Nach Tod von Jason Arday: Universität Gent suspendiert Plagiatskritiker Nathan Cofnas
Äußerungen mit Folgen: Die Hochschule Gent in Belgien hat den US-Forscher Nathan Cofnas suspendiert, der die Plagiatsvorwürfe gegen den am Freitag tot aufgefundenen Cambridge-Professor Jason Arday erhoben hat. „Ich wurde gerade von der Universität Gent suspendiert. Sie werden mich mit ziemlicher Sicherheit feuern“, schrieb Cofnas am Donnerstag im Onlinedienst X. Die Universität Gent teilte in einer Erklärung mit, sie habe eine „vorläufige disziplinarische Untersuchung“ gegen einen Forscher eingeleitet, der in den Fall verwickelt ist, und ihn „als Vorsichtsmaßnahme“ vom Dienst suspendiert. Den Namen Cofnas nannte sie dabei nicht. Cofnas hatte die Universität Cambridge 2024 wegen Rassismusvorwürfen verlassen müssen. Seine Vorwürfe gegen Arday wurden von rechtsgerichteten Zeitungen und Kommentatoren aufgegriffen, die den schwarzen Professor als „Aushängeschild“ für Gleichstellungs- und Inklusionsprogramme bezeichneten. Anfang August eröffnete die Leitung von Cambridge eine Untersuchung. Zunächst hatte sie Arday noch verteidigt. Arday hatte vor drei Jahren als jüngster schwarzer Professor der britischen Elite-Universität Cambridge Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Am 5. August war der 41-jährige Brite von seinem Posten als Professor für Bildungssoziologie zurückgetreten, nachdem zahlreiche Medien über Plagiatsvorwürfe und Zweifel an seinen Angaben zu seinem Lebenslauf berichtet hatten. Am vergangenen Freitag wurde er schließlich tot in Battersea im Süden Londons aufgefunden. Die Polizei stufte seinen Tod nicht als verdächtig ein, sie vermutet einen Suizid oder einen natürlichen Tod. Ardays Familie bestätigte seinen Tod und sprach von einer „Mobbing-Kampagne“ voller Gerüchte über die akademische Arbeit und das Privatleben des Soziologen. In Großbritanniens Hauptstadt London hatten sich am Montagabend Tausende Menschen an einer Mahnwache für Arday beteiligt. Die Organisatoren der Kundgebung auf dem Trafalgar Square sprachen von rund 30.000 Teilnehmern. Viele waren in Schwarz gekleidet und trugen Rosen und Sonnenblumen sowie Banner mit der Aufschrift „Rest in Power Professor Jason Arday“. Ardays Familie nahm nicht an der von der Organisation Stand Up To Racism organisierten Mahnwache teil, veröffentlichte jedoch eine Erklärung, die der Menge vorgelesen wurde. Darin dankte sie den Unterstützern für ihre „Liebe, Unterstützung und Trauer“. „Die öffentliche Grausamkeit, der Jason ausgesetzt war, war für keinen Menschen zu ertragen“, hieß es in der Erklärung weiter. „Seine Leistungen waren groß, und wir wollen nicht, dass Verzerrungen seines Charakters sie überschatten.“ Die Abgeordnete Diane Abbott, die erste schwarze Frau, die je ins britische Parlament gewählt wurde, sprach in einer Rede vor den Teilnehmern der Mahnwache von einer „Kampagne gegen uns alle“. (AFP)