Nato bereitet sich auf mögliche Drohnenkriege vor
Das Beispiel Ukraine-Krieg zeigt: Drohnen sind aus der modernen Kriegsführung nicht mehr wegzudenken. Nun will auch die Nato verstärkt auf die unbemannten Luftfahrzeuge setzen. Gleichzeitig fordert Nato-Chef Rutte eine "Revolution" in der Verteidigungsindustrie. Die Nato bereitet sich auf eine massive Ausweitung der Kriegsführung mit Drohnen vor. Im Zuge einer neuen Initiative wollten Verbündete in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar in Fähigkeiten zur Drohnenabwehr investieren, kündigte Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Rande des diesjährigen Bündnisgipfels in der Türkei an. Zudem verpflichteten sich Alliierte, bis Ende 2027 fünfmal so viele Soldaten für den Einsatz von Drohnen auszubilden. "Drohnen haben (...) den Charakter der modernen Kriegsführung grundlegend verändert und sind zu einem entscheidenden Faktor auf dem Schlachtfeld geworden", erklärte Rutte zu der Initiative mit dem Namen "Drone Edge". Das sehe man in der Ukraine, im Nahen Osten, aber auch im Bündnisgebiet. Der Niederländer spielte damit darauf an, dass in den vergangenen Jahren mehrfach russische Drohnen auch in den Luftraum von Bündnisstaaten eingedrungen waren. Rutte sagte, in Reaktion auf die Entwicklungen baue die Nato nun ihre Fähigkeit rasch aus, Drohnen in großem Maßstab einzusetzen und zu betreiben. Gleichzeitig schaffe man robuste Fähigkeiten zur Drohnenabwehr, um Drohnen zu erkennen, zu identifizieren und zu neutralisieren. "So schützen wir unsere eine Milliarde Menschen vor dem gesamten Spektrum von Drohnenbedrohungen", sagte er. Nato-Chef fordert "Revolution" in der Verteidigungsindustrie Rutte betonte auf dem Gipfel, es bestehe eine Bedrohung durch Länder wie Russland, China und Nordkorea auch für Nato-Mitglieder. Russland stecke fast die Hälfte seines Staatshaushalts in seine Kriegsmaschinerie, und die Verteidigungsindustrie arbeite rund um die Uhr. Zudem bauten China und Nordkorea ihre nuklearen Fähigkeiten aus, und auch beim Iran müsse man trotz der Angriffe der USA wachsam bleiben. "Diese Länder arbeiten zunehmend zusammen", sagte Rutte. "Das sollte uns alle beunruhigen." Angesichts dieser Umstände forderte er eine "Revolution" in der transatlantischen Verteidigungsindustrie. "Das Summen der Maschinen muss zu einem Dröhnen werden", sagte der Niederländer am Rande des Bündnisgipfels in der Türkei. Das klinge dramatisch, sei aber machbar. Als konkrete Schritte für die Revolution nannte Rutte unter anderem weitere langfristige Bestellungen, Investitionen und Bürokratieabbau. Gleichzeitig müsse aber die Industrie bereit sein, mehr Risiken einzugehen. "Die Nachfrage ist da, und das wissen Sie", sagte er an Vertreter der Verteidigungsindustrie gerichtet. Rutte verwies zugleich auf in den vergangenen Jahren erzielten Fortschritte. "Allein im vergangenen Jahr haben wir gesehen, dass 37 Milliarden Dollar in die Stärkung unserer verteidigungsindustriellen Basis investiert wurden", erklärte er. So gebe es zusätzliche Produktionsfläche in der Größe von mehr als 2.000 Fußballfeldern. Empfehlungen der Redaktion Kreml schlägt neue Töne an – Militärexperte sieht darin "entscheidende Wendung" Geheimdienste sehen neue Dimension militärischer Zusammenarbeit "Beste Investition in Frieden": Wadephul sichert Kiew Milliarden zu Als ein konkretes Positivbeispiel nannte Rutte die Munitionsproduktion. "Unseren Prognosen zufolge wird das Bündnis bis zum kommenden Jahr in der Lage sein, jährlich rund vier Millionen Artilleriegeschosse zu produzieren", sagte er. Dies entspreche fast einer Verdopplung im Vergleich zum vergangenen Jahr. Den Wert von am Rande des Gipfels angekündigten Rüstungsprojekten bezifferte Rutte auf mehrere Dutzend Milliarden Dollar. (dpa/bearbeitet von thp)