Nach Sabotage am Stromnetz: Experte rät, man solle immer Powerbank, Radio und Bargeld bereithalten
In Sachsen haben Ermittler inzwischen 21 selbst hergestellte Sprengvorrichtungen im Bereich von Hochspannungstrassen gefunden. Alle lagen südlich des Umspannwerks Graustein bei Schleife. Spezialkräfte des Landeskriminalamtes entschärften die Vorrichtungen. Die Ermittlungen dauern an.
Auch in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen beschäftigen Sabotageversuche am Stromnetz die Behörden. Der mutmaßliche Strom-Saboteur wurde inzwischen festgenommen. Wer für welche Tat verantwortlich ist, müssen die Ermittler klären. Als Feuerwehrmann und ehemaliger Leitstellendisponent beschäftigt mich vor allem eine andere Frage: Wie gut sind wir vorbereitet, wenn der Strom tatsächlich länger ausfällt?
Christian Prengel ist Experte für Brandschutz, Erste Hilfe und Gefahrenabwehr sowie Host des Podcasts „Zwischen Alarm und Alltag“. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Stromausfall trifft mehr als das Licht
Ein längerer Stromausfall legt nicht nur Lampen und Fernseher lahm. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe weist darauf hin, dass auch Heizung, Internet und Mobilfunk ausfallen können. Je nach Lage kann auch die Wasserversorgung betroffen sein. Geldautomaten und elektronische Bezahlsysteme funktionieren dann ebenfalls nicht zuverlässig.
Aus meiner Arbeit in der Leitstelle weiß ich, wie schnell Unsicherheit zusätzliche Arbeit erzeugt. Menschen brauchen Informationen und wollen wissen, was passiert ist. Gleichzeitig laufen echte Notfälle weiter. Genau dann dürfen Notrufleitungen nicht durch vermeidbare Anfragen zusätzlich belastet werden.
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Einsatzkräfte können nicht jede Folge abfangen
Bei einem großflächigen Stromausfall entstehen viele Probleme gleichzeitig. Aufzüge können stehen bleiben, technische Anlagen fallen aus und Menschen mit medizinischen Hilfsmitteln können Unterstützung benötigen. Feuerwehr, Rettungsdienst und andere Behörden müssen ihre Kräfte dann nach Dringlichkeit einsetzen. Sie können nicht jede Folge eines Stromausfalls persönlich auffangen.
Deshalb gehört Eigenvorsorge für mich zum Bevölkerungsschutz. Das hat nichts mit Panik zu tun. Wer sich einige Tage selbst helfen kann, entlastet im Krisenfall auch die staatlichen Strukturen. Einsatzkräfte können sich dann stärker auf Menschen konzentrieren, die tatsächlich schnelle Hilfe benötigen.
Diese Vorsorge empfiehlt das BBK
Die aktuelle Checkliste des BBK sieht bei Wasser und haltbaren Lebensmitteln eine Vorbereitung für drei, fünf, sieben oder zehn Tage vor. Als Orientierung nennt sie zwei Liter Trinkwasser pro Person und Tag. Außerdem empfiehlt das BBK unter anderem eine aufgeladene Powerbank, eine Taschenlampe und ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio. Wichtige Telefonnummern sollten auch auf Papier verfügbar sein.
Für einen Stromausfall rät das BBK außerdem dazu, Bargeld vorzuhalten. Der Grund ist simpel: Ohne Strom können auch Geldautomaten ausfallen. Wer regelmäßig Medikamente benötigt, sollte die eigene Versorgung ebenfalls in seine persönliche Notfallplanung einbeziehen. Das ist keine Vorbereitung auf den Weltuntergang, sondern vernünftige Vorsorge für eine zeitlich begrenzte Störung.
Der Notruf 112 ist keine Auskunftsnummer
Bei einer größeren Störung wollen viele Menschen möglichst schnell wissen, wann der Strom zurückkommt. Dafür ist die 112 aber nicht zuständig. Wer lediglich Informationen sucht, sollte behördliche Warnungen und lokale Informationsangebote verfolgen. Ein Radio kann dabei gerade dann wichtig werden, wenn Internet und Mobilfunk gestört sind.
Anders sieht es bei einem echten Notfall aus. Wenn jemand medizinische Hilfe benötigt, ein Feuer entsteht oder eine andere akute Gefahr besteht, ist die 112 selbstverständlich richtig. Genau deshalb müssen die Leitungen verfügbar bleiben. Eine Leitstelle muss Hilfe organisieren und kann nicht gleichzeitig als allgemeine Auskunftsstelle für einen Stromausfall dienen.
Resilienz beginnt vor dem Stromausfall
Die aktuellen Angriffe zeigen, dass wir kritische Infrastruktur besser schützen müssen. Stromnetze, Umspannwerke und andere zentrale Anlagen verdienen die Aufmerksamkeit von Staat, Sicherheitsbehörden und Betreibern. Das BBK nennt Sabotage und Cyberangriffe ausdrücklich als mögliche Ursachen für Stromausfälle. Diese Risiken dürfen wir nicht kleinreden.
Aber Schutz endet nicht am Zaun eines Umspannwerks. Bevölkerungsschutz funktioniert besser, wenn auch die Bevölkerung vorbereitet ist. Ein überschaubarer Vorrat, verlässliche Informationsmöglichkeiten und ein Plan für den eigenen Haushalt machen im Ernstfall einen Unterschied. Wer vorsorgt, bleibt handlungsfähig und hält Einsatzkräfte für echte Notfälle frei.