Neue Hoffnung für die Rheinmetall-Aktie? Rüstungswerte melden sich verhalten zurück
Rüstungswerte bleiben im Anlegerfokus
Lawrow dämpft Hoffnungen auf eine schnelle Waffenruhe in der Ukraine
Berenberg bleibt für Rheinmetall bullish
Die Rheinmetall-Aktie bleibt auch in der neuen Handelswoche im Anlegerfokus. Auch RENK, HENSOLDT und TKMS stehen unter Beobachtung, nachdem der Rüstungssektor in der vergangenen Woche unter geopolitischen Nachrichten gelitten hatte. Anleger bleiben vorsichtig: Der Sektor reagiert weiterhin empfindlich auf jedes Signal möglicher geopolitischer Entspannung, obwohl die tatsächlichen Verhandlungsfortschritte dünn bleiben.
Keine Gegenbewegung nach schwacher Vorwoche
Die Rheinmetall-Aktie verliert auf XETRA zeitweise 0,67 Prozent auf 975,80 Euro, RENK-Titel verbilligen sich derweil um 1,63 Prozent auf 39,93 Euro. Für HENSOLDT geht es um 0,05 Prozent auf 75,90 Euro nach oben, TKMS notieren tiefer bei 82,10 Euro (-2,26%). Die Ausschläge halten sich aber in Grenzen.
In der Vorwoche hatten die Rüstungstitel noch deutlich nachgegeben. Auslöser war eine Ankündigung von US-Außenminister Marco Rubio, der am Mittwoch am Rande der UN-Generaldebatte in New York erklärt hatte, Putin sei zum G20-Gipfel im Dezember nach Miami eingeladen worden; die USA hofften, dass er annehme. Der Gipfel soll am 14. und 15. Dezember im Trump National Doral in Florida stattfinden, Gastgeber ist Donald Trump. Zusätzlich berichtete Rubio, Kiew und Moskau seien an einer begrenzten Waffenruhe interessiert, die Angriffe auf Getreidelieferungen und Energieanlagen stoppen könnte.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow widersprach dieser Darstellung jedoch und erklärte, nur Europa sei an einer Waffenruhe interessiert, um die Ukraine in der Zwischenzeit mit Waffen auszustatten; Moskau suche stattdessen eine umfassende Lösung. Eine rasche Entspannung, die den Ausblick für die Verteidigungsausgaben eintrüben könnte, ist damit vorerst nicht in Sicht.
Makro-Umfeld bleibt ein Unsicherheitsfaktor
Zuletzt hatten zudem steigende Ölpreise und anziehende Anleiherenditen auf dem Gesamtmarkt gelastet, dazu kommt der Blick auf das Treffen zwischen Trump und Chinas Präsident Xi Jinping. Nach Einschätzung von XTB könnte jede Deeskalation im Ukraine-Krieg oder eine vorübergehende Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und China einen Teil der geopolitischen Risikoprämie abbauen, die den Verteidigungssektor über Jahre gestützt hat.
Rheinmetall-Aktie: Analysten bleiben optimistisch
Der Analystenkonsens stuft Rheinmetall trotz der jüngsten Verluste weiterhin mehrheitlich als Kaufkandidaten ein. Zuletzt hatte die Privatbank Berenberg ihre Einstufung für den Rüstungsriesen mit einem Kursziel von 1.600 Euro auf "Buy" belassen. Eine Erholung der deutschen Wirtschaft überlagere derzeit das politische Grundrauschen in Deutschland, schrieb Chris Armstrong am Donnerstag in seiner Strategiestudie. Konjunkturell gebe es positive Anzeichen dank fiskalpolitischer Impulse und steigender Exporte. Eine optimistischere Einschätzung deutscher Aktien sei daher gerechtfertigt. Als Profiteure der staatlichen Ausgabenpolitik seien Rheinmetall, RENK und OHB seine "Top Picks" im Luftfahrt-, Raumfahrt- und Rüstungssegment, so der Experte.
Worauf Anleger achten sollten
Ob es zu einer nachhaltigeren Erholung kommen wird, dürfte vor allem von der geopolitischen Lage abhängen. Kurzfristig dürften neue Signale im Ukraine-Krieg die Rüstungswerte bewegen, während langfristig vor allem konkrete Aufträge, Investitionen und die Umsetzung der geplanten Programme für die Geschäftsperspektiven des Sektors relevant bleiben.
Claudia Stephan, Benedict Kurschat, Thoomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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