Neue EU-Vorgabe für Smart Meter: Warum sie kaum Probleme löst
Kritik vom Bundesverband Neue EU-Vorgabe für Stromzähler: Warum sie kaum Probleme löst Von Jennifer Buchholz 20.08.2026 - 19:14 UhrLesedauer: 3 Min. Neun von zehn Messstellenbetreibern beklagen Probleme beim Ausbau von Smart Metern. Strengere EU-Vorgaben dürften daran wenig ändern. Deutschland hängt bei der Einführung von Smart Metern deutlich hinterher. Selbst die EU-Kommission bemängelt bereits den schleppenden Ausbau der digitalen Stromzähler. Zugleich will die Behörde die verpflichtende Ausbauquote innerhalb der EU erhöhen. Demnach sollen bis spätestens 2034 mindestens 75 Prozent aller Messstellen mit Smart Metern ausgestattet sein. Denn sie werden benötigt, um die Energiewende im Land voranzubringen. Derart pauschale Einbauvorgaben werden laut dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) das Problem nicht lösen. "Ein digitaler Stromzähler nützt wenig, wenn die dahinterliegenden Prozesse nicht funktionieren. Die Erfahrungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie die Ergebnisse unserer Befragung zeigen, dass es beim Smart-Meter-Rollout weiterhin erhebliche Probleme gibt", sagt Henning Herbst, Energieexperte beim vzbv. "Ein noch schnellerer Einbau von Smart Metern allein löst keine Probleme." Entscheidend sei, dass die Technik funktioniere und Verbraucherinnen und Verbraucher einen konkreten Nutzen hätten. Digitaler oder intelligenter Stromzähler? Ein digitaler Stromzähler zeigt den aktuellen Zählerstand sowie die früheren Verbrauchswerte. Die Informationen bleiben in der Regel im Gerät und werden nicht automatisch übertragen. Nutzer müssen ihrem Stromanbieter somit den aktuellen Zählerstand selbst übermitteln. Ein intelligenter Stromzähler – auch Smart Meter oder intelligentes Messsystem (iMSys) genannt – verfügt neben der Zählfunktion zusätzlich über eine Kommunikationseinheit (Smart-Meter-Gateway). Dadurch kann er Verbrauchsdaten automatisch an berechtigte Stellen wie den Energieanbieter und den Netzbetreiber senden. Jeder intelligente Stromzähler ist somit auch ein digitaler Stromzähler. Aber nicht jeder digitale Stromzähler ist ein Smart Meter. Dass strengere Ausbauquoten das Problem nicht lösen werden, bestätigen auch die meisten der 199 Messstellenbetreiber, die der vzbv zu diesem Thema befragt hat. Sie nannten die Komplexität gesetzlicher Vorgaben (80 Prozent), häufige Gesetzesänderungen (77 Prozent), technische Komplexität sowie Defizite bei der Marktkommunikation als größte Probleme bei der Umsetzung der Zielvorgaben. EU-Plan ignoriert deutsche Besonderheiten Angesichts der Umfrageergebnisse kritisiert der Bundesverband den Plan der EU-Kommission, den Kurs zu verschärfen. Der Vorschlag berücksichtige die deutschen Besonderheiten nicht ausreichend, heißt es. Denn hierzulande gelten an intelligente Messsysteme besonders hohe Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und Steuerbarkeit. Das macht die Stromzähler auch vergleichsweise teuer. Der vzbv betont, dass die Digitalisierung der Energiewende unbedingt kosteneffizient erfolgen müsse. Angesichts dessen befürworten die Verbraucherschützer den Vorschlag der Regierung, einen Smart Meter Light einzuführen. Dabei handelt es sich um einen Smart Meter, der jedoch über weniger Funktionen verfügt. Beispielsweise fehlt ihm die Steuerbox. Das heißt, dass Netzbetreiber nicht auf das Gerät zugreifen und beispielsweise die Stromzufuhr drosseln können, um eine Überlastung des Stromnetzes zu verhindern. Smart Meter Light: Für wen? Smart Meter Light könnten daher von allen Haushalten genutzt werden, die nicht mit einer Photovoltaik-Anlage, einer Wärmepumpe oder einer Wallbox ausgestattet sind. Denn für diese Anlagen ist ein Fernzugriff durch den Netzbetreiber zwingend nötig. Vorteile des Smart Meter Lights sind, dass Haushalte ihren eigenen Stromverbrauch besser kontrollieren können und die Höhe ihres Verbrauchs ihrem Stromversorger nicht mehr gesondert mitteilen müssen. Die Datenübertragung übernimmt das Gerät selbst. Zudem kann mit diesem modernen Strommessgerät ein dynamischer Stromtarif genutzt werden. Beim dynamischen Stromtarif richten sich die Kilowattstundenpreise unter anderem nach dem Börsenstrompreis. An besonders sonnigen Tagen kann dadurch der Strom deutlich günstiger werden. An regnerischen oder bewölkten Tagen ohne Sonnenstunde steigt der Strompreis an der Börse jedoch. Bei der Nutzung derartiger Tarife ist also Vorsicht geboten. Noch steht aber die Frage im Raum, wie ein Smart Meter Light konkret aussehen soll. Das Reformpaket von Union und SPD, das die Einführung eines neuen Smart Meter Light vorsieht, erklärt nur, dass der intelligente Stromzähler den Stromverbrauch messen und die Informationen unter anderem an den Energieversorger senden soll. Was er darüber hinaus können muss, ist bislang nicht definiert. Fest steht nur, dass er günstiger ist und schneller eingebaut werden kann, da zahlreiche technische und regulatorische Hürden entfallen. Branchenverbände haben die Pläne daher teilweise kritisiert und dargelegt, welche Probleme mit einem Smart Meter Light einhergehen können. Noch ist also unklar, wann ein Smart Meter Light auf den Markt kommen wird und daher auch, ob er die Digitalisierung der Energiewende wirklich voranbringen könnte.