Netflix: Regisseur Carl Rinsch gab Millionen für Luxusleben aus, statt eine Serie zu drehen
Rinsch hatte Netflix weisgemacht, er benötige elf Millionen Dollar zur Fertigstellung der von Netflix bestellten Serie »White Horse«. Jedoch landete das Geld auf einem Privatkonto. Rinsch gab enorme Summen für Luxusautos, Uhren, Kleidung und Haushaltsgegenstände aus – darunter 638.000 Dollar allein für zwei Matratzen. Der 48-Jährige und seine Anwälte erklärten vor Gericht, sein Verhalten sei durch psychische Probleme und Schwierigkeiten mit Medikamenten beeinflusst gewesen; diese Probleme gehe er nun mit einem neuen medizinischen Betreuer an. »Dieser Prozess hat mich gezwungen, mich mit Aspekten meiner Gesundheit, meines Urteilsvermögens und meines Lebens auseinanderzusetzen«, sagte Rinsch. Er entschuldigte sich für sein Verhalten, räumte ein, dass »tatsächlicher Schaden entstanden ist«, und erklärte: »Ich habe die Gefahr meines damaligen Zustands nicht erkannt.« Rinsch erhielt von Prominenten Unterstützung. Er »bereitet den Menschen in seinem Umfeld außergewöhnliche Freude und Wärme« und vermittelt anderen »durch seine Kreativität und Vision schöpferische Inspiration«, schrieb Keanu Reeves in einem Brief an das Gericht im Vorfeld der Urteilsverkündung. Der »Matrix«-Star erklärte, er kenne zwar nicht die Einzelheiten des Falls, wisse aber, dass Rinsch dazu neige, sich selbst zu sabotieren, indem er »Ausmaß, Umfang und Dimensionen dessen, was ausgehandelt worden war, maßlos aufblähte«. Reeves hoffe auf ein Urteil, das »von Nachsicht und Gnade sowie von Gerechtigkeit geprägt sein möge«. Carl Rinsch hatte zuvor Werbefilme gedreht und den Samurai-Fantasyfilm »47 Ronin« aus dem Jahr 2013, in dem Keanu Reeves die Hauptrolle spielte. Im Kino aber floppte der Film. Danach hatte Rinsch gemeinsam mit seiner Frau begonnen, am Konzept für »White Horse« zu arbeiten. Es entstanden sechs Kurzfolgen, die unter anderem von Keanu Reeves finanziert wurden. Daraufhin stieg Netflix ein. Der Staatsanwaltschaft zufolge zahlte Netflix Rinsch in den Jahren 2018 und 2019 zunächst rund 44 Millionen Dollar für das Projekt »White Horse« und stellte 2020 weitere elf Millionen Dollar bereit, nachdem Rinsch angegeben hatte, er benötige mehr Geld für den Abschluss der Produktion. Doch statt das Geld in die Serie zu investieren, tätigte Rinsch eine Reihe gescheiterter Investitionen; dabei verlor er innerhalb weniger Monate etwa die Hälfte der elf Millionen Dollar. Den Rest investierte er in den Kryptowährungsmarkt und erzielte dabei Gewinne, die er verprasste: Rinsch kaufte fünf Rolls-Royce-Fahrzeuge, einen roten Ferrari, Uhren und Kleidung im Wert von 652.000 Dollar sowie teure Matratzen und gab weitere 295.000 Dollar für luxuriöse Bettwaren und Wäsche aus. Zudem beglich er mit einem Teil des Geldes Kreditkartenrechnungen in Höhe von rund 1,8 Millionen Dollar. Das Gericht befand, Rinschs psychische Probleme »mögen einige der Exzesse erklären«, sie änderten jedoch nichts an der Schlussfolgerung, dass er »gezielt gelogen hat, um beträchtliche Summen von Netflix zu erhalten, und anschließend gelogen hat, um dies zu vertuschen«.