Nahost: Türkei bringt erstmals sieben Staaten für Sicherheitsgipfel zusammen
Die Türkei plant noch in dieser Woche ein Gipfeltreffen in Istanbul, um über die Lage im Nahen Osten zu sprechen. Daran teilnehmen sollen am Freitag die Außenminister von Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Ägypten, Pakistan sowie Saudi-Arabien, hieß es in einer Erklärung der Gastgeber. Es ist die erste Zusammenkunft dieser Art.
Das Treffen vereint die sieben Staaten des sogenannten R4-Formats in der Region sowie die drei europäischen Länder, die zuvor bereits als E3-Gruppe zusammentrafen. Für Deutschland soll Außenminister Johann Wadephul daran teilnehmen.
Themen des Gipfels seien die Lage der Palästinenser, die gegenwärtige Situation in der Straße von Hormus sowie im Jemen. Auch über die Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine soll gesprochen werden, hieß es. Eigentliches Thema dürfte aber auch die Zusammenkunft selbst sein. Die türkische Initiative gilt als weiteres Zeichen für die Suche vieler Staaten nach neuen Bündnispartnern in der Welt, ohne traditionelle Großmächte wie den USA.
Wie es aus dem türkischen Außenministerium hieß, strebt Ankara an, die Sicherheit in der erweiterten Region künftig stärker selbst zu organisieren. »Regionale Sicherheit erfordert in erster Linie, dass die Staaten der Region Verantwortung übernehmen«, so die Erklärung. »Bestehende Streitigkeiten dürfen einander nicht anheizen, und Konflikte dürfen sich nicht auf neue Gebiete ausbreiten.«
Die israelische Besatzungs- und Siedlungspolitik seien die Hauptursachen für Spannungen im Nahen Osten, so die türkische Position vorab. Die internationale Gemeinschaft müsse deshalb ihren Druck erhöhen. Ob sich alle teilnehmenden Staaten dieser Position anschließen, ist offen. Für die Europäer dürfte vor allem wichtig sein, neue Partner zu gewinnen, auch für eine Beendigung des Ukrainekriegs.
Für die Türkei dürfte das Treffen wichtig sein, weil es die gewachsene Stellung des Landes unterstreicht. Gleichzeitig ist das Land durch das Schwarze Meer selbst näher am Ukrainekonflikt als die meisten anderen Staaten der islamischen Welt. Im Konflikt mit Iran und dessen Verbündeten unterstützt Ankara schon jetzt Saudi-Arabien, das immer stärker von Luftangriffen der Huthi-Miliz getroffen wird und um Schutz sucht.
Am Mittwoch hatten sich die Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan in Doha bereits mit Indonesien und Katar getroffen, um ebenfalls über eine verstärkte Zusammenarbeit zu beraten, primär im militärischen Bereich.