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NASCAR-Eklat in Bristol: Hocevar schlägt Blaney nach Crash ins Gesicht

Sport

(Motorsport-Total.com) - Der Bristol Motor Speedway trägt nicht umsonst den Spitznamen "The Last Great Colosseum". Auf der nur rund 850 Meter langen Ovalstrecke gehören Lackaustausch, Rivalitäten und erhitzte Gemüter seit Jahrzehnten zum Programm. Beim Cup-Rennen am Samstagabend wurde dieser Ruf einmal mehr bestätigt - und zwar auch nach dem Fallen der Zielflagge.

Im Mittelpunkt: Carson Hocevar und Ryan Blaney. Wenige Runden vor Schluss kämpften die beiden um den zweiten Platz, als Blaney an Hocevar vorbeiging. Hocevar setzte unmittelbar zum Konter an, während Blaney versuchte, die Innenbahn abzudecken.

Es kam zur Berührung. Blaney schlug in die Mauer ein und konnte das Rennen nicht fortsetzen. Für den Champion von 2024 war der Unfall besonders bitter, weil er im laufenden Titelkampf wichtige Punkte verlor und nur auf Platz 33 gewertet wurde.

Schon unmittelbar danach machte Blaney keinen Hehl aus seinem Ärger: "Ich hatte einfach das Gefühl, dass er nicht vom Gas gegangen ist. Ich habe ihm jede Menge Platz gelassen. Ich habe ihm nicht die Tür zugeschlagen, ihn nicht in die Mauer gedrängt, gar nichts. Das hätte ich problemlos tun können. Ich habe die Innenbahn verteidigt, und er hat entschieden, dass er dort sein wollte, ist nicht vom Gas gegangen und hat mich abgeschossen."

Anschließend kündigte er bereits an, dass die Angelegenheit damit nicht erledigt sei. Auf die Frage, ob er Hocevar noch zur Rede stellen werde, antwortete er: "Ja. Es wird etwas passieren." Und tatsächlich passierte etwas.

Hocevar fuhr das Rennen zu Ende und belegte den dritten Platz. Als er anschließend aus seinem Auto stieg, wartete Blaney bereits auf ihn. Blaney lief auf seinen Rivalen zu und packte ihn am Rennanzug - doch Hocevar wich nicht zurück.

Stattdessen schlug er Blaney ins Gesicht. Der erste Treffer beförderte dessen Kappe vom Kopf, anschließend folgte ein zweiter Schlag. Blaney ging im entstehenden Gerangel zu Boden, nachdem er offenbar über jemanden gestolpert war. Als er anschließend erneut auf Hocevar losgehen wollte, gingen Teammitglieder dazwischen und trennten die beiden.

Hocevar quittierte die Szene anschließend mit einem ausgestreckten Mittelfinger in Richtung Blaney und winkte dem lautstarken Publikum zu.

Hocevar: "Das war das erste Mal, dass ich jemanden geschlagen habe"

Später schilderte Hocevar die Situation aus seiner Sicht völlig anders als Blaney: "Ich weiß nicht, was ich da falsch gemacht habe. Ich hatte Schwung, um ihn zu kreuzen, es sah so aus, als hätte er sich selbst gedreht, und dann will er einen Kampf anzetteln. Ich wollte das zu Ende bringen, und die Zuschauer schienen ziemlich begeistert zu sein, also wollte ich für einen Moment das Publikum unterhalten."

Dass er anschließend tatsächlich zuschlug, war nach eigenen Angaben auch für Hocevar eine Premiere: "Das war das erste Mal, dass ich jemanden geschlagen habe", sagte er. "Also war es eine coole Geschichte. Wenigstens war es ausgerechnet in Bristol. Er hat aber auch einen ziemlich guten Treffer gelandet, oder? Das dachte ich zumindest. Ich weiß nicht, ob er über jemanden gestolpert ist oder einen ordentlichen Treffer gelandet hat. Ich weiß nicht, wie sich ein guter Treffer anfühlt. Ich habe noch nie einen ausgeteilt."

Die Reaktion der Zuschauer gefiel dem 23-Jährigen offenbar: "Ich habe zufällig hochgeschaut und sie haben irgendwie alle gejubelt", erzählte Hocevar. "Ich habe ihnen irgendwie zugewinkt, und sie sind alle aufgestanden und richtig abgegangen. Also noch einmal: ein sehr cooler Moment für mich."

Hocevar hat sich in der NASCAR nicht nur Freunde gemacht

Dass ausgerechnet Hocevar im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stand, kam für NASCAR-Kenner nicht völlig überraschend. Der Spire-Motorsports-Pilot gilt als ausgesprochen aggressiver Fahrer und war zuletzt mehrfach mit Konkurrenten aneinandergeraten.

Unter anderem hatte es bereits einen Zwischenfall mit Ex-Champion Brad Keselowski gegeben. Auch beim Rennen in Bristol geriet Hocevar während des Kampfes um die Spitze mit Ty Gibbs aneinander. Nach der Prügelei waren zudem mehrere andere Fahrer zu sehen, die das Geschehen aufmerksam verfolgten.

Josh Berry bezeichnete die Eskalation anschließend sogar als lange überfällig: "Ich habe den Unfall nicht wirklich gesehen, um beurteilen zu können, was ihn tatsächlich verursacht hat, aber ja, es hatte sich schon lange angebahnt."

Hocevar wiederum zeigte durchaus Verständnis dafür, warum Blaney nach dem Unfall derart wütend war.

"Egal, ob es sein Fehler, mein Fehler, meine Schuld war oder nicht: Wenn ich er wäre, wäre ich ziemlich angepisst", sagte er. "Das ist zu 100 Prozent seine Meisterschaft, also wäre ich auch wütend."

Droht jetzt eine Strafe?

Offen ist, wie NASCAR auf die Handgreiflichkeiten reagieren wird. Als Ricky Stenhouse Jr. nach dem All-Star-Rennen 2024 Kyle Busch geschlagen hatte, wurde er mit einer Geldstrafe von 75.000 US-Dollar belegt.

Hocevar glaubt allerdings nicht, dass ihn eine vergleichbare Sanktion erwartet. "Ich würde eher nicht davon ausgehen, weil ich mich irgendwann auch verteidigen muss", sagte er. Und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Ich glaube, wir würden Ticketverkäufe verlieren, wenn wir das tun."

Für eine zusätzliche Pointe hatte bereits vor dem Rennen Wrestling-Legende Ric Flair gesorgt. Der 16-malige Wrestling-Weltmeister war in Bristol zu Gast und hatte die NASCAR-Fahrer bei einer Pressekonferenz ausdrücklich dazu aufgefordert, ihre Emotionen zu zeigen.

"Wenn sie sauer sind und jemandem in den Hintern treten wollen, dann sollen sie es tun", sagte Flair. "Sie sollen nur darauf achten, dass sie ihren Helm abnehmen." Wenige Stunden später bekam Bristol genau das geboten ...

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