Nationalspieler rechnet ab: „Würde nie wieder für Deutschland spielen“
Ex-Nationalspieler Demirbay deutlich: DFB-Team „ist mir egal“
Kerem Demirbay hat mit seiner Zeit in der deutschen Nationalmannschaft abgerechnet. In einem Interview mit dem türkischen Journalisten Yagiz Sabuncuoglu erhob der 33-Jährige harte Vorwürfe gegen den DFB. Obwohl sich Demirbay – aus Gründen, die er nicht näher erläutern wollte – gegen die Türkei und für Deutschland entschied, fühlt er sich seinem Geburtsland nicht mehr verbunden.
Selbst ein Anruf von Bundestrainer Jürgen Klopp würde daran nichts ändern: „Ich schwöre, wenn sie mich heute anrufen würden, ich würde nicht hingehen. Ich würde nie wieder für Deutschland spielen. Die Nationalmannschaft ist mir egal.“ Vor rund zehn Jahren wartete er vergeblich auf eine Einladung des türkischen Fußballverbands: „Ich habe eineinhalb Jahre versucht, für die türkische Nationalmannschaft zu spielen, aber es sollte nicht sein.“
Waren ein Torjubel und ein Tattoo der Grund für sein DFB-Aus?
Im Juni 2017 gab der damalige Hoffenheimer schließlich unter Ex-Bundestrainer Joachim Löw sein Debüt für Deutschland. Es folgte die Nominierung für den Confederations Cup in Russland, wo der Linksfuß in seinem zweiten Länderspiel gegen Kamerun (3:1) sein einziges Tor im DFB-Trikot erzielte. Es sollte zugleich sein letzter Einsatz mit dem Adler auf der Brust sein. Neun Jahre später äußerte sich Demirbay erstmals öffentlich zu seinem Aus in der deutschen Nationalmannschaft.
Und er ist sich sicher: Sein Torjubel gegen Kamerun war der Grund dafür. „Ich zog mein Trikot aus und man sah mein Türkei-Tattoo“, erinnert sich der gebürtige Hertener. Auf seinem rechten Schulterblatt hat er die Umrisse der Türkei tätowiert. Die Präsentation des Tattoos nach seinem einzigen Länderspieltor habe die „Dynamik verändert, auch medial. Wie kann es sein, dass ein Spieler für Deutschland spielt und die Karte eines anderen Landes tätowiert hat? Danach wurde ich nie wieder einberufen“, so der ehemalige Bundesliga-Profi.
Demirbay bereut, nie für die Türkei gespielt zu haben
Nach dem Gewinn des Confed Cups wurde Demirbay – trotz starker Leistungen und eines 32-Millionen-Transfers zu Bayer Leverkusen im Sommer 2019 – nie wieder für die DFB-Auswahl berücksichtigt. Der Mittelfeldspieler findet nun deutliche Worte dafür und wirft dem Verband und der deutschen Gesellschaft Rassismus vor: „In Deutschland gibt es viel Rassismus, das ist eine Tatsache.“ Seine Herkunft und Identifikation mit der Türkei hätten letztendlich zu einem unfreiwilligen Ende seiner Nationalmannschaftskarriere geführt.
„Einer singt die Nationalhymne nicht, ein anderer macht so etwas mit der Karte […] Sie gingen gegen mich vor. Weil ich Türke bin – und das stört sie“, sagt Demirbay und rechnet damit mit dem DFB ab. Während er sich vor einer Dekade noch zwischen zwei Nationen hin- und er hergerissen fühlte, hat er heute eine klare Antwort auf die Frage nach seiner Identität: „Mein Blut ist türkisch. Mein Vater ist Türke, meine Mutter ist Türkin – ich bin ein Türke.“ Sein größtes Bedauern wird daher „immer sein, nie das Trikot der türkischen Nationalmannschaft getragen zu haben.“
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