Nationalmannschaft: Sammer übt Kritik an DFB-"Katastrophe" - und erhält Gegenwind
Matthias Sammer kritisiert die Arbeit von Oliver Bierhoff und dessen Aussagen zu den aktuellen Problemen der Nationalmannschaft - und erhält dafür jetzt Gegenwind vom langjährigen DFB-Manager.
"Es ist nicht lange her, da hieß es auch von seiner Seite aus, wir brauchen in Deutschland flache Hierarchien", sagte der Europameister von 1996 in "Sammer & Basile - der Hagedorn-Talk" bei "Sky". "Ich war immer ein Verfechter, dass es die Typen Leader, Teamplayer und Individualisten gibt und wenn du die alle gleich behandeln willst, in der Kabine, auf dem Feld, dann brauchen wir uns doch heute nicht beschweren oder zu sagen, da fehlen uns ein paar Typen."
Bierhoff hatte zuletzt im "kicker" erklärt, er vermisse derzeit die "herausragenden Persönlichkeiten mit hohen individuellen Stärken" in der DFB-Elf.
Für diese Schwäche sei Bierhoff durch seine Arbeit "natürlich ein Stück weit verantwortlich", betonte nun Sammer, der selbst einst als DFB-Sportdirektor fungierte. "2006 bin ich in den Verband gekommen und habe mir 2007 die Frage gestellt, hier stimmt etwas nicht. Nur das, nicht richtig oder falsch. Und dann haben mich die Leute gefragt, warum? Ich sage, wir sind alle gleich. Die sind alle lieb und nett und das ist schön, aber wir sind doch hier nicht auf dem Ponyhof. Das ist Leistungssport, da geht es auch mal rau zu. Da muss es auch im Training mal scheppern, da muss es in der Kabine mal scheppern."
Der 59-Jährige wurde deutlich: "Ich halte das für einen der kapitalsten Fehler, die je begangen wurden, von flachen Hierarchien im Leistungssport und in einer Mannschaft zu sprechen. Das ist eine Katastrophe."
Bierhoff reagiert gegenüber "Bild" inzwischen auf die Sammer-Kritik. "Die Spieler kommen aus einem bestimmten System. Er wie ich waren Teil des Systems. Also kann sich keiner von da herausstehlen", erklärte er.
Nationalmannschaft: Sammer erkennt "absoluten Plan" bei Klopp
Positiver als auf die Vergangenheit blickt Sammer auf die Zukunft des DFB-Teams unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp. "Ich erkenne bei ihm einen absoluten Plan. Seine Organisationsform kann man immer diskutieren, aber sie folgt einem Plan", so der heutige Vorstandsberater von Borussia Dortmund.
Seine ganz große Hoffnung sei, "dass diese Mannschaft uns eine Identität zurückbringt, die wir dringend brauchen", so Sammer.
Er betonte, Klopp könne "nicht hexen, sondern es geht immer darum - in seiner Persönlichkeit, in seiner Erfahrung als Trainer -, auch verständlich zu machen, dass das möglicherweise auch ein bisschen Zeit braucht".
Klopp wirke "euphorisiert - jetzt schon -, auch auf das Volk, auch auf die Mannschaft. Aber nur mit Euphorie kannst du irgendwann nicht laufen", sagte Sammer.