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Nach umstrittenem Umgang mit Vergewaltigung in Jugendklub: Berliner Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Sarah Nagel ein

Nation

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die Neuköllner Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) eingestellt. Sie war verdächtigt worden, dabei geholfen zu haben, eine Vergewaltigung in einem Jugendzentrum zu vertuschen. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstagabend. Zuvor hatte der RBB berichtet. Es habe sich in den Ermittlungen kein Anfangsverdacht ergeben, teilte der Sprecher mit. Anfang Juni seien die Ermittlungen deshalb eingestellt worden.

Zuvor hatte Nagel ihre erneute Kandidatur für einen Stadtratsposten nach der anstehenden Wahl zurückgezogen. Das hatte die Neuköllner Linke am Dienstag mitgeteilt. Demnach nehme Nagel im Oktober Abschied vom Bezirksamt und werde anschließend „beruflich eine neue Herausforderung“ annehmen.

Sarah Nagel hatte 2021 als erste Linke einen Posten im Neuköllner Bezirksamt übernommen. Zunächst war sie für das Ordnungsamt zuständig, nach der Neuwahl 2023 für das Jugendamt.

Im Frühjahr 2026 wurde eine Vergewaltigung in einem Neuköllner Jugendclub bekannt – und im Nachgang, dass Nagels Mitarbeiterinnen sie weder informiert noch Anzeige erstattet hatten. Kritiker:innen werfen Nagel daher vor, ihr Amt nicht unter Kontrolle oder gar die Aufklärung verschleppt zu haben. An diesem Freitag soll eine von Nagel einberufene Aufklärungskommission ihren Abschiedsbericht zu den Vorgängen in Jugendclub und -amt vorlegen.

Nagel begründete ihren Rücktritt unter anderem mit der Geburt ihres dritten Kindes im Juni. Seither befindet sie sich im Mutterschutz, ihr Amt wird kommissarisch geleitet. „Den Geschäftsbereich Jugend mit seinen Themen habe ich sehr gern vertreten und der Abschied fällt mir nicht leicht. Auch wenn ich nicht mehr hauptamtlich in und für Neukölln arbeiten werde, bleibe ich dem Bezirk und den Menschen verbunden“, wird Nagel in einer Erklärung der Linken zitiert.

Für die anstehende Wahl am 20. September hatte die Neuköllner Linke Nagel erneut für einen Stadtratsposten nominiert. Sie kandidierte gemeinsam mit dem bisherigen Fraktionsvorsitzenden der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung, Ahmed Abed. Dieser kandidiert für das Amt des Bezirksbürgermeisters. Kritiker:innen werfen Abed seit Langem antisemitisches Gedankengut vor.

Der Bezirksverband gerät immer wieder wegen seiner Position zum Nahostkonflikt auch innerparteilich in die Kritik: Zuletzt sorgte die Neuköllner Linke für Schlagzeilen, weil auf einer Wahlkampfveranstaltung der Rapper Dahabflex aufgetreten war. Kurz vor dem Ende der Versammlung präsentierte er den Song „Stop the Genocide“ (Stoppt den Völkermord). Darin heißt es unter anderem mehrfach „Yalla Yalla Intifada – Westbank, Palästina, Gaza“ sowie „Death to the IDF“ (Tod der israelischen Armee). Im Nachgang distanzierten sich unter anderem die Spitzenkandidatin der Berliner Linken für die Abgeordnetenhauswahl, Elif Eralp, und die Landesvorsitzende Kerstin Wolter von dem Auftritt und den Aussagen des Rappers.

So gilt zwar als möglich, dass die Linke in Neukölln bei der Wahl die meisten Stimmen erhält. Die übrigen Parteien haben allerdings ausgeschlossen, Abed zum Bezirksbürgermeister zu wählen. Mit Nagel fällt nun auch die Alternative weg, die allerdings ebenfalls von den übrigen Parteien eher kritisch beäugt wurde.

Der Bezirksverband kündigte an, auf der anstehenden Mitgliederversammlung eine neue Person für einen Stadtratsposten zu nominieren. „In Zeiten des autoritären Rechtsrucks brauchen insbesondere Bezirke wie Neukölln, in denen so viele Bewohner*innen um ihre Sicherheit und Zukunft fürchten müssen, eine starke antirassistische und antifaschistische Vertretung in der Kommunalpolitik“, hieß es aus dem Bezirksverband.

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