DAX +0,15 % 25.410,84 Pkt 18:00:00 MDAX +0,67 % 30.287,68 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +0,79 % 6.116,23 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,96 % 52.361,58 Pkt 21:43:41 S&P 500 +0,17 % 7.676,77 Pkt 21:43:43 Nasdaq +0,62 % 26.169,38 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,84 % 63.333,02 Pkt 03:06:55 Gold -0,37 % 4.023,30 USD 03:11:43 Silber -1,11 % 53,74 USD 03:11:43 Brent -0,90 % 109,74 USD 03:10:57 WTI -0,85 % 100,90 USD 03:11:59 Bitcoin -0,15 % 79.889,96 USD 03:21:52 EUR/USD -0,39 % 1,11740 USD 03:21:42 EUR/GBP -0,16 % 0,83720 GBP 03:21:58 EUR/CHF +0,05 % 0,92460 CHF 03:21:59 EUR/JPY +0,10 % 176,087 JPY 03:21:58

Narkolepsie - Symptome, Ursachen und Behandlung

Gesundheit

Stand: 13.10.2026 15:02 Uhr | vom

Narkolepsie wird auch als "Schlafkrankheit" bezeichnet. Typische Symptome sind starke Tagesschläfrigkeit, Schlafstörungen in der Nacht und eine kurzfristige Muskelerschlaffung (Kataplexie). Was hilft?

von Carola Welt

Plötzliches Einschlafen im Sitzen, beim Essen oder mitten im Gespräch - das gibt es nicht nur im Film. Menschen, die Narkolepsie haben, leiden unter Schlafattacken, obwohl sie eigentlich genug geschlafen haben.

Umgangsprachlich wird Narkolepsie auch als "Schlafkrankheit" bezeichnet. Die Schlafanfälle geschehen häufig während monotoner Situationen, beispielsweise beim Lesen oder in Sitzungen. Aber sie können auch in aktiven Situationen passieren, wie etwa beim Autofahren. Das kann im Alltag gefährlich sein.

Was ist Narkolepsie?

Narkolepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung. Sie gehört zur Gruppe der Schlafsucht (Hypersomnie). Die Schlaf-Wach-Regulation im Gehirn ist gestört. Die Krankheit wird häufig spät erkannt. In der Regel vergehen zehn Jahre zwischen dem Auftreten erster Beschwerden und der Diagnose. Zu den häufigen Fehldiagnosen gehören Epilepsie, Alkoholismus, Depressionen und Nebenwirkungen von Medikamenten.

Typische Symptome: Tagesschläfrigkeit, Kataplexie, Schlaflähmung

Das Hauptsymptom von Narkolepsie ist extreme Tagesschläfrigkeit. Die Betroffenen erleben immer wieder plötzliche Schlafattacken - zu jeder Tageszeit und auch, wenn sie nachts ausreichend geschlafen haben. Der unumgängliche Schlafdrang mit anschließendem Einnicken überfällt die Betroffenen in jeglichen Situationen. Kurz vor den Einschlafattacken wird oft der Gang unsicher, die Aussprache undeutlich und der Blick glasig. Betroffene Menschen können wie alkoholisiert wirken. Die Einschlafattacken können nicht willentlich vermieden werden. Sie dauern einige Minuten bis zu einer halben Stunde. Danach sind Narkoleptiker und Narkoleptikerinnen frisch, ehe sie nach einigen Stunden erneut in Schlaf verfallen.

Bei 80 bis 90 Prozent kommt als weiteres Symptom eine Kataplexie hinzu. Dabei erschlafft kurzfristig die Muskulatur. Die Spannung (Tonus) der Gesichtsmuskeln, Armmuskeln oder Beinmuskeln sinkt ab, sodass der Patient oder die Patientin einknickt oder verwaschen spricht. Die Muskelschwäche dauert meist nur wenige Sekunden. Sie wird häufig durch Gefühle wie Freude, Wut, Stress oder Angst ausgelöst (emotionale Trigger). Während einer Kataplexie sind Narkoleptiker oder Narkoleptikerinnen bei vollem Bewusstsein. Kataplexien gehen mit der Diagnose "Narkolepsie Typ 1" einher. Ohne Kataplexie liegt eine "Narkolepsie Typ 2" vor. Manchmal ist Typ 2 aber nur das Frühstadium und es kommt erst später zu Kataplexien und damit einer Änderung der Diagnose in Typ 1.

Auch Schlaflähmungen (Schlafparalyse) gehören zu den Symptomen für Narkolepsie. Beim Einschlafen oder beim Aufwachen sind die Muskeln plötzlich wie gelähmt. Bewegungen oder Sprechen sind unmöglich. Der Zustand dauert Sekunden bis einige Minuten und wirkt sehr beängstigend. Etwa 50 Prozent der betroffenen Personen erleben Schlaflähmungen.

Weitere Symptome der "Schlafkrankheit"

Häufiges weiteres Symptom der Narkolespie sind Halluzinationen, insbesondere beim Einschlafen und Aufwachen. Die Sinnestäuschungen können beim Übergang vom Wach- zum Schlaf-Zustand (hypnagoge Halluzinationen) oder umgekehrt beim Aufwachen (hypnopompe Halluzinationen) auftreten. Sie dauern meistens wenige Minuten.

Viele Betroffene klagen über Schlafstörungen in der Nacht. Sie schlafen rasch ein, wachen aber nachts wiederholt abrupt auf und sind hellwach. Längeres Durchschlafen ist schwierig. Der schlechte Nachtschlaf sorgt umso mehr für Müdigkeit am Tag.

Menschen mit Narkolepsie zeigen oft ein "automatisches Verhalten": Trotz Einschlafneigung führen sie begonnene Handlungen weiter motorisch aus, bemerken aber die Umwelt nicht und reagieren nicht auf sie. Das kann zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr oder zu Verletzungen im Haushalt führen. An das automatische Verhalten erinnern sich Narkoleptiker meist nicht.

In welchem Alter bekommt man Narkolepsie?

Narkolepsie kann in jedem Alter auftreten. Die meisten Erkrankungen werden aber zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr diagnostiziert. Bei manchen Betroffenen entwickelt sich die Erkrankung langsam über Wochen bis Monate, bei anderen setzt sie innerhalb weniger Tage voll ein.

Ursachen: Narkolepsie Typ 1 und Typ 2

Bei Menschen mit Narkolepsie Typ 1 fehlt im Gehirn der Nervenbotenstoff Orexin (auch Hypocretin). Wachen und Schlafen sind dann nicht mehr geregelt - nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag.

Der gesunde Mensch durchläuft während der Nacht verschiedene Schlafphasen. Diese teilen sich auf in den Non-REM-Schlaf mit Einschlaf-, Leichtschlaf- und Tiefschlafphase und in den REM-Schlaf, letztere umfasst die Traumphase. Der Schlaf beginnt mit der Non-REM-Phase. Die Phasen wechseln sich ab und dauern jeweils rund 90 Minuten. Narkolepsie-Patienten und Patientinnen fehlt dieser sanfte Übergang der Schlafphasen: Sie fallen direkt vom Wachzustand in den Traumschlaf (REM-Schlaf; sogenannter SOREM / SOREMP).

Als Ursache für den Orexinmangel wird eine Autoimmunreaktion des Körpers vermutet, also eine Fehlregulation des Immunsystems. Möglicherweise zerstört bei den betroffenen Narkoleptikern und Narkoleptikerinnen das Immunsystem jene Nervenzellen, die den Botenstoff Orexin produzieren.

Weitere Ursache für eine Narkolepsie ist die genetische Veranlagung. Fast alle Typ 1 Narkoleptiker weisen bestimmte Varianten von HLA-Genen auf (HLA-Marker HLA-DQB1*06:02). Werden diese beispielsweise durch einen Grippe-Virus getriggert, kann dies zur Fehlregulation und Zerstörung der Orexin-Neuronen führen. Es gibt aber auch gesunde Menschen, die diesen HLA-Marker besitzen.

Die Ursachen für Narkolepsie Typ 2 sind biologisch bisher nicht geklärt. Da manche Patienten mit einer Narkolepsie Typ 2 im Verlauf eine Narkolepsie Typ 1 entwickeln können, scheint eine Verwandtschaft der beiden Erkrankungen aber wahrscheinlich.

Narkolepsie kann auch als Folge einer Hirnschädigung auftreten, etwa durch einen Schlaganfall oder Unfall.

Ein Selbsttest ersetzt nicht die Diagnose

Die Diagnose für eine Narkolepsie stellen in der Regel Neurologen mit Kenntnissen in Schlafmedizin, darüber hinaus gibt es Kompetenzzentren für Narkolepsie. Einen Selbsttest für Schlaferkrankungen können Betroffene vorab durchführen. Er gibt aber nur erste Hinweise.

Nach einer Anamnese, körperlichen Untersuchungen und Labortests beim Arzt oder bei der Ärztin schläft die Patientin oder der Patient zur Durchführung einer sogenannten Polysomnografie im Schlaflabor. Dabei werden die unterschiedlichsten Körperfunktionen überwacht und Muskelaktivität, Herzfunktion oder Augenbewegungen während des Schlafs aufgezeichnet, um ein Schlafprofil und damit eine Diagnose zu erstellen. Ergänzend wird häufig vorab eine Aktigraphie über ein bis zwei Wochen im gewohnten häuslichen Umfeld durchgeführt, um den individuellen Tag-Nacht-Rhythmus im Alltag zu dokumentieren. Dazu tragen die Betroffenen den sogenannten Aktigraphen wie eine Uhr am Handgelenk.

Der Arzt oder die Ärztin führt weiterhin einen Multiplen Schlaflatenztest (MSLT) durch. Mit Elektroden am Kopf werden dabei die Hirnströme gemessen, um mehr über das Schlafverhalten zu erfahren. Zudem kann der Neurologe oder die Neurologin mittels einer Untersuchung des Nervenwassers (Liquordiagnostik), die Menge des Botenstoffes Orexin feststellen. Dieser Neurotransmitter ist für einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig.

Zusätzlich wird oft ein Bluttest auf spezifische genetische Marker (HLA-Typisierung) genutzt. Ein negatives Ergebnis schließt eine Narkolepsie Typ 1 mit hoher Sicherheit aus.

Behandlung: Welche Medikamente bei Narkolepsie?

Narkolepsie kann bisher noch nicht geheilt werden. Die bisherige Therapie von Narkolepsie beruht auf dem Prinzip der Linderung der Symptome. Stimulierende Mittel wie Modafinil oder Methylphenidat helfen gegen die Tagesschläfrigkeit und Schlafanfälle.

In der EU stehen zudem die neueren Wirkstoffe Pitolisant (ein Histamin-H3-Rezeptor-Antagonist, der sowohl Schläfrigkeit als auch Kataplexien lindert) und Solriamfetol (ein Dopamin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer gegen Tagesschläfrigkeit) zur Verfügung.

Außerdem soll der Wirkstoff Natriumoxybat (Oxybat) den Nachtschlaf festigen sowie Tagesschläfrigkeit und Kataplexien reduzieren. Zudem kommen trizyklische Antidepressiva (wie Clomipramin) oder Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, wie Fluoxetin) zur Behandlung von Kataplexien zum Einsatz.

Daneben gibt es Verhaltensmaßnahmen wie das Einhalten von Nickerchen (Naps), regelmäßige Bettliegezeiten in der Nacht und regelmäßige körperliche Aktivität, die der Patient oder die Patientin erlernen und beibehalten soll.

Neues Medikament Oveporexton setzt an der Ursache an

Oveporexton ist ein neuartiges Medikament zur Behandlung von Narkolepsie Typ 1, das erstmals nicht die Symptome lindert, sondern an der Ursache ansetzt - nämlich am fehlenden Botenstoff Orexin.

Oveporexton funktioniert wie ein künstlicher Ersatz für diesen fehlenden Stoff. Es bindet gezielt an die entsprechenden Andockstellen im Gehirn und ahmt die Wirkung des natürlichen Botenstoffes nach. Dadurch kann das Gehirn das Wachsein wieder stabilisieren.

Die Ergebnisse von zwei Studien zeigen, dass die Schlafkrankheit erfolgreich mit Oveporexton behandelt werden kann. Das Medikament bewirkte bei den Probanden eine statistisch signifikante Verbesserung der verschiedenen Krankheitssymptome wie Tagsmüdigkeit und Kataplexie. Auch die Lebensqualität wurde dadurch verbessert. Die genannten Nebenwirkungen wurden als gering eingestuft, dazu gehörten: nächtliche Schlafstörungen, Harndrang, häufiges Wasserlassen und übermäßiger Speichelfluss.

In den USA, Japan und China hat das Medikament basierend auf diesen erfolgreichen Studien bereits eine behördliche Zulassung erhalten. Eine Zulassung in der Europäischen Union steht aktuell jedoch noch aus.

Lebenserwartung und Behinderungsgrad

Die Lebenserwartung ist von einer Narkolepsie nicht betroffen. Ist sie jedoch einmal aufgetreten, besteht die Erkrankung bisher für das gesamte Leben. Bei einer leichten Form der Narkolepsie sind Betroffene nur wenig beeinträchtigt. Bei einer schweren Form kann es sogar zur Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit kommen. Der Behinderungsgrad ist in der Regel eine Schwerbehinderung. Durch fehlendes Verständnis im sozialen Umfeld kann es zu psychischen Folgeerkrankungen kommen, vor allem zu depressiven Störungen.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren