beim 1. FC Heidenheim
Und: Die Defensive agierte schon wieder vogelwild. Vor Wochenfrist hatte der FCH bereits beim 1:4 in Berlin vier Tore kassiert und zuvor beim 4:3 gegen Osnabrück drei Treffer zugelassen.
Frank Schmidt: "Lernen den Fußball von der anderen Seite her kennen"
Für den erfahrenen Schmidt, seit rund 19 Jahren Coach des 1. FC Heidenheim, ist die Gegentorflut vor allem eine psychische Sache. "Das ist ein gewaltiger Rucksack, da spielt sich im Kopf einiges ab", analysierte er. Die Situation, so Schmidt weiter, gelte es nun anzunehmen: "Wir haben so viele Erfolge und Fußballfeste feiern dürfen - jetzt lernen wir den Fußball mal von der anderen Seite her kennen. Auch ich als Trainer."
Es habe wehgetan, auf der Tribüne zu sitzen und nicht eingreifen zu können, erzählte Schmidt: "Das war hart. Wir haben so viele Baustellen. Aber oben zu sitzen, hat den Vorteil, dass man nicht so aus der Emotion heraus reagiert. Man nimmt die Sachen, die passieren, anders wahr. Mir war relativ klar, dass jeder einzelne Spieler Unterstützung braucht."
So soll die Krise des FCH gemeistert werden
Genau so nehme man beim FCH, so Schmidt kämpferisch, die Krise an. Der 52-Jährige hat klare Vorstellungen, wie der Turnaround gelingen soll. "Klappe halten! Und dann müssen wir als 1. FC Heidenheim wieder vorangehen. Es ist eine ganz schwere Situation, die wir so in der Form noch nicht hatten. Es liegt an uns, sie um 180 Grad zu drehen. Aber nicht mit aufeinander Draufhauen oder mit dem Finger auf Schuldige zeigen. Da gab es nämlich viele, auch ich als Trainer", so Schmidt.
"Eine große Aufgabe diese Woche"
Man müsse stattdessen "der Mannschaft und jedem einzelnen Spieler Vertrauen zurückgeben", sagte die FCH-Ikone. "Das wird eine große Aufgabe diese Woche. Wir müssen die Mannschaft jetzt unterstützen. Auch im nächsten Spiel gegen Dynamo Dresden werden Fehler passieren. Da wird es Situationen geben, in denen man merkt, dass es die Mannschaft beschäftigt", führte Schmidt aus: "Aber wir müssen über die Kleinigkeiten und über eine richtig gute Einstellung gemeinsam mit unseren Fans Schritt für Schritt vorankommen."
Seinen Optimismus hat Schmidt jedenfalls nicht verloren: "Das gehen wir jetzt zusammen an. Zu sagen, ich freue mich darauf, wäre vielleicht ein Schritt zu früh, aber es ist eine Herausforderung, deren Bewältigung auch Spaß machen kann."
Die Krise zu meistern, ist Schmidts kurzfristiges Ziel. Langfristig will sich der Kult-Coach aktuell nicht in die Karten schauen lassen, was seine persönliche Zukunft angeht. Es werde "mutmaßlich meine letzte Saison" hatte der 52-Jährige, der den FCH seit Herbst 2007 trainiert, vor der aktuellen Spielzeit geäußert. Die Wortwahl damals ließ ein Hintertürchen offen.
Wie geht es mit Frank Schmidt weiter?
"Wir haben vereinbart, das ganze Thema in der nächsten Zeit nochmal zu besprechen. Aber eine Verlängerung darf kein Selbstzweck sein", sagte Schmidt: "Aber grundsätzlich hat sich nichts geändert."
Man darf also gespannt sein, wie es weitergeht: Mit Schmidt selbst - und dem 1. FC Heidenheim.