Neue Altersvorsorge: Sparkasse lockt mit billigem Renten-Depot
Das plant die Deka
Neue Altersvorsorge: Sparkasse wagt sich aus der Deckung
Von Christine Holthoff
10.09.2026 - 13:17 UhrLesedauer: 4 Min.
2027 startet die neue staatlich geförderte Altersvorsorge. Die Deka will dafür ein günstiges Standarddepot anbieten. Verbraucherschützer warnen dennoch.
Die Neobroker machten den Anfang, jetzt mischen auch die Sparkassen mit im Kampf um neue Altersvorsorgekunden – und können dabei zumindest in Teilen mit der günstigen Konkurrenz mithalten. Die Deka, das Wertpapierhaus der Sparkassen, hat angekündigt, zum Start der neuen staatlich geförderten Altersvorsorge Anfang 2027 mit zwei Varianten eines Altersvorsorgedepots an den Markt zu gehen: einem günstigen Standarddepot und einem aktiv gemanagten Individualprodukt.
In der Standardvariante sollen Depotführung und Zulagenverwaltung kostenlos sein. Für die zugrunde liegenden ETFs nennt die Deka laufende Kosten von 0,1 Prozent pro Jahr. Damit würde das Sparkassen-Angebot zumindest in dieser Variante zu den günstigeren angekündigten Produkten für das neue Altersvorsorgedepot gehören. Investiert werden soll in einen weltweit anlegenden Aktien-ETF sowie einen europäischen Rentenfonds.
Kurz erklärt: Aktien-ETF und Rentenfonds
Ein Aktien-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der viele Aktien bündelt – oft aus verschiedenen Ländern und Branchen. So können Sparer breit gestreut in den Aktienmarkt investieren, ohne einzelne Aktien auswählen zu müssen. Die Renditechancen sind höher, dafür schwankt der Wert. Ein Rentenfonds investiert nicht in Rentenansprüche, sondern in Anleihen, also festverzinsliche Wertpapiere von Staaten oder Unternehmen. Sie schwanken weniger stark als Aktien, bieten langfristig aber geringere Renditechancen.
In der klassischen Ausgestaltung fließt das Geld zunächst vollständig in den Aktien-ETF. Fünf Jahre vor Rentenbeginn soll der Aktienanteil auf 50 Prozent reduziert werden, zwei Jahre vor Rentenbeginn noch einmal um weitere 20 Prozent. Alternativ sollen Kunden den Aktienanteil im Standarddepot auch selbst über die Sparkassen-App steuern können – zu denselben Konditionen.
Daneben plant die Deka ein aktiv gemanagtes Individualdepot. Es soll aus bis zu drei Fondsbausteinen bestehen und entlang eines Lebenszyklusmodells gesteuert werden: Zu Beginn liegt der Schwerpunkt auf Aktien, mit näher rückendem Ruhestand wird schrittweise in Renten- und Geldmarktfonds umgeschichtet. Die Kosten sollen hier je nach Laufzeit zwischen 1,0 und 1,5 Prozent pro Jahr liegen.
Altersvorsorgedepot ersetzt Riester für Neuverträge
Das Altersvorsorgedepot ist das Kernstück der Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Sparer damit einfacher und stärker kapitalmarktorientiert fürs Alter vorsorgen können. Neue Riester-Verträge nach bisherigem Recht sollen dann nicht mehr abgeschlossen werden können; bestehende Riester-Verträge bleiben erhalten.
Anders als viele klassische Riester-Produkte kommt das neue Altersvorsorgedepot ohne Beitragsgarantie aus. Dadurch kann stärker in Aktienfonds und ETFs investiert werden. Das erhöht die Renditechancen, bedeutet aber auch: Der Depotwert kann schwanken, Verluste sind zwischenzeitlich möglich. Über lange Zeiträume haben breit gestreute Aktienanlagen historisch jedoch deutlich höhere Erträge erzielt als sichere Anlagen. Weitere Informationen zur neuen staatlich geförderten Altersvorsorge finden Sie in diesem Ratgeber.
Nur die Deka-Standardvariante ist günstig
Die Verbraucherexperten des Geldratgebers "Finanztip" bewerten lediglich die Standardvariante der Deka als günstig. Mit ETF-Kosten von 0,1 Prozent pro Jahr liegt sie sogar unter einigen bereits angekündigten Angeboten digitaler Anbieter. Scalable Capital etwa hatte für sein Standarddepot ETF-Kosten von maximal 0,15 Prozent pro Jahr genannt, Smartbroker+ ebenfalls weniger als 0,15 Prozent. Allerdings ist der Vergleich vorläufig, weil bei allen Anbietern noch Details fehlen.
Kritischer sieht "Finanztip" die zweite Deka-Variante. Das aktiv gemanagte Individualdepot mit Kosten von bis zu 1,5 Prozent pro Jahr mache deutlich, dass der gesetzliche Kostendeckel von 1,0 Prozent nur für die Standarddepot-Variante gilt. Für andere Varianten können deutlich höhere laufende Kosten anfallen.
Die Höhe der Gebühren ist jedoch entscheidend für die spätere Rente der Sparer. Denn bei langfristiger Geldanlage wirken Kosten über Jahrzehnte stark auf das Endvermögen. Was nach einem kleinen Prozentunterschied klingt, kann am Ende mehrere Zehntausend Euro ausmachen.
Beispielrechnung: So stark drücken hohe Kosten das Endvermögen
Ein Beispiel zeigt den Effekt. Angenommen, jemand zahlt 35 Jahre lang monatlich 150 Euro in ein Altersvorsorgedepot ein. Das entspricht 1.800 Euro im Jahr und damit dem Betrag, bis zu dem die neue Förderung voll greifen soll. Zur Vereinfachung wird eine jährliche Bruttorendite von 6 Prozent vor Kosten angenommen; staatliche Zulagen und Steuern bleiben außen vor, damit nur der Kosteneffekt sichtbar wird.
Bei jährlichen Kosten von 0,1 Prozent bleibt rechnerisch eine Nettorendite von 5,9 Prozent. Nach 35 Jahren ergäbe sich ein Vermögen von rund 202.000 Euro. Bei jährlichen Kosten von 1,5 Prozent bleibt dagegen nur eine Nettorendite von 4,5 Prozent. Das Endvermögen läge dann bei rund 150.000 Euro.
Der Unterschied beträgt also etwa 52.000 Euro, obwohl in beiden Fällen dieselben Beiträge eingezahlt wurden und die Kapitalmärkte vor Kosten dieselbe Rendite geliefert hätten. Eingezahlt wären insgesamt 63.000 Euro. Die höheren Kosten würden also einen erheblichen Teil des möglichen Anlageerfolgs aufzehren.
Loading...
Loading...
Loading...
Im Video | Kleine Summe – große Wirkung: t-online erklärt den Zinseszins
Player wird geladen
Rechtfertigt Beratungsbedarf die höheren Kosten?
Die Deka verweist auf einen hohen Beratungsbedarf. In einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag der Fondsgesellschaft gaben 54 Prozent der Befragten an, unsicher zu sein, wie sie Geld für die Altersvorsorge anlegen sollen. Drei Viertel zweifeln demnach daran, dass die gesetzliche Rente künftig ausreichen wird, um den Lebensstandard zu halten.
"Finanztip" sieht das Problem anders gelagert. Nach einer eigenen Befragung unter 5.000 Menschen hätten nur 36 Prozent überhaupt schon vom neuen Altersvorsorgedepot gehört. Wer es kenne, nenne als Hürden vor allem die Sorge vor späteren Regeländerungen, verlorenes Vertrauen durch Riester und Angst vor hohen Gebühren. Aus Sicht der Verbraucherschützer spricht das vor allem für einfache, günstige und transparente Produkte.
Förderung lässt sich auch noch Ende 2027 kassieren
Für Sparer bedeutet das: Ein günstiges Standarddepot kann ein sinnvoller Einstieg in die neue geförderte Altersvorsorge sein. Teurere aktiv gemanagte Varianten müssen dagegen einen deutlichen Mehrwert bieten, um ihre höheren Kosten zu rechtfertigen.
Wichtig: Ein vorschneller Abschluss ist nicht nötig. Sparer können die staatliche Förderung auch dann noch komplett kassieren, wenn Sie erst Ende 2027 ein Altersvorsorgedepot abschließen.
Viele Anbieter bringen sich zwar bereits für den Start 2027 in Stellung. Weil aber Konditionen, Anlagestrategien und Details zur Umsetzung noch nicht überall feststehen, sollten Interessierte die Angebote in den kommenden Monaten sorgfältig vergleichen. Entscheidend sind laut "Finanztip" nicht nur Zulagen und Steuervorteile, sondern auch Kosten, Fondsqualität und Gesamtkonditionen.