#NDRfragt: Viele nutzen KI, fordern aber strenge Regulierung
Stand: 02.08.2026 06:00 Uhr KI-Inhalte kriegen eine Kennzeichnungspflicht: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz soll transparenter sein. Fast alle #NDRfragt-Teilnehmenden finden das richtig, fürchten aber Risiken beim Umgang. von Oliver Völling und Leon Wulfers Ab dem 2. August gilt in Deutschland eine Kennzeichnungspflicht für bestimmte KI-generierte Bilder, Videos und Texte. Die befragte #NDRfragt-Community unterstützt diese Regelung nahezu einstimmig: 97 Prozent befürworten eine Kennzeichnungspflicht. KI ist ein Tool, das selbständig Arbeiten erledigen kann. Es muss kontrolliert werden und es muss ein ethischer Umgang damit gelten - wie bei allen Technologien. Christoph (55) aus Hamburg KI stärker regulieren? Auch bei der Regulierung sind sich die Befragten einig: Die Politik soll die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz strenger regulieren. Lediglich zwei Prozent lehnen eine Regulierung komplett ab. 21.565 Menschen aus Norddeutschland haben an der nicht repräsentativen, aber gewichteten #NDRfragt-Umfrage zur Künstlichen Intelligenz teilgenommen. Alle Ergebnisse für den gesamten Norden können Sie hier nachschauen. Unternehmen sollen für sichere KI sorgen Wer soll für den sicheren Einsatz von KI verantwortlich sein? Die Befragten sehen vor allem die Unternehmen in der Pflicht, die KI-Systeme entwickeln (67 %) oder einsetzen (60 %). Staatlichen Institutionen schreiben sie diese Verantwortung deutlich seltener zu: 37 Prozent nennen die Europäische Union, 21 Prozent den deutschen Staat. "Ich bin der Meinung, dass Politik da kaum gegensteuern kann, weder die deutsche noch europäische", so sieht das auch Sebastian (39) aus Nordfriesland. "Bei all dem Wirtschaftsdruck soll die Verantwortung nicht hauptsächlich beim ausführenden Mitarbeiter liegen, sondern beim Unternehmen." Warum die Befragten sich strengere Regulierung wünschen Den meisten Befragten macht Künstliche Intelligenz Angst (57 %) und sie sind überzeugt, dass KI sich irgendwann nicht mehr kontrollieren lässt (84 %). Die Mehrheit (59 %) möchte zudem lieber in einer Welt ohne KI leben. Ulrike aus Schleswig-Holstein ist eine von ihnen: Ich wünsche mir eine Welt ohne KI, damit wir uns wieder unserer eigenen Fähigkeiten - ebenso wie unserer Schwächen - bewusst werden und einfach Mensch sein können. Ulrike (64) aus Herzogtum Lauenburg Künstliche Intelligenz: Risiken überwiegen die Chancen Während der Eindruck von Chancen und Risiken bei der #NDRfragt-Umfrage von 2024 noch überwiegend ausgeglichen war, sehen die Befragten zwei Jahre später häufiger die Risiken beim Umgang mit KI. "Wie bei jeder neuen Technik finden Menschen sofort einen Weg für Missbrauch und illegale Dinge", ist sich Isa (51) aus Vorpommern-Greifswald sicher. Katharina (51) aus Osnabrück ist ähnlicher Meinung: "Das schwerwiegendste ist für mich der Verlust der Kontrollmöglichkeiten - sowohl über die Entwicklung der KI selbst als auch darüber, wofür sie gebraucht wird." Carina (37) aus Lübeck ist Künstlicher Intelligenz gegenüber positiver eingestellt: "Es gibt kaum einen Bereich, der nicht von KI profitiert. Arbeitsplätze werden durch sie bestenfalls unterstützt. Aber: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit." KI birgt größte Chancen für die Medizin Aber nicht in jedem Bereich überwiegen die Risiken: Künstliche Intelligenz hat laut der Befragten eher positive Auswirkungen auf Innere Sicherheit (45 %), Klima und Umwelt (47 %), Wirtschaft (53 %) und vor allem auf die Medizin (83 %). Gerade in der Auswertung großer Datenmengen und der Früherkennung von Krankheiten sehen viele großes Potenzial. Christian (26) aus Vorpommern-Greifswald ist überzeugt: "KI-Systeme sind unglaublich gut in der Mustererkennung, insbesondere bei Mustern, die Menschen nicht auffallen. Speziell trainierte neuronale Netze können bei Analysen und Früherkennungen, gerade im Katastrophenschutz oder in der Medizin, zu echten Wunderwerkzeugen werden." Auch Saskia (31) aus Ostholstein sieht darin eine der größten Chancen: KI solle vor allem für die wissenschaftliche Datenanalyse genutzt werden, etwa "in der Medizin zur Krebsfrüherkennung". Die größten Risiken sehen die Befragten für zwei Grundsäulen der Gesellschaft: Politik und Demokratie sowie Nachrichten und Journalismus (beide 79 %). Diese beiden Bereiche liegen sogar noch vor dem für Kunst, Musik und Kreativität (63 %). Bilder, Videos und Audioaufnahmen können inzwischen so täuschend echt erstellt werden. Dadurch wird es immer schwieriger zwischen echten und manipulierten Inhalten zu unterscheiden. Langfristig kann dies das Vertrauen in Medien und Nachrichten erheblich schwächen und Desinformation begünstigen. Christin (44) aus Segeberg Trotz Sorgen nutzen viele KI 60 Prozent der Befragten haben trotz Bedenken und zu geringer Regulierung bereits Inhalte mit KI generiert. Rund zwei Drittel von ihnen verwenden generative KI sogar wöchentlich oder öfter, meistens um Informationen zu recherchieren (48 %) oder um Texte zu verbessern und zusammenzufassen (43 %). Die meistgenannten Vorteile sind mit großem Abstand die schnelle Informationssuche (58 %) und eine enorme Zeitersparnis (60 %). Der größte Vorteil ist ein massiver Zeitgewinn; wenn es darum geht, sehr lange Dokumente zusammenzufassen, ist KI unschlagbar. Markus (49) aus Schwerin Auf der anderen Seite ist der meistgewählte Nachteil von KI, dass man den Ergebnissen nicht ausreichend vertrauen kann. 39 Prozent der #NDRfragt-Community hat schon Erfahrungen mit falschen Ergebnissen gemacht und rund die Hälfte ist sich unsicher, ob sie den Ergebnissen einer KI überhaupt vertrauen können. "KI erspart mir langes Suchen per Suchmaschine im Internet", sagt auch Karl-Heinz (72) aus der Region Hannover. "Mir ist aber klar, dass ich Antworten einer KI immer überprüfen muss, da ich dort auch unvollständige bis falsche Antworten bekommen kann." Was ist #NDRfragt?