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Nadja Benaissa in neuer "No Angels"-Doku: "Mein Leben war voller Extreme"

Unterhaltung

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Und Nadja Benaissa aus Langen (Offenbach), die Frau mit der souligen Stimme – und die einzige mit Kind. Für sie war die plötzliche TV-Karriere der größte Schritt: "Mit 12 süchtig, mit 14 auf der Straße, mit 16 schwanger, mit 18 Popstar", so fasst sie ihr Leben bis dahin in einem Satz zusammen.

Mit zahlreichen Archivaufnahmen vermittelt die Dokumentation, was der überraschende Erfolg für Nadja und die Gruppe bedeutete: Sie spielten in ihrem Erfolgsjahr 2001 insgesamt 29 Konzerte in 52 Tagen, dazu kamen Promo-Auftritte und Preisverleihungen wie der Bambi in der Kategorie "Pop National".

"Es war wie ein Schnellzug, in den man eingestiegen ist. Alles rauschte an einem vorbei, und man konnte einfach nicht aussteigen", erinnert sich Benaissa. "Gesund war das nicht."

"Ausgebrannt und abgefuckt"

Nach dem ersten Rausch erlebten die jungen Frauen im März 2003 den ersten Bruch: Nach der Geburt ihrer Tochter verließ Jessica Wahls die Gruppe. Nicht freiwillig, wie nach außen kommuniziert, sondern auf Druck des Managements. "Vier passen auch besser in ein Taxi als fünf", soll ihr damaliger Manager gesagt haben.

Was im Film auch deutlich wird: Wahls war enttäuscht, dass ihre Bandkolleginnen ihr damals nicht zur Seite standen. Nadja Benaissa, selbst damals schon Mutter, sagt selbstkritisch: "Ich war so manipulierbar, dass ich einfach umgefallen bin."

Nach drei intensiven Jahren fühlten sich aber auch die anderen Bandmitglieder ausgebrannt und "abgefuckt", wie Benaissa es ausdrückt. Vanessa Petruo verließ die Band, eine bereits geplante Tour wurde abgesagt.

2006 gab es eine Reunion mit Jessica, aber das Comeback war nicht so erfolgreich wie erwartet. Um im Geschäft zu bleiben, ließen sich die vier auf ein Wagnis ein, von dem nur Lucy Diakovska wirklich überzeugt war: der Teilnahme am Eurovision Song Contest 2008. Mit "Disappear" traten die vier in Belgrad an, belegten aber nur den 23. Platz von 25 Teilnehmern.

Durch HIV-Infektion unter Druck gesetzt

2009 gerieten die "No Angels" dann für sie völlig unerwartet wieder in die Schlagzeilen. Nadja Benaissa wurde öffentlichkeitswirksam kurz vor einem Auftritt im Frankfurter "Nachtleben" verhaftet, der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung. Sie hatte beim ungeschützten Sex einen Mann mit dem HI-Virus infiziert, das AIDS auslösen kann.

Nadjas Infektion war bis dahin nicht öffentlich bekannt. Das Management habe davon schon lange gewusst, berichtet sie in der Doku, wollte das damals heikle Thema aber nicht in die Öffentlichkeit tragen: "Sie sagten: Eure Fans sind kleine Kinder, da kannst Du nicht als HIV-Positive auf der Bühne stehen."

Zwar sei es in der Branche ein offenes Geheimnis gewesen, aber durch die Heimlichtuerei sei sie erpressbar geworden: "Du musst die und die Story machen. Und wenn du das nicht machst, dann schreiben die, dass du HIV-positiv bist", sagt sie rückblickend, ohne Namen zu nennen.

"Ihr Leid hat das Gericht milde gestimmt"

Die Anzeige des jungen Mannes und die Verhaftung brachten das Thema dann an die Öffentlichkeit. Es begann "eine Hexenjagd", darin sind sich die Bandkolleginnen einig. Eine zweifelhafte Rolle spielte dabei die Staatsanwaltschaft Darmstadt, die sogar eine Pressekonferenz einberief und dort über die Vorwürfe berichtete.

"Eigentlich müsste die Staatsanwaltschaft die Gesetze kennen: Sie dürfen nicht aus dem Intimleben von Angeklagten berichten und schon gar nicht aus den Krankenakten", erklärt in der Dokumentation Sabine Rückert, die damals als Gerichtsreporterin für die ZEIT arbeitete. "Das war rechtswidrig."

Rückert vermutet, dass der große Druck, der dadurch auf Benaissa lastete, ihr zu einer vergleichsweise milden Bewährungsstrafe von zwei Jahren verhalf: "Ihr Leid hat das Gericht milde gestimmt."

Nadja: Seit acht Jahren trocken und clean

In der Dokumentation erzählt Benaissa, wie sie in der Zeit durch eine Kombination aus Antidepressiva, Rotwein und Joints wieder in die Abhängigkeit rutschte. Rückblickend sagt sie: "Ich habe mich verantwortungslos verhalten. Ich bereue es und wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen."

Erst seit acht Jahren sei sie "trocken und clean", sagt die heute 44-Jährige. "Mein Leben hat erst jetzt richtig begonnen." Sie spielte dieses Jahr ihre erste Solo-Tour, hatte Auftritte mit den "No Angels" und ist aktuell Teilnehmerin bei "Promi Big Brother". Seit vielen Jahren engagiert sie sich auch in der AIDS-Hilfe, für psychische Gesundheit und für Frauenrechte.

Blick auf die Karriere mit Abstand

In diesem Jahr feiern die "No Angels" ihr 25-jähriges Bestehen – auch wenn die Bandgeschichte von mehreren Pausen unterbrochen wurde. Es war ein Auf und Ab, auf persönliche und musikalische Krisen folgten Solo-Projekte, alternative Berufswege, dann wieder Comebackversuche.

In der ARD-Dokumentation präsentieren sich die vier Musikerinnen als gereifte Frauen, die mit Abstand, aber auch mit Rührung, Empörung oder Humor auf ihre Karriere schauen. "Am meisten strahlen die, die durch die Dunkelheit gegangen sind", sagt Jessica Wahls an einer Stelle. Deutlich wird: Die Frauen können heute anders auf ihre Geschichte blicken, ohne dass damit alle Verletzungen erledigt sein müssen.

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