Neue Preiszahlen belasten Trump
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US-Inflation zieht an: Zwei Rückschläge für Trump in zwei Tagen
Von: Max Nebel
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Die Verbraucherpreise steigen. Auch die Erzeugerpreise legen kräftig zu. Für Trump kommen die neuen Inflationszahlen vor den Zwischenwahlen ungelegen.
Washington, D. C. – US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag (15. Oktober) den zweiten Inflationsrückschlag innerhalb von zwei Tagen erlitten. Ein viel beachteter Konjunkturindikator verzeichnete seinen stärksten monatlichen Anstieg seit mehr als vier Jahren. Der Erzeugerpreisindex für die Endnachfrage stieg im September um 1,3 Prozent, nach 0,5 Prozent im August und 0,2 Prozent im Juli. Das war der stärkste monatliche Anstieg seit März 2022. Gegenüber dem Vorjahr lagen die Erzeugerpreise um 6,3 Prozent höher – der stärkste Jahresanstieg seit Dezember 2022.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.
Das teilte die US-Statistikbehörde Bureau of Labor Statistics mit. Bereits der Verbraucherpreisbericht vom Mittwoch hatte für September einen Anstieg um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausgewiesen. „Diese beiden Berichte sind zusammengenommen ein Warnsignal dafür, dass sich die Inflation weiterhin durch die Wirtschaft zieht“, erklärt Michael Ryan, Finanzexperte und Gründer von MichaelRyanMoney.com, gegenüber Newsweek. „Die Verbraucher spüren das bereits. Und die Unternehmen stehen unter Kostendruck, der weitere Preiserhöhungen nach sich ziehen könnte.“
US-Zwischenwahlen: Wirtschaft und Lebenshaltungskosten beschäftigen Wähler
Eine vom 28. September bis 4. Oktober durchgeführte Umfrage des Pew Research Center ergab, dass 84 Prozent der registrierten Wähler die Wirtschaft als sehr wichtig für ihre Wahlentscheidung betrachteten. Damit war sie für die Anhänger beider großen Parteien das wichtigste Thema. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage von AP-NORC ergab ebenfalls, dass 85 Prozent der Wähler die Wirtschaft zu den wichtigsten Wahlthemen zählten. Für 84 Prozent gehörten die Lebenshaltungskosten dazu. Zudem billigten 36 Prozent Trumps Amtsführung insgesamt, während 64 Prozent sie ablehnten.
In der jüngsten Umfrage von Fox News bezeichneten sechs von zehn registrierten Wählern die Lebenshaltungskosten als das wichtigste wirtschaftliche Thema des Landes. 74 Prozent bewerteten die Wirtschaftslage negativ. 55 Prozent hielten die Inflation für „überhaupt nicht“ unter Kontrolle, und nur 22 Prozent billigten Trumps Umgang mit der Inflation. Als Trumps zweite Amtszeit im Januar 2025 begann, lag die jährliche Verbraucherpreisinflation bei drei Prozent. Im September dieses Jahres erreichte sie 3,7 Prozent.
US-Inflation: Was Verbraucherpreise und Erzeugerpreise unterscheidet
Der Verbraucherpreisindex, kurz CPI, und der Erzeugerpreisindex, kurz PPI, erfassen unterschiedliche Bereiche der Wirtschaft. Der CPI misst die durchschnittliche Preisveränderung eines Warenkorbs aus Gütern und Dienstleistungen, die Verbraucher in Städten bezahlen – und der PPI erfasst wiederum Veränderungen der Preise, die inländische Produzenten für ihre Erzeugnisse und Dienstleistungen erhalten. Er kann damit auf Kostendruck hinweisen, der sich später auch bei den Verbrauchern bemerkbar macht. Eine automatische Weitergabe höherer Kosten bedeutet das allerdings nicht.
„Der sprunghafte Anstieg der Großhandelspreise ist für viele Amerikaner ein gewaltiges Problem, weil er den Preisdruck bei ohnehin schon hohen Kosten weiter verstärkt“, sagt Alex Beene, Dozent für Finanzkompetenz an der University of Tennessee at Martin, gegenüber Newsweek. „Wenn die Dieselkosten drastisch steigen, werden diese Transportkosten an die Verbraucher weitergegeben. Das Ergebnis ist, dass die Amerikaner für Dinge des täglichen Bedarfs mehr bezahlen.“ Unternehmen können zusätzliche Kosten jedoch auch durch geringere Gewinnmargen auffangen oder mit ihren Lieferanten verhandeln.
Energiepreise treiben US-Erzeugerpreise im September nach oben
Der Anstieg im September wurde stark von der Energie beeinflusst, beschränkte sich aber nicht auf diese Kategorie. Die Preise für Güter der Endnachfrage sprangen um 2,6 Prozent nach oben. Dazu zählen Waren für den privaten Verbrauch, Investitionen, staatliche Käufe und Exporte. Der Anstieg war der stärkste seit Beginn dieser Zeitreihe im Dezember 2009. Mehr als 80 Prozent dieses Zuwachses entfielen auf die Energiepreise, die um 10,8 Prozent stiegen.
Die Lebensmittelpreise für die Endnachfrage erhöhten sich unterdessen um 1,2 Prozent. Die Preise für Waren ohne Lebensmittel und Energie nahmen um 0,3 Prozent zu. Die Kennzahl ohne Lebensmittel, Energie und Handelsdienstleistungen stieg im September um 0,5 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent. Damit beschränkte sich der Preisanstieg nicht auf Energie. Die starken Energiepreissteigerungen stehen laut dem Bericht von Newsweek im Kontext des Krieges mit dem Iran.
Benzinpreise steigen für Verbraucher und Produzenten deutlich
Laut dem Verbraucherpreisbericht stiegen die Energiepreise im September um 5,2 Prozent und lagen 20,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Benzinpreise erhöhten sich innerhalb des Monats um 9,1 Prozent. Sie machten damit mehr als die Hälfte des gesamten Anstiegs des Verbraucherpreisindex aus. Auf Erzeugerebene verteuerte sich Benzin sogar um 20,3 Prozent. Auch Diesel, Flugtreibstoff, Haushaltsstrom und Rohöl wurden dort teurer.
„Dieser Bericht zeigt das, was viele Ökonomen mit Beginn des Zollregimes vorhergesagt hatten“, so Kevin Thompson, Vorstandschef der 9i Capital Group und Moderator des Podcasts 9innings, gegenüber Newsweek. „Obwohl Benzin für etwa die Hälfte des Anstiegs der Warenpreise verantwortlich war, verzeichnen auch andere Wirtschaftsbereiche wie Dienstleistungen und Lagerhaltung Preissteigerungen, die über den Erwartungen liegen“, sagt Thompson. Seine Einschätzung verweist damit auf Belastungen über den Energiesektor hinaus. Die Preisindizes allein beziffern allerdings nicht den Anteil der Zölle an der Inflation.
Lebensmittelpreise: Stabile Ladenpreise verdecken höheren Kostendruck
Die Verbraucherpreise für Lebensmittel blieben im September insgesamt unverändert, während die Erzeugerpreise um 1,2 Prozent stiegen. Frisches und getrocknetes Gemüse gehörten zu den Kategorien mit Preisanstiegen auf Erzeugerebene. „Der CPI zeigte keinen deutlichen Sprung bei den Lebensmittelpreisen, aber der PPI erzählt eine andere Geschichte“, erläutert Thompson. „Auf Verbraucherebene sind die Lebensmittelpreise relativ stabil, auf Erzeugerebene beschleunigt sich jedoch der Preisanstieg. Das könnte dazu führen, dass höhere Kosten die Lieferkette durchlaufen und schließlich an die Endverbraucher weitergegeben werden.“
Ein monatlicher Anstieg der Erzeugerpreise um 1,3 Prozent bedeutet allerdings nicht, dass die Verbraucherpreise im selben Umfang steigen werden. Der PPI ist keine direkte Prognose für den CPI. Wann und wie sich die höheren Kosten der Produzenten auf die Verbraucher auswirken, hängt unter anderem von Verträgen und Lagerbeständen ab. Unternehmen können Kostensteigerungen zudem teilweise selbst auffangen. Dennoch zeigen die Berichte, dass der Preisdruck auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen anhält.
Höhere Energie- und Transportkosten: Wann Verbraucher mehr zahlen könnten
Höhere Kraftstoffpreise können die Verbraucher an Tankstellen und über Flugtickets schnell erreichen. Höhere Fracht- und Materialkosten können dagegen allmählicher durchschlagen, wenn Unternehmen ihre Lagerbestände auffüllen und Lieferverträge neu aushandeln. Verarbeitete Energiegüter, die von Unternehmen genutzt werden, verteuerten sich im September um 10,2 Prozent. Unverarbeitete Energierohstoffe legten um 22,2 Prozent zu. Darunter war Rohöl mit einem Plus von 28,3 Prozent.
Dieselkraftstoff verteuerte sich auf der Stufe der verarbeiteten Vorleistungsgüter um 21 Prozent. „Die Benzinpreise können sich fast sofort ändern“, sagt Ryan. „Lebensmittel, Lieferungen und andere Waren könnten in den kommenden Wochen oder Monaten teurer werden, wenn diese höheren Kosten anhalten. Energie war für einen großen Teil des Anstiegs im September verantwortlich, doch die zugrunde liegenden Erzeugerpreisdaten deuten darauf hin, dass der Druck über Benzin hinausgeht.“
US-Notenbank: Höhere Inflation könnte Kredite zusätzlich belasten
Eine höhere Inflation könnte die Verbraucher auch indirekt treffen, indem sie die Zinsentscheidungen der US-Notenbank Federal Reserve erschwert. Nach der Veröffentlichung des CPI am Mittwoch rechneten Händler laut Newsweek verstärkt damit, dass die Zentralbank die Zinsen erneut anheben könnte. Eine solche Entwicklung könnte die Finanzierungskosten für Hypotheken, Kreditkarten und Autokredite hoch halten oder weiter erhöhen. Die Haushalte könnten damit sowohl bei alltäglichen Ausgaben als auch bei Krediten unter Druck geraten.
„Das politische Problem für Trump ist ziemlich offensichtlich“, sagte Ryan. „Er hat den Amerikanern niedrigere Preise versprochen. Stattdessen erleben sie nur wenige Wochen vor den Zwischenwahlen eine Beschleunigung der Inflation.“ Die neuen Zahlen fallen damit in die Schlussphase des Wahlkampfs. Am 3. November entscheidet sich, ob die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern des US-Kongresses behalten können.
Transport und Lebensmittelhandel spüren steigende Erzeugerpreise
Die Erzeugerpreise für Transport- und Lagerdienstleistungen stiegen um 3,4 Prozent. Diese Erhöhungen könnten Einzelhändler und andere Unternehmen treffen, die stark auf Liefernetze angewiesen sind. Allerdings ist noch unklar, welcher Anteil der Kosten letztlich an die Verbraucher weitergegeben wird. Auch der Großhandel mit Lebensmitteln und Alkohol gehörte zu den Bereichen mit Anstiegen. Zudem nahmen die Handelsspannen im Lebensmitteleinzelhandel zu.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Lebensmittelpreise sofort steigen. Einzelhändler und Lebensmittelunternehmen könnten jedoch in den kommenden Monaten unter stärkeren Kostendruck geraten. „Trump hat im Wahlkampf versprochen, die Preise zu senken und die Inflation zu zähmen, aber derzeit erlebt die Wirtschaft genau das Gegenteil“, sagte Thompson. „Viele seiner Maßnahmen, insbesondere die Zölle, haben inflationär gewirkt.“ Damit schreibt Thompson einen Teil der Entwicklung der Handelspolitik des Präsidenten zu.
Trump und die USA vor den Zwischenwahlen: Strom und Reisen werden teurer – Erzeugerpreise für Eier fallen
Bei Haushaltsstrom, Flugtreibstoff, der Personenbeförderung im Luftverkehr und Reiseunterkünften wurden jeweils Anstiege der Erzeugerpreise verzeichnet. Auch der Verbraucherpreisbericht zeigte Preisdruck bei Flugtickets und den Energiekosten privater Haushalte. Eine Ausnahme waren Eier: Die Erzeugerpreise für Hühnereier brachen im September um 39,7 Prozent ein. Auch die Preise für Rohmilch und Schlachthühner sanken auf früheren Produktionsstufen.
Für die Republikaner sieht Beene dennoch ein politisches Risiko durch die anhaltende Belastung der Haushalte. „Das stellt für diejenigen, die sich bei den Zwischenwahlen zur Wiederwahl stellen, ein echtes Problem dar, denn viele Menschen, deren Ärger über steigende Kosten wächst, könnten diesen Unmut an den derzeit regierenden Abgeordneten auslassen“, bilanziert er. Entscheidend könnte damit sein, wie die Wähler die Preise im Alltag wahrnehmen. Ob und in welchem Umfang weitere Erzeugerpreissteigerungen bis zur Wahl bei ihnen ankommen, lässt sich aus den Septemberzahlen allein nicht ablesen.