Nato-Gipfel: Waffenruhe mit dem Iran ist laut Donald Trump "vorbei"
Die Türkei richtet zum zweiten Mal einen Nato-Gipfel aus, diesmal in Ankara. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan empfängt neben den Staats- und Regierungschefs der 32 Nato-Staaten auch die Staats- und Regierungschefs der Partnerstaaten Ukraine, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland sowie EU-Vertreter. Überschattet wird der Gipfel von einer erneuten Eskalation des Irankriegs. Neben eigenen Recherchen verwenden wir Material der Nachrichtenagenturen AFP, AP, dpa, epd, KNA und Reuters. Sophia Reddig Syrischer Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa angekommen Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ist nach Angaben türkischer Fernsehsender in Ankara eingetroffen, wo er am Rande des Nato-Gipfels mit US-Präsident Donald Trump zusammenkommen soll. Eingeladen hatte ihn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Das Treffen findet vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Hisbollah-Miliz im Libanon statt. Trump hatte zuletzt vorgeschlagen, Syrien solle sich militärisch »um die Hisbollah kümmern«. Al-Scharaa wies das jedoch zurück. Syrien strebe »wirtschaftliche Beziehungen« mit dem Libanon an, »keine militärischen«, sagte al-Scharaa im Juni. Am Dienstag hatte Trump in Ankara erklärt, er habe eine »sehr, sehr gute Beziehung« zu al-Scharaa. »Er hat hervorragende Arbeit geleistet. Er hat die Ordnung in seinem Land wiederhergestellt, was keine leichte Aufgabe ist«, fügte Trump hinzu. Der Übergangspräsident sei ein »harter Kerl«. Rieke Havertz vor Ort in Ankara Die Arbeitssitzung beginnt Bei diesem Nato-Gipfel gibt es neben dem gestrigen gemeinsamen Abendessen der Staats- und Regierungschefs eine gemeinsame Arbeitssitzung, die gerade beginnt und von Mark Rutte eröffnet wird, bevor die kleine Gruppe an Pressevertretern den Raum verlassen muss. Immer interessant: Wer spricht mit wem? Unter anderem spricht Kanadas Premierminister Mark Carney länger mit Trump. Rutte übergibt das Wort direkt an Gastgeber Recep Tayyip Erdoğan, der zu Ruttes Linken sitzt. Rechts neben Rutte: der US-Präsident. Rieke Havertz vor Ort in Ankara Trump meidet den blauen Teppich, nicht aber seine Angriffe auf Europa Der US-Präsident hat, wie schon in Den Haag, nicht den offiziellen Weg über den blauen Teppich genommen. Bevor alle 32 Nato-Bündnispartner gemeinsam ohne Presse miteinander sprechen, äußerten sich Trump und Nato-Generalsekretär Rutte noch gemeinsam. Nach seiner Ankündigung, die Waffenruhe mit dem Iran sei »vorbei«, sagte Trump dann noch, er wolle mit diesen »kranken Leuten« nichts zu tun haben, werde aber seinen Verhandlungsführern gestatten, die Gespräche mit den iranischen Verhandlungsführern fortzusetzen. Die Aussicht, dass sich nach dem »Memorandum of Understanding« innerhalb der darin festgelegten 60 Tage tatsächlich etwas Substanzielles verhandeln lässt, ist nun in weite Ferne gerückt. Trump blieb außerdem bei seiner Kritik an Europa. Er sei »nicht zufrieden mit der Nato«, sagte der Präsident. Als Gründe führte er Grönland an und die ausbleibende Hilfe in Bezug auf den Iran. »Grönland ist ein großes Problem für uns«, sagte Trump. Rutte wiederum sagte, er und Trump hätten in Davos etwas vereinbart und er werde daran arbeiten, dies Schritt für Schritt umzusetzen. Keine zu guten Voraussetzungen für das Gespräch in großer Runde. Bernard Darko Trump will alle Handelsbeziehungen mit Spanien abbrechen US-Präsident Donald Trump will im Streit um Spaniens Engagement in der Nato den Handel mit dem EU-Land einstellen. »Ich will nichts mit Spanien zu tun haben. Alle Handelsbeziehungen mit Spanien sollten abgebrochen werden«, sagte Trump beim Nato-Gipfel in Ankara. Der Beziehungsabbruch soll demnach »sofort« vollzogen werden, Spanien sei »ein schrecklicher Nato-Partner«. Isabelle Daniel Donald Trump: Waffenruhe mit dem Iran ist »vorbei« Der US-Präsident hat sich bei einem Auftritt vor dem offiziellen Start des zweiten Gipfeltags stark verärgert gezeigt. Er sei »nicht zufrieden« mit den Verbündeten, sagte Donald Trump bei einem sogenannten Doorstep vor Journalisten. Mit Blick auf das Rahmenabkommen mit dem Iran sagte Trump: »Ich denke, es ist vorbei.« Rieke Havertz vor Ort in Ankara Blick vom 6. Stock des Medienzentrums auf die Straße, die zum Gipfelort führt. Rieke Havertz Das ist der Blick vom sechsten Stock des Medienzentrums auf die Straße, auf der die Staats- und Regierungschefs zum sogenannten Doorstep ankommen. Viele sind schon angekommen, alle warten noch auf Donald Trump. 2025 in Den Haag hat der US-Präsident allerdings einen Seiteneingang genommen. Eingang zum Ort des Gipfels. Rieke Havertz Der rote Teppich ist bei der Nato stets blau. Rieke Havertz vor Ort in Ankara Was wird Trump tun? Das ist die große Frage, die über diesem zweiten Gipfeltag in Ankara schwebt. Denn darum geht es aus europäischer Sicht mittlerweile bei den Bündnistreffen: den US-Präsidenten gewogen zu halten. Im vergangenen Jahr hat das auf dem Gipfel in Den Haag mit dem beschlossenen 5-Prozent-Ziel temporär ganz gut geklappt. Aber Trump ist eben Trump, und so hat der Präsident schon gestern bei seiner Ankunft in der Türkei seine Kritik an den Europäern – und was diese für ihre eigene Verteidigung tun – wiederholt. Und dann direkt noch einmal das Wort Grönland gesagt. „Es sollte von den Vereinigten Staaten kontrolliert werden, nicht von Dänemark.“ US-Präsident Donald Trump über Grönland Die europäische Position in dieser Frage ist klar, die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wiederholte sie am Morgen noch einmal: Grönland stehe nicht zum Verkauf. Auch das Thema Iran könnte nach den gegenseitigen Angriffen zwischen dem Iran und den USA diesen Gipfeltag mehr dominieren, als es ursprünglich geplant war. Eigentlich soll es heute vor allem darum gehen, die Fortschritte der europäischen Säule der Nato in Hinblick auf Verteidigungsausgaben und -beschaffung sowie die Unterstützung der Ukraine zu bekräftigen. Beide Themen werden bei der gemeinsamen Session der Staats- und Regierungschefs auch im Mittelpunkt stehen, so hört man es hier in Ankara. Aber am Ende hängt immer alles von Donald Trump ab. US-Präsident Donald Trump bei seiner Ankunft in Ankara. Francisco Seco/AP/dpa Isabelle Daniel Merz: »Russland hat keine Chance« Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Ukraine weitere Unterstützung zugesagt. »Wir werden der Ukraine weiter helfen«, sagte Merz zu Beginn des zweiten Gipfeltages. »Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen.« Der russische Präsident Wladimir Putin werde seine »Kriegsziele nicht erreichen, und je schneller wir diesen Krieg beenden, umso besser ist es für Europa, umso besser ist es für Russland und umso besser ist es für den Frieden in der Welt«. Bundeskanzler Friedrich Merz beim Natogipfel in Ankara. Yves Herman/Reuters Merz äußerte sich auch zur Kritik von US-Präsident Donald Trump an den Verteidigungsausgaben der europäischen Verbündeten und verwies in diesem Zusammenhang erneut auf die deutliche Steigerung seit dem letzten Gipfel in Den Haag. «Wir haben geliefert», sagte er. Die meisten europäischen Staaten hätten ihre Anstrengungen im Verteidigungsbereich erheblich verbessert. Alena Kammer Frederiksen weist Trumps Grönland-Forderung erneut zurück Kaum ging der Nato-Gipfel in Ankara los, hat US-Präsident Donald Trump seine Ansprüche auf Grönland erneuert. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wies diese vehement zurück. Grönland stehe selbstverständlich nicht zum Verkauf, sagte sie. »Wir hoffen, dass alle, einschließlich aller Verbündeten, das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung Grönlands respektieren«, sagte Frederiksen. Mehr dazu lesen Sie hier: Katharina Benninghoff Das offizielle Programm des zweiten Gipfeltages Am zweiten Gipfeltag wird es neben einer offiziellen Arbeitssitzung mehrere Gespräche über die Entwicklung der Verteidigungsausgaben, die Unterstützung der Ukraine und die von Trump geforderte Unterstützung im Irankrieg geben. So sieht das geplante Programm in Ankara aus: 9.45 Uhr Offizielle Begrüßung der Staats- und Regierungschefs 10 Uhr Familienfoto der Gipfel-Teilnehmer 10.15 Uhr Treffen des Nordatlantikrats auf Ebene der Staats- und Regierungschefs 13.30 Uhr Treffen US-Präsident Donald Trump mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj 14 Uhr Abschluss-Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte 15.15 Uhr Pressekonferenz Donald Trump 15.30 Pressekonferenz Bundeskanzler Friedrich Merz Isabelle Daniel Nato-Staats- und Regierungschefs setzen Gipfeltreffen fort Im türkischen Ankara hat der zweite Tag des Nato-Gipfels begonnen. Überschattet wird der Gipfel von einer erneuten Eskalation des Irankriegs: Nach US-Angriffen in der Nacht attackierte der Iran in den vergangenen Stunden die US-Verbündeten Kuwait und Bahrain. Nato-Generalsekretär Mark Rutte stellte sich am Rande des Gipfels hinter die USA: Deren jüngste Angriffe auf den Iran seien »absolut notwendig« gewesen, sagte er. Für Belastung sorgt in Ankara auch ein weiteres Thema: US-Präsident Donald Trump nutzte den Gipfel bereits, um seine Ansprüche auf Grönland zu erneuern. In diesem Blog halten wir Sie über alle Entwicklungen während des Gipfels auf dem Laufenden. Nach oben