Nato: Deutschland und Niederlande übernehmen mehr Verantwortung an Ostflanke
Eine Woche vor dem Nato-Gipfel übernehmen Deutschland und die Niederlande gemeinsam mehr Verantwortung an der Ostflanke des Bündnisses. »Deutschland verstärkt sein Engagement an der Nato-Ostflanke, gemeinsam mit unseren niederländischen Freunden«, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nach seiner Landung in der estnischen Stadt Tartu. Das Korps werde sich bei seiner Führungsaufgabe »ganz auf Estland und Lettland konzentrieren«. Er sagte: »Damit wird deutlich: Die Nato kann sich auf ihre europäischen Alliierten verlassen.« Dazu stellt das Deutsch-Niederländische Korps nun die Führung über die Landstreitkräfte des Bündnisses in Estland und Lettland und stellt mit seinem Stab ein zweites taktisches Hauptquartier für die Region. Die Einrichtung und Leitung eines Hauptquartiers für die baltischen Staaten war seit dem Nato-Gipfel 2023 im Gespräch. Das Deutsch-Niederländische Korps wird den Angaben zufolge verantwortlich sein für militärische Übungen sowie im Ernstfall für die Verteidigung der Ostflanke. Bisher ist dafür das Nato-Hauptquartier in Polen zuständig. Die Kommandoübergabe erfolgt am Dienstag in der Stadt Valga an der estnisch-lettischen Grenze. Enge Zusammenarbeit mit baltischen Ländern und Niederlande Das Deutsch-Niederländische Korps war 1995 errichtet worden und hat seinen Standort in Münster. Das Kommando wechselt turnusmäßig zwischen beiden Ländern. Außer den Niederlanden und Deutschland stellen derzeit 14 weitere Nato-Verbündete Personal. Das Hauptquartier kann eine internationale Truppe von rund 50.000 Soldaten befehligen und hat in der Vergangenheit mehrere internationale Einsätze geleitet. Deutschland hat sein militärisches Engagement im Baltikum nach Russlands Angriff auf die Ukraine deutlich ausgebaut. Die intensivste Zusammenarbeit gibt es mit Litauen, wo die Bundeswehr bis 2027 eine gefechtsbereite Brigade mit einer Gesamtstärke von bis zu 5.000 Soldaten stationiert. Doch auch mit Estland und Lettland ist die Zusammenarbeit eng. Regelmäßig übernimmt die Luftwaffe die Nato-Luftraumüberwachung über dem Baltikum und verlegt dazu Kampfjets samt Personal auf Stützpunkte in der Region. Auch im Rüstungsbereich wurde die Kooperation mit Deutschland ausgebaut. Gemeinsam haben Estland und Lettland etwa den Kauf des deutschen Flugabwehrsystems Iris-T vereinbart. Anfang vergangener Woche wurde die erste Feuereinheit an die estnische Armee ausgeliefert. Beim Ausbau der Munitionsproduktion setzt Lettland ebenfalls auf deutsche Unterstützung und hat Abkommen mit Rheinmetall und Dynamit Nobel Defence unterzeichnet.