Nepal und China: Opferzahl steigt, Suche nach Vermissten geht weiter
Nach der Flutkatastrophe in Nepal und China ist die Zahl der Todesopfer auf 750 gestiegen. In Nepal wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes 734 Leichen geborgen. Chinas Behörden hatten zuvor bekanntgegeben, dass die Opferzahl im Katastrophengebiet im Südwesten der Region Tibet 16 erreicht habe.
Die Zahl der Vermissten auf chinesischer Seite ging auf 546 zurück. Unter den in China vermissten Ausländern sind laut Behörden auch drei Deutsche. Das Auswärtige Amt hatte bislang von einer hohen einstelligen Zahl an vermissten Deutschen in der Region gesprochen. In Nepal galten noch acht Deutsche als vermisst.
Unklarheit über weitere Details
Ob sich die Zahl der vermissten Deutschen im Katastrophengebiet in Nepal und Tibet im Zuge der jüngsten Angaben aus China insgesamt erhöht hat oder ob es Dopplungen bei den Angaben der Behörden beider Seiten gibt, war zunächst unklar. Unter anderem befand sich am Unglückstag eine Reisegruppe mit einem nepalesischen Veranstalter noch in Tibet, um den Grenzübergang Gyirong zurück nach Nepal zu überqueren, wie der Reiseveranstalter auf Anfrage gesagt hatte.
Weitere Vermisste in China kamen unter anderem aus den USA (18), Großbritannien (15) und einzelne jeweils aus Frankreich, Spanien, Portugal und den Niederlanden. Zusammen mit den mehr als 2.400 in Nepal noch gesuchten Flutopfern galten damit etwa 3.000 Menschen weiter als vermisst.
Bauarbeiter in Tunnel eingeschlossen
Auch in Nepal geht die Suche nach Vermissten weiter. Dort versuchen die Rettungskräfte unter anderem, die vermutlich im Tunnel eines Wasserkraftwerks eingeschlossenen Bauarbeiter zu erreichen. Das Büro des nepalesischen Regierungschefs teilte mit, die Teams seien "anhaltendem Regen und schwierigen Bedingungen" ausgesetzt gewesen. Sie hätten dennoch die ganze Nacht ohne Unterbrechung gearbeitet, "um diejenigen zu suchen und zu retten, die möglicherweise eingeschlossen sind".
Seit der Sturzflut vom vergangenen Mittwoch werden 933 Arbeiter vermisst, die an Baustellen von Wasserkraftwerken eingesetzt waren. Die Regierung geht davon aus, dass mehr als hundert von ihnen noch leben und in einem der Tunnel eingeschlossen sind. Allerdings behinderten nächtliche Regenfälle und steigende Flusspegel die Rettungsarbeiten.
Warnung vor Bhotekoshi
So warnte der Katastrophenschutz von Nepal vor weiteren Überschwemmungen durch den Fluss Bhotekoshi. Die Behörden mahnten die Menschen in der Gegend Rasuwa, Nuwakot und Dhading zur Vorsicht.
Am Mittwoch hatte nach bisherigen Erkenntnissen der Abbruch an einem Gletscher im Grenzgebiet zwischen Nepal und China eine Sturzflut ausgelöst. Diese hatte sich anschließend durch den Bhotekoshi von nepalesischem Territorium aus über den Südwesten Tibets zurück nach Nepal ihren Weg gebahnt und dabei massive Schäden verursacht.
Häuser, Wasserkraftwerke und Brücken wurden mitgerissen. Chinesischen Wissenschaftlern zufolge dauerte es sechs bis sieben Minuten, bis die Schlammlawine von der nepalesischen Seite den Grenzübergang Gyirong erreichte, berichtete der staatliche Fernsehsender CCTV. Demnach führten die Forscher das Unglück auf die Erderwärmung zurück.