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Neubaustrecke Hamburg-Hannover: Fragen und Antworten zu dem Projekt

Nation

Der Bundestag hat grünes Licht gegeben und mit seiner Entscheidung die Mittel freigegeben, damit das Projekt in eine weitere Planungsphase gehen kann. Daraufhin folgen nächste Schritte. Die Route der Trasse muss im Detail geplant werden. Auch ein Planfeststellungsverfahren mit einer Bürgerbeteiligung ist zwingend notwendig. Da die Strecke sehr umstritten ist, wird es voraussichtlich auch Klagen gegen das Projekt geben.

Die Vertreter des Verkehrsausschusses hatten dem Bundestag empfohlen, sich für eine weitere Planung der Neubaustrecke zu entscheiden, da diese viele Vorteile mit sich bringe. Zum einen würden damit zusätzliche Kapazitäten auf der Schiene geschaffen. Insbesondere für die Anbindung der Seehäfen sei das wichtig. Die Fahrzeiten auf der Strecke könnten sowohl im Fern- als auch Regionalverkehr verkürzt werden. Zudem könnten neue Bahnhalte geschaffen und so eine Region an das Schienennetz angebunden werden. Auch die bestehende Strecke würde entlastet.

Ob Regionalzüge auf der Strecke fahren werden, muss am Ende das Land Niedersachsen entscheiden. Dieses ist für den Nahverkehr zuständig. Die Verkehrspolitiker im Bundestag wünschen sich, dass die Menschen auch durch den Regionalverkehr von der Strecke profitieren. Sie wollen deshalb, dass bei der Strecke Regionalbahnhalte direkt mitgeplant werden. In Bergen (Landkreis Celle) und in Soltau (Landkreis Heidekreis) sollen die sogenannten Überholbahnhöfe direkt so gebaut werden, dass sie auch zu Regionalverkehrshalten ausgebaut werden können. In Soltau soll ohne grundlegende Umplanung sogar ein ICE-Halt möglich sein. In Ramelsloh und im Raum Garlstorf (beides Landkreis Harburg) sollen die Überholbahnhöfe so geplant werden, dass später auch eine Nutzung als Regionalbahnhalt möglich ist.

Nach Angaben der Bahn soll mit einer Neubaustrecke der Deutschlandtakt möglich sein. Die Fahrzeit zwischen Hamburg und Hannover verkürze sich im ICE von aktuell 79 Minuten auf dann 59 Minuten. Sollten Regionalzüge auf der Strecke unterwegs sein, wären die Städte Soltau und Bergen auch schneller an die Metropolen angebunden. So geht die Bahn zwischen Soltau und Hamburg von einer Fahrzeit von 30 Minuten aus - bislang dauert die Fahrt 84 Minuten. Von Soltau nach Hannover soll der Zug anstatt 69 Minuten nur noch etwa 40 Minuten unterwegs sein. Die Stadt Bergen könnte nach 1976 zum ersten Mal wieder direkt an das Schienennetz angeschlossen werden. Der Zug könnte laut Bahn auch innerhalb von 30 Minuten in Hannover sein. Ob Regionalzüge überhaupt auf der Strecke fahren und Bahnhalte finanziert werden können, ist nicht klar. Zuständig dafür sind das Land Niedersachsen und die Kommunen, die zuletzt immer betonten, dass ein Regionalverkehr nicht finanzierbar sei.

Die neue Trasse soll von Meckelfeld durch den Landkreis Harburg nach Soltau (Landkreis Heidekreis) führen, von dort weiter nach Bergen (Landkreis Celle) und bei Großburgwedel (Region Hannover) in die bestehende Strecke nach Hannover münden. In den betroffenen Landkreisen gibt es seit Jahren viele Argumente gegen die Strecke. So heißt es etwa, die Trasse führe zu nah an Wohngebäuden vorbei. Anwohner befürchten große Lärmschutzwände vor der Haustür. Eine große Angst ist, dass Ortschaften zerschnitten werden und ganze Ortsteile durch die Trasse abgetrennt werden. Umweltschützer sehen bei einem neuen Trassenbau einen zu großen Einschnitt in Naturräume - mit negativen Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere. In einigen Orten wird befürchtet, dass sie durch die Neubaustrecke nicht besser an das Schienennetz angeschlossen werden, sondern die Trasse nur den großen Metropolen etwas nützt.

In den vergangenen Monaten gab es nach NDR Informationen viele Diskussionen zwischen den regionalen Vertretern im Bundestag und den dortigen Verkehrspolitikern. Zuletzt wurde die Entscheidung im Ausschuss daraufhin noch einmal vertagt. In der neuen Beschlussempfehlung gingen die Verkehrspolitiker auch auf Forderungen der Region ein. So sollen im Bereich Seevetal (Landkreis Harburg) noch einmal weitere Varianten und Optimierungsmöglichkeiten bei der Trassenführung geprüft werden. Auch beim Lärmschutz soll im Vergleich zum ersten Entwurf, der im Verkehrsausschuss diskutiert wurde, deutlich nachgebessert werden. Der Bund soll bis zu 100 Millionen Euro für zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen bereitstellen. In der Beschlussvorlage stand zudem, dass die Gedenkstätte Bergen-Belsen besonders geschützt werden soll. So soll die Trasse so verlaufen, dass jegliche optische, akustische oder physische Beeinträchtigung des Gedenkortes und des historischen Verbindungsweges ausgeschlossen wird. In Bezug auf geplante Verbesserungen auf der bestehenden Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover sind ebenfalls Forderungen aus der Region eingeflossen.

Auch auf der bestehenden Bahnstrecke sind Maßnahmen geplant, die den Zugverkehr verlässlicher machen sollen. Bei der Generalsanierung 2029 sollen beispielsweise neue Weichen eingesetzt, Bahnsteige erweitert und Überholgleise gebaut werden. Zusätzlich sieht der Verkehrsausschuss weitere Maßnahmen vor, die spätestens im Jahr 2034 umgesetzt werden sollen. Dazu zählen beispielsweise mehr Lärmschutzwände, die Einführung des digitalen ETCS-Systems und weitere Überleitstellen - damit Züge im Störungsfall und bei Bauarbeiten leichter ausweichen können. Ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen soll es hingegen nicht geben - erst einmal. Die Baumaßnahmen sollen so ausgeführt werden, dass später ein dreigleisiger Ausbau in dem Abschnitt möglich wäre. Insgesamt soll der Bund etwa 250 Millionen Euro in die bestehende Strecke investieren.

Wenn eine Neubaustrecke gebaut wird, bedeutet das wohl auch mehr Züge, die in Hamburg und Hannover halten sollen. Dort sind die Kapazitäten bereits jetzt knapp. Deshalb sollen auch die Knotenpunkte Hamburg und Hannover so in Stand gesetzt werden, dass sie nicht zur Engstelle werden. Dem Verkehrsausschuss zufolge sollen die bereits geplanten Maßnahmen mit hoher Priorität vorangetrieben werden. Sie sollen mit den Bauarbeiten im Bestandsnetz und mit dem Bau der neuen Trasse zeitlich synchronisiert werden. Zu den Baumaßnahmen zählen unter anderem die geplanten Kreuzungs- und Überwerfbauwerke in Meckelfeld (Landkreis Harburg) und in Hamburg-Wilhelmsburg.

Die Neubaustrecke wird voraussichtlich erst in mehreren Jahrzehnten in Betrieb gehen. In einer Unterrichtung des Verkehrsausschusses hieß es, dass die Trasse 2050 fertiggestellt sein könnte. Kritiker gehen von einer deutlich längeren Bauzeit aus - insbesondere, falls es Klagen gegen das Projekt geben sollte.

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