Neodigital: Versicherer verkauft 400.000 Verträge an Adam Riese
Neue Strategie Versicherer verkauft Hunderttausende Verträge Von t-online, mat 16.07.2026 - 14:34 UhrLesedauer: 2 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Acht Jahre nach seiner Gründung ändert der saarländische Versicherer Neodigital sein Geschäftsmodell. Die Verträge gehen an einen Konkurrenten – was das für die Kunden bedeutet. Ein Eintrag im Fusionsregister des Bundeskartellamtes hatte es angedeutet, nun folgt die offizielle Bestätigung: Der saarländische Versicherer Neodigital verkauft seinen gesamten Versicherungsbestand an Adam Riese, die Digitalmarke der Württembergischen Versicherung. Neodigital will künftig nur noch als technischer Dienstleister für andere Versicherer agieren. Mit Neodigital verabschiedet sich ein weiterer der sogenannten Neo-Versicherer, die in den Jahren um 2015 herum entstanden waren, wieder aus dem Markt. Auch Getsafe, Wefox, Mailo oder der in die Insolvenz gerutschte Berliner Versicherer Element sind in Deutschland nicht mehr als Versicherer tätig. Einzig der digitale Krankenversicherer Ottonova ist weiterhin aktiv. Viele der Unternehmen, die mit großen Versprechungen gestartet sind, haben es nicht geschafft, genügend Kunden zu gewinnen und entsprechend profitabel zu arbeiten. Versicherer schreibt rote Zahlen Neodigital wurde 2018 gegründet und verkaufte eine Vielzahl von Sachversicherungen, unter anderem Gebäude-, Hausrat, Haftpflicht-, Unfall- und Fahrradversicherungen. Zwar konnte das Unternehmen aus St. Ingbert über die Jahre die Einnahmen sowie die Zahl seiner Kunden deutlich steigern, schrieb aber in seinem Kerngeschäft stets rote Zahlen. Im vergangenen Jahr lag der versicherungstechnische Verlust bei rund 8,1 Millionen Euro – die Kosten für den Betrieb und die ausgezahlten Leistungen an die Kunden überstiegen die Einnahmen somit deutlich. Extremwetter lässt Prämien steigen: Versicherer kündigt Verträge wegen Klimawandel Von dem Verkauf der Versicherungsverträge an Adam Riese sind nach Angaben von Neodigital über 400.000 Kunden betroffen. Für diese soll sich durch die sogenannte Bestandsübertragung nichts ändern, versichert Neodigital. Alle Verträge behalten ihre Gültigkeit, auch auf den vereinbarten Leistungsumfang der Verträge hat der Verkauf keine Auswirkungen. Finanzaufsicht muss zustimmen Der Verkauf von Versicherungen unterliegt strengen gesetzlichen Regeln. So bedarf es stets der Genehmigung durch die Finanzaufsicht Bafin – noch liegt diese nicht vor. Die Bafin muss vor ihrer Zustimmung sicherstellen, dass die Belange der Versicherten gewahrt werden und das Unternehmen, das die Versicherungen kauft, die hieraus entstehenden Verpflichtungen dauerhaft erfüllen kann. Ein Sonderkündigungsrecht für die Kunden entsteht durch den Verkauf des Vertragsbestands nicht. Nicht betroffen vom Vertragsverkauf sind die Kunden der Neodigital Autoversicherung – das Tochterunternehmen war bereits im vergangenen Jahr vollständig von der HUK-Coburg übernommen worden. Der fränkische Versicherer hatte bereits zuvor einen Anteil von 51 Prozent an dem einstigen Gemeinschaftsunternehmen gehalten.