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Nach Sturzfluten im Himalaya: Auch Deutsche unter den Vermissten

Welt

Die verheerende Flutwelle im Himalaya hat mindestens 360 Menschen das Leben gekostet. Viele von ihnen waren Ausländer, die sich zum Wandern, für geführte Touren oder für eine Pilgerreise in der Gegend aufhielten. Die Katastrophe ereignete sich im Grenzgebiet zwischen Nepal und der zu China gehörenden Autonomen Region Tibet.

Wie viele Menschen werden vermisst?

Rettungskräfte suchen in Schlamm und Geröll auf beiden Seiten der Grenze nach mehr als 1.300 Vermissten. Unter ihnen sind nach Angaben der nepalesischen Behörden mindestens acht Deutsche und hunderte weitere Touristen aus über 30 Ländern.

Vermisst werden demnach mehr als 170 Inder, die auf einer Pilgerreise zum heiligen Berg Kailash in Tibet waren. Zudem werde nach mindestens 65 US-Amerikanern, 55 Ukrainern, 51 Malaysiern, 35 Australiern, 33 Briten und 25 Kanadiern gesucht. Weitere Vermisste kommen aus Belgien, Frankreich, Spanien, Neuseeland, Russland und Japan. Die nepalesische teilte zudem mit, dass auch zu acht Deutschen kein Kontakt bestehe.

Das Auswärtige Amt erklärte auf Anfrage, dass die deutsche Botschaft in Kathmandu mit den lokalen Behörden in engem Kontakt stehe. Zum jetzigen Zeitpunkt habe man jedoch keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen.

Fast 340 Menschen konnten bisher lebend mit Helikoptern in Sicherheit gebracht werden, unter ihnen auch mehrere Ausländer. Nach Angaben der nepalesischen Armee wurden sie in die Hauptstadt Kathmandu geflogen.

Wie groß ist das Ausmaß der Zerstörung?

Videos der Katastrophe zeigten, wie die Wassermassen Menschen mitrissen, als sie zu fliehen versuchten, und ganze Gebäude wegspülten. In Nepal wurden nach Behördenangaben Dutzende Brücken und knapp 40 Kilometer Straßen zerstört. Rettungskräfte können teilweise die betroffenen Regionen nicht erreichen.

Im schwer getroffenen Distrikt Nuwakot wurden ganze Dörfer weggespült. Trümmer hingen in Bäumen und Stromleitungen. Ein Überlebender berichtet, den Menschen sei kaum Zeit zur Flucht geblieben. Innerhalb von 15 Minuten sei alles zerstört gewesen. Offenbar wurden noch hunderte von Kilometern flussabwärts vom Katastrophengebiet Tote gefunden.

In dem Dorf Syabrubesi, das der Ausgangspunkt beliebter Trekking-Routen ist, konnten aufgrund der Zerstörungen bisher keine Helikopter landen. Die Region um den Fluss Trishuli gilt als am härtesten getroffen. Dort konnten aber zumindest mehrere Menschen gerettet werden, die an einem Wasserkraftprojekt gearbeitet hatten und dort eingeschlossen waren.

Was hat die Flutwelle ausgelöst?

Behörden und Experten vermuten, dass die Flutwelle durch einen Gletscherabbruch ausgelöst wurde. Vermutlich sei eine Gletscherlawine in einen Fluss gestürzt, hieß es von der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde. Dadurch habe sich ein vorübergehender See gebildet, der anschließend über die Ufer getreten sei.

Die US-Erdbebenwarte hatte zunächst ein Erdbeben rund 66 Kilometer nördlich von Kathmandu gemeldet. Später korrigierte sie ihre Analyse. Offenbar habe der Gletscherabbruch die Erschütterung verursacht - sie habe die Stärke 5,2 erreicht.

Könnte es weitere Sturzfluten geben?

Die chinesischen Behörden warnen, dass ein See, der sich auf nepalesischer Seite an einer Flussmündung gebildet hat, überlaufen und brechen könnte. In dem See hätten sich bereits zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt, berichtete das chinesische Staatsfernsehen. Der Katastrophenschutz forderte Anwohner und Rettungskräfte auf, sich von den Ufern fernzuhalten.

Die Gefahr einer weiteren Sturzflut erschwert die Rettungsarbeiten zusätzlich. Die betroffene Gebirgsgegend ist ohnehin schon schwer zugänglich. Chinas Rettungsmannschaften waren zunächst nur aus der Luft oder mit langen Autofahrten in das Gebiet gekommen.

Das Himalaya-Gebirge ist mit seinen steilen Hängen und Tälern besonders anfällig für Überschwemmungen und Erdrutsche. Wissenschaftlern zufolge erwärmt sich die Region außerdem schneller als der Rest der Welt. Dadurch nehmen Regenfälle in der Gegend zu und die Gletscher schmelzen immer schneller ab. Seit 2000 habe sich die Geschwindigkeit des Eisverlusts verdoppelt.

Wer schickt Hilfe?

Indien hat nach eigenen Angaben bislang fast 50 Tonnen Hilfsgüter nach Nepal geschickt, darunter Medikamente, Zelte, Decken, Solarlampen und Lebensmittel. Weitere Unterstützung werde geprüft, unter anderem der Einsatz von Behelfsbrücken für die Rettungsarbeiten.

Auch aus anderen Ländern wurden Hilfen zugesagt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, Deutschland sei bereit, Nepal zu unterstützen. UN-Generalsekretär António Guterres sagte der Regierung in Kathmandu ebenfalls Hilfe durch UN-Teams zu.

Die USA stellten 500.000 US-Dollar für Notunterkünfte, Trinkwasser und weitere Hilfsgüter bereit. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte europäische Unterstützung an. Der Erdbeobachtungsdienst Copernicus wurde aktiviert, um die betroffenen Gebiete zu kartieren.

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