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Nach tödlicher Attacke auf einen 22-Jährigen in Trier: ein Stadtteil unter Schock

Nation

Die Mail der Uni Trier, sagt die junge Frau, die habe sie am Vormittag erreicht. Aufgrund eines größeren Polizeieinsatzes, so habe darin gestanden, komme es aktuell zu Straßensperrungen auf dem Petrisberg, der Weg zur Uni sei teilweise versperrt. Ein Tatverdächtiger, auch das sei in der Nachricht zu lesen gewesen, der sei gefasst. Was genau passiert sei, „Nein“, sagt die Studentin, die in der Nähe wohnt und an diesem Mittwoch gegen Mittag auf dem Fußweg an der Robert-Schuman-Allee unterwegs ist, was der Grund für den Polizeieinsatz gewesen sei, das sei ihr nicht bekannt. Als sie erfährt, dass ungefähr an der Stelle, an der sie gerade steht, wenige Stunden zuvor ein 22-Jähriger einen anderen 22-Jährigen – laut Zeugen mit einem Messer – angegriffen haben soll und das Opfer kurz darauf an den Folgen der Tat verstorben ist, da schüttelt die junge Frau fassungslos den Kopf. Anschließend läuft sie weiter ... Schock, Entsetzen – das sind die Gefühle, die diesen schwül-sonnigen Mittwochmittag prägen auf dem Trierer Petrisberg. Dem Teil der Römerstadt, der offiziell zum Bezirk Kürenz zählt, der lange Jahre französische Soldaten beherbergte, der 2004 die Landesgartenschau erlebte und der heute vielen Studenten und Familien zur Heimat geworden ist. Die Tat, die sich laut Polizei am Mittwochmorgen gegen kurz vor 10 Uhr auf der belebten Robert-Schuman-Allee ereignet haben und von gleich „mehreren Zeugen“ beobachtet worden sein soll, sie macht nicht nur die Menschen im Viertel fassungslos: „Ich persönlich habe so etwas in meinem polizeilichen Leben – die Amokfahrt 2020 ausgenommen – noch nicht erlebt“, gesteht etwa Marc Fleischmann, der stellvertretende Sprecher des Polizeipräsidiums Trier. Auch ein Linienbus, so berichtet der Polizeisprecher, sei „recht zeitnah“ nach der Tat dort vorgefahren. Inwieweit die Fahrgäste das Geschehen gesehen hätten, sei unklar. Fest stehe jedoch, dass der Busfahrer Zeuge geworden sei. „Er stand auch unter dem Eindruck der Tat“, so Marc Fleischmann. Während die Sperrung der Schuman-Allee gegen Mittag aufgehoben wird, Polizei- und Rettungskräfte abfahren, beziehen am Nachmittag speziell geschulte Beamte der Trierer Polizei erneut Stellung im Viertel, um Personen, „die sich von der Tat betroffen fühlen und einen Ansprechpartner suchen“, eine Anlaufstelle zu bieten. Fragen, die am Mittwochmittag auf den belebten Wegen rund um den Tatort immer wieder gestellt werden, sind die naheliegenden, die nach den Hintergründen: „Kannten die sich?“, ist so eine, „War das ein Zufallsopfer?“, eine andere. All das, so betont Marc Fleischmann, sei Gegenstand der Ermittlungen, könne momentan nicht beantwortet werden. Auch Dirk Weyer stellt sich diese Fragen. Sein Arbeitsplatz liegt nur wenige Meter vom Tatort auf der Allee entfernt. Seit 16 Jahren arbeitet der Trierer als Facility Manager in der Wohnanlage Robert-Schuman-Allee 2-14. Er ist, so sagt er, der Mann für alle Fälle, hat die Häuser, in denen heute zu 70 Prozent Studenten wohnen, einst mit aufgebaut. In dem Beruf, sagt der 46-Jährige, da mache man schon ein bisschen was mit, „aber, dass jetzt so was hier vor der Tür passiert, wo sich doch eigentlich alle kennen, das schockt mich schon sehr“. Wie jeden Morgen sei er auch am Mittwoch wieder früh vor Ort gewesen. Um sechs Uhr, erzählt er, fange er im Sommer für gewöhnlich an, wegen der Hitze. Gegen 9.30 Uhr sei er dann raus aus seinem Büro, von dem aus er direkt auf den Parkplatz und die dahinter verlaufende Schuman-Allee blickt. Er sei rein ins Auto, habe drüben in Wohnanlage 14 eine defekte WC-Spülung reparieren müssen. „Ich war vielleicht eine gute halbe Stunde unterwegs“, erinnert sich Weyer, „und als ich dann zurückkam, war hier schon alles gesperrt, ich kam nicht mehr durch“. Er habe sein Auto abgestellt, sei dann zu Fuß zurück ins Büro und habe vor Ort auch mit einem Augenzeugen sprechen können, der die Tat miterlebt habe. „Der Mann hat sich noch um das Opfer gekümmert“, schildert Weyer. Als er kurz darauf in den Medien von der Tat erfahren habe, sei er sehr geschockt gewesen. Auch, wenn es vielleicht abgedroschen klingen möge, „aber so etwas hätte ich mir hier niemals vorstellen können, wirklich heftig“, findet Brunner. Die Tat, glaubt indes Dirk Weyer, die werde das Viertel und auch ihn persönlich noch länger beschäftigen. Viele Eltern der Studierenden, die in den von ihm betreuten Wohnungen leben, die hätten seine Nummer, klingelten öfter mal bei ihm an, wenn was sei, wenn sie mal länger nichts vom Sohn, von der Tochter gehört hätten. „Dann gehe ich halt mal klopfen und sag denen, sie sollten sich mal wieder bei Mama und Papa melden“, berichtet Weyer. Er gehe fest davon aus, dass sich nun in den kommenden Tagen auch wieder Eltern melden würden, insbesondere welche, die nicht aus Trier, sondern irgendwo aus Deutschland kämen, aus der Ferne in den Medien von der Tat erfahren hätten und sich Sorgen machten. „Ich werde versuchen, alle zu beruhigen“, betont Dirk Weyer, „sagen, dass man hier weiterhin sehr gut leben kann“.

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