Nach ukrainischen Drohnenangriffen: Russland will Rechenzentren unter der Erde verstecken
Nach mehreren ukrainischen Attacken will Russland wichtige Rechenzentren besser vor Luftangriffen schützen. Laut dem unabhängigen russischen Nachrichtenportal „Meduza“ hat das Ministerium für digitale Entwicklung dazu offizielle Richtlinienentwürfe vorgelegt. Diese sollen vorsehen, besonders bedeutende Anlagen unter der Erde oder in Bunkern unterzubringen.
Die Vorgaben gelten für Rechenzentren, die geplant, im Bau oder bereits in Betrieb sind – unabhängig davon, wem sie gehören. Im Oktober wurden mehrere russische Rechenzentren beschossen. Laut „Kyiv Independent“ waren drei Anlagen des Technologiekonzerns Yandex, eine im Bau befindliche Einrichtung der Sberbank und ein Rechenzentrum des sozialen Netzwerks VK Ziele der Drohnenangriffe.
Tarnung und Abwehr gegen Drohnen
Die Einrichtungen sollen nach den möglichen Folgen eines Angriffs in drei Klassen eingeteilt werden.
Zur höchsten Stufe gehören Anlagen, deren Ausfall zentrale Regierungsfunktionen mindestens eine Stunde lang beeinträchtigen könnte.
Eine weitere Klasse umfasst Rechenzentren, die regionale oder wirtschaftlich wichtige Systeme versorgen und deren Ausfall mindestens vier Stunden andauern könnte.
Die niedrigste Stufe betrifft Unternehmensanlagen, deren Beschädigung keine größeren Folgen für den Staat hätte.
Auch bestehende Rechenzentren sollen besser geschützt werden. Ihre Sichtbarkeit aus der Luft soll sinken. Geplant sind zudem verstärkte Gebäude sowie elektronische Abwehr- und Drohnenabwehrsysteme. Die Empfehlungen verbinden bauliche Maßnahmen mit Technik gegen Angriffe aus der Luft.
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Schäden könnten Monate nachwirken
Der Ersatz beschädigter Geräte in den Yandex-Rechenzentren könne bis zu sechs Monate dauern, schätzten Quellen aus der russischen IT-Branche laut „Meduza“. Störungen könnten Bankgeschäfte und Online-Dienste beeinträchtigen. Der „Kyiv Independent“ nennt außerdem mögliche Folgen für Russlands Entwicklung künstlicher Intelligenz und militärtechnische Anwendungen.
Ein weiteres Risiko ist die starke Konzentration der Infrastruktur. Rund 80 Prozent der russischen Rechenzentren lägen in Moskau und Umgebung, schätzt Serhij Petrenko, der frühere Chef von Yandex Ukraine, dem „Kyiv Independent“ zufolge. Damit befinden sich viele Anlagen in Reichweite ukrainischer Langstreckendrohnen.