Naturromantiker, die die Natur nicht ertragen
„Natur besteht nicht nur aus Sonnenuntergängen, Moos und Tierkindern. Zur Natur gehören brutale Revierkämpfe, unbarmherziger Jagdtrieb, Blutrausch, Verletzungen und Tod. Ein Wolf ist kein Hund mit schlechter Kinderstube. Er ist auch kein politischer Botschafter, der den Menschen an dessen ökologische Schuld erinnern soll.“ Alexander Heiden über die politische Mode, jedes gefährliche Verhalten vor allem als pädagogisches Problem zu betrachten. Holger Douglas berichtet von der neuesten EU-Idee, kleinen Versendern den Garaus zu machen. „Problematisch sind dabei nicht die eigentlichen Recyclingkosten, sondern nationale Registrierungen, Meldeverfahren und die Pflicht, in jedem Zielland einen Bevollmächtigten zu bestellen. Bei geringen Versandmengen können die Fixkosten den Wert der verschickten Waren deutlich übersteigen.“ Auch das läuft selbstverständlich unter dem Label Bürokratieabbau. Helmut Markwort: „Die Brandmauer ist lächerlich – sie wird im Osten fallen!“, Interview von Maximillian Tichy. Bei den Umfragen zur Bundestagswahl fallen zwei Dinge auf. Erstens die obere Grenze von 30 Prozent, die die AfD bisher noch nicht durchbrochen hat, und die untere von 20 Prozent, der sich die CDU/CSU bedenklich nähert, die sie bisher allerdings nicht unterschritten hat. Was passiert, wenn’s passiert? Dammbruch nach unten? Rekord nach oben? Es scheint, als wolle niemand der Erste sein, der es verkündet. „Die USA haben in großem Umfang und ohne vorherige Abstimmung mit der EU oder der Europäischen Zentralbank am Freitag, dem 31. Juli, einen Euro-Milliardenbestand über die Federal Reserve Bank of New York veräußert. Das amerikanische Finanzministerium hat dafür japanische Yen erworben.“ Thomas Kolbe berichtet über diesen ungewöhnlichen Vorgang: „Keine Absprache, keine Vorabinformation, es herrscht Eiszeit zwischen Washington und Brüssel. Aus Sicht der Europäer allerdings ergibt sich ein gravierendes Problem. Der sich langsam, aber sicher aufschaukelnde Handelskonflikt mit den Amerikanern droht außer Kontrolle zu geraten. Und die Schuld liegt nicht nur beim amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Ein Jahr nach dem vereinbarten Handelsdeal zwischen den USA und der EU hat die europäische Seite die Vereinbarung noch immer nicht ratifiziert. So verfährt man nicht mit Handelspartnern. Die gerade von Ursula von der Leyen verantwortete EU-Handelspolitik zeugt von phänomenaler Inkompetenz und einer vollkommenen Fehldeutung der eigenen Machtposition.“ Die neufeudale Klasse will renommieren. Ein akademischer Titel ist da das Mindeste. Wichtig ist dieser neuen Klasse allerdings nur die Form, also das Papier. Der Inhalt und ganz besonders die Frage, wie er eklektizistisch zusammengeschustert wurde, werden eher als nachrangige und vernachlässigbare Lässlichkeit betrachtet. Doktoren in Cambridge, Doktorversuche bei den Grünen, zweifelhafte Arbeiten allerorten und gelegentlich auch eine Aberkennung. Jetzt ist Mario Voigt an der Reihe, dem die Philosophische Fakultät der Technischen Universität Chemnitz seinen Doktortitel aberkannt hat. Unerhört findet Mario und schickt seine Anwälte los. Titel muss Titel bleiben, egal wie er zustande kam. Wäre ja noch schöner, wenn sich die neufeudale Klasse darauf nicht verlassen könnte. Mehr zu dieser neuen Erscheinung von Klaus-Rüdiger Mai: Der Sturz in die Dreiklassengesellschaft. Wird die EEG-Umlage den Rekord von 2024 mit 18,5 Milliarden Euro dieses Jahr knacken? Bis Ende Juli sind wir dieses Jahr schon bei 9,19 Milliarden Euro. Am Ende noch einmal Alexander Heiden: „Wir leiden unter einer schlimmen Verwechslung: Wir verwechseln Sichtbarkeit mit Bedeutung. Wer nicht im Bild erscheint, der fürchtet, gesellschaftlich nicht vorzukommen. Wer gesehen wird, fühlt sich bestätigt. Das Private verwandelt sich so in die Pressestelle des Egos. Jede Neigung verlangt nach Sichtbarkeit, jede Identität nach einer Bühne, jede Intimität nach Publikum.“ „Iacto, ergo sum“ – ich prahle, also bin ich. Die Gesellschaft als Zirkus der Exhibitionisten.