NATO-Staatschef rechnet mit Putins Krieg ab
Startseite Politik „Die Ukraine hat gewonnen“: NATO-Staatschef rechnet mit Putins Krieg ab Von: Lukas Richter Uns auf Google folgen Finnlands Präsident Stubb sieht die Ukraine trotz Luftabwehr-Not als Sieger des Krieges. Ankara – In Ankara treffen sich am Mittwoch (8. Juli) die Spitzen der NATO-Staaten. Ganz oben auf der Agenda steht der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Finnlands Präsident Alexander Stubb setzt in einem Interview mit dem US-Sender CNBC dabei einen Satz, der provoziert: Die Ukraine habe den Krieg gegen Russland bereits gewonnen. Content-Partnerschaft Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de. Stubb begründet das nicht mit einem Ende der Kämpfe. Er verweist auf das, was Moskau nach mehr als vier Jahren groß angelegter Invasion nicht erreicht habe: Die Ukraine sei unabhängig und souverän geblieben und habe ihre territoriale Integrität bewahrt, sagte Stubb dem Sender. „Schauen Sie aus Moskauer Sicht darauf: In vier Jahren aktivem Krieg sind sie 60 Kilometer vorangekommen. Im Zweiten Weltkrieg gingen sie von Moskau bis Berlin, das sind 1.400 Kilometer“, sagte Stubb im Interview. Dann stellte er die Frage: „Wer hat gewonnen, wer hat verloren?“ Seine Antwort: Die Ukraine habe gewonnen. NATO berät über Ukraine und Europas Verteidigung Der finnische Präsident verband seine Aussage mit einer Warnung. Kiew brauche weiter dringend militärische Hilfe, vor allem Luftabwehr. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj brauche Schutz gegen Angriffe aus der Luft, sagte Stubb zu CNBC. Genau dort müssten die NATO-Partner der Ukraine so stark wie möglich helfen. Auch Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson sagte dem Sender, Russland gewinne den Krieg derzeit nicht. Die Ukraine habe „spektakuläre Erfolge“ erzielt. Russland führe diesen Krieg nicht so, wie es ihn zu Beginn erwartet habe. Kristersson warnte aber vor einem anderen Risiko: Moskau setze darauf, dass Europa müde werde, sich ablenken lasse oder vor den Kosten zurückschrecke. Zeit, Geld und Durchhaltewillen, darum gehe es nun, machte Kristersson dem Bericht zufolge deutlich. „Die Zeit ist derzeit nicht auf Russlands Seite, außer wir lassen es zu“, sagte der schwedische Regierungschef. Als Beispiel für europäische Unterstützung nannte CNBC ein Kreditpaket für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro. Finnland und Schweden drängen auf mehr Verantwortung Der Gipfel in Ankara dreht sich auch um die Frage, wie schnell Europa mehr Verantwortung für seine eigene Verteidigung übernehmen kann. Vor einem Jahr hatten sich die NATO-Staaten verpflichtet, ihre Verteidigungsausgaben bis 2035 von zwei auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Stubb nannte diese Vereinbarung „historisch“. Der aktuelle Gipfel werde daran gemessen, ob die Staaten nun die Umsetzung zeigen könnten. Beim NATO-Gipfel 2025 in Den Haag hatten sich die Mitgliedsländer darauf geeinigt, bis 2035 jährlich fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung und sicherheitsrelevante Ausgaben einzuplanen. Damit wollen sie ihre Streitkräfte stärken und für eine gerechtere Lastenverteilung zwischen den Partnern auf beiden Seiten des Atlantiks sorgen, so der offizielle Bündnis-Plan. Hätte Europa früher handeln müssen? In Ankara wird nun genau hingesehen, wie die Fortschritte aussehen. Und der Druck aus den USA bleibt hoch. Kristersson sagte laut CNBC, Schweden und andere europäische Länder handelten nicht wegen amerikanischer Rhetorik, sondern wegen russischen Verhaltens. Zugleich räumte er ein, dass die Forderung der USA nach höheren europäischen Verteidigungsausgaben nicht neu sei.