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Nach Sabotageversuch in Jänschwalde: Nächster möglicher Anschlag auf Umspannwerk Bergheim bei Köln

Nation

Eine Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln ist nach ersten Erkenntnissen der Polizei vorsätzlich verursacht worden. „Wir gehen nach aktuellem Ermittlungsstand nicht von einem technischen Defekt, sondern von einer vorsätzlichen Tat, einer Straftat, aus“, sagte ein Sprecher der Polizei Essen auf Anfrage. Ursache und Hintergründe des Vorfalls im Rhein-Erft-Kreis seien noch unklar. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Die Polizei war dem Sprecher zufolge am Dienstagabend gegen 20 Uhr wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk im Bergheimer Ortsteil Rheidt gerufen worden. Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen. Zu einem Ausfall der allgemeinen Stromversorgung kam es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.

Nach Angaben des Energiekonzerns RWE sind von der Störung fünf Kraftwerksblöcke betroffen. Insgesamt sei eine Kraftwerkskapazität von 4200 Megawatt vom Netz genommen worden, teilte RWE am Mittwochmorgen in Essen mit.

Laut RWE Power waren durch den Vorfall das Kraftwerk Niederaußem in Bergheim mit den Blöcken H, G und K betroffen. Am Kraftwerk Neurath in Grevenbroich seien die Blöcke G und F vom Netz gegangen. Der Block Niederaußem H sei aber bereits wieder ans Netz gegangen, sagte Sprecher Matthias Beigel am Morgen. Zwei weitere Blöcke sollten im Tagesverlauf folgen. An der Wiederinbetriebnahme der beiden übrigen Blöcke werde ebenfalls gearbeitet, berichtete das Unternehmen weiter.

Amprion meldet Anlagenausfälle

Das Werk gehört zum Übertragungsnetzbetreiber Amprion, der den Vorfall bestätigte. „Im Umfeld der Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen im Rheinland ist es am Dienstagabend zu einem Vorfall gekommen, der Auswirkungen auf den Betrieb von Kraftwerkszuleitungen hatte“, hieß es am frühen Morgen. In der Folge sei es zu Anlagenausfällen bei der RWE Power gekommen.

Wie die „Bild“ berichtete, hatten Anwohner Blitze gesehen und Explosionen gehört. Kurz darauf soll ein Hubschrauber über der Anlage der Firma Amprion gesehen worden sein.

Video zeigt Explosionen

Auf einem Video, das im Netz kursiert, sind die Explosionen deutlich zu sehen und zu hören. So blitzt es in einem Abstand von weniger als einer Sekunde gelb-weiß-grünlich zweimal vom Boden ausgehend auf. Drei Sekunden später sind zwei Explosionen direkt hintereinander zu hören. Weitere fünf Sekunden später erhellt ein weiterer Blitz das Gelände des Umspannwerks – örtlich mehrere Meter von den ersten Blitzen entfernt.

Das Unternehmen mit Sitz in Dortmund betonte: „Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die Systemstabilität immer gewährleistet.“ Expertinnen und Experten von Amprion arbeiteten mit den zuständigen Sicherheitsbehörden daran, den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklären und die Auswirkungen zu bewerten.

Den Einsatz habe nach Informationen der „Bild“ die Essener Polizei übernommen, die als eines der zuständigen Großpräsidien für Anschlags-Szenarien zuständig ist.

Die Polizei Essen tauscht sich dem Sprecher zufolge eng mit Amprion und RWE aus. „Wir als Polizei Essen führen den Einsatz und die Ermittlungen, weil wir für die Führung derartiger Einsätze und Ermittlungslagen vorbereitet sind.“

Die meisten Polizei-Fahrzeuge seien am Mittwochmorgen bereits wieder weggefahren, berichtet ein WDR-Reporter vor Ort. Es werde laut des Reporters derzeit auf die Spurensicherung gewartet. Im Fokus würde demnach die Suche nach möglichen Tatwerkzeugen stehen.

Mehrere Anschläge in der Vergangenheit

Erst am Dienstagmorgen hatten Unbekannte nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg versucht, Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen. In zwei Fällen gelang dies nach Behördenangaben. Die Polizei ermittelt wegen Sabotage. In den vergangenen Monaten gab es weitere Vorfälle an der Strominfrastruktur. So zündeten im Januar mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an.

Im Podcast „104h Blackout“ erfahren Sie mehr dazu.

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