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Nachbarin zum Windrad-Abbau: "Nie geglaubt, dass so ein Wunder passiert"

Technologie

Streit um Windkraft XXL-Windrad bei Glauchau kommt wieder weg Stand: 30.07.2026 06:00 Uhr Die einst größte Windkraftanlage Sachsens wird in Oberwiera wieder abgebaut. Anwohner klagten über störende Brummgeräusche. Warum das Windrad nun verschwindet und welche Folgen der Fall für künftige Projekte hat. von Mario Unger-Reißmann, MDR SACHSEN Für die Anwohner Maria und Bernhard Ulbricht bedeutet der Rückbau vor allem Erleichterung. Lange hatten sie nicht daran geglaubt, dass die Anlage in unmittelbarer Nähe ihres Hauses tatsächlich wieder verschwindet. "Wir waren ungeheuer erleichtert, dass der böse Störfaktor, der uns alle sehr beeinträchtigt hat, weg ist. Aber wir hätten im ganzen Leben nie geglaubt, dass so ein Wunder passieren könnte, dass das wirklich abgebaut wird", sagt Maria Ulbricht. Windrad ging erst 2023 ans Netz Die Anlage war im Dezember 2023 errichtet worden und noch im selben Jahr ans Netz gegangen. Mit ihrer Leistung konnte sie rund 5.000 Privathaushalte mit Strom versorgen. Doch die Geräuschentwicklung sorgte im benachbarten Oberwiera für Unmut. Besonders Anwohner in der Nähe des Windrades fühlten sich durch einen tiefen Brummton gestört. Der Vierseitenhof der Familie Ulbricht liegt nur rund 800 Meter von der Anlage entfernt. Immer wieder versuchten die Anwohner, die Geräusche mit ihren Handys zu dokumentieren – tagsüber ebenso wie nachts. Die zuständigen Behörden sahen jedoch auch nach Messungen keinen Handlungsbedarf, da die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten wurden. Rotorblätter und Maschinenhaus werden demontiert Inzwischen liegen die 81 Meter langen Rotorblätter am Boden. Derzeit wird das Maschinenhaus demontiert, in dem sich der Generator befindet. Dieser soll für die störenden Geräusche verantwortlich gewesen sein. Der dänische Hersteller Vestas hatte zwar das Getriebe ausgetauscht, eine Verbesserung brachte das jedoch nicht. Investor aus dem Ort ermöglicht Einigung Dass die Anlage nun abgebaut wird, ist auch einem besonderen Umstand zu verdanken: Der Investor stammt selbst aus Oberwiera und sitzt zudem im Gemeinderat. "Das Wichtige und Entscheidende war, dass der Investor hier aus dem Ort, aus der Gemeinde kommt, hier verwurzelt ist und hier auch die Verantwortung übernommen hat und sich am Ende mit dem Anlagenhersteller, der Firma Vestas, auf den Abriss geeinigt hat. Weil sie wohl andere Möglichkeiten wohl nicht mehr gesehen haben", erklärt Bürgermeister Holger Quellmalz (CDU). Lärmprobleme bei Windrädern gelten als Ausnahme Bundesweit drehen sich mehr als 29.000 Windräder an Land, fast jedes dritte stammt vom Hersteller Vestas. Lärmprobleme gelten dabei als Ausnahme. Das Unternehmen führt den Fall Oberwiera auf eine ungewöhnliche Kombination technischer Eigenschaften der Anlage und der Bedingungen am Standort zurück. Nach Angaben des Bürgermeisters war dieser Standort jedoch der einzige mögliche in der Gemeinde. Deshalb hatte sich der Gemeinderat einstimmig dafür ausgesprochen, ein Windrad in lediglich 750 Metern Entfernung zur Wohnbebauung zuzulassen. Bürgermeister fordert künftig größeren Abstand Mit den Erfahrungen aus Oberwiera hat sich die Sicht des Bürgermeisters inzwischen verändert. "Mittlerweile, auch mit den Erfahrungen dieses Windrads und mit Blick auf andere Windräder, sind die 1.000 Meter zur nächsten Wohnbebauung für mich gesetzt. Für mich geht das Schutzgut Mensch als höchstes schützenswertes Gut vor", sagt Quellmalz. Eigentlich sollte die Anlage der Gemeinde jährlich mindestens 15.000 Euro zusätzliche Einnahmen bringen. Die Hoffnung auf diese Einnahmen wurde jedoch vom Streit um die Geräusche überschattet. Nun hoffen viele Bürger, dass mit dem Rückbau auch der Konflikt im Ort endet. "Wir hoffen, dass sich die Gemeinde, die Dörfer und die betroffenen Bürger wieder zusammenfinden und in der Gemeinde der Friede einkehrt", sagt Anwohner Bernhard Ulbricht. MDR (Mario Unger-Reissmann)

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