DAX +0,76 % 25.604,35 Pkt 12:50:03 MDAX +0,45 % 30.423,25 Pkt 12:50:05 Euro Stoxx 50 -0,18 % 6.153,53 Pkt 12:50:00 Dow Jones +0,31 % 52.377,57 Pkt 21:48:23 S&P 500 +1,30 % 7.722,60 Pkt 21:48:15 Nasdaq +2,01 % 26.477,81 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,08 % 63.954,19 Pkt 07:45:03 Gold -0,36 % 4.059,80 USD 12:54:48 Silber -0,71 % 53,91 USD 12:54:48 Brent -2,22 % 111,35 USD 12:54:29 WTI +1,95 % 101,85 USD 12:54:49 Bitcoin +0,35 % 81.084,12 USD 13:04:52 EUR/USD -0,33 % 1,11370 USD 13:04:42 EUR/GBP +0,04 % 0,83760 GBP 13:05:05 EUR/CHF -0,17 % 0,92320 CHF 13:05:05 EUR/JPY -0,14 % 175,764 JPY 13:05:05

Neue Speicherkraftwerke sollen deutsches Stromnetz stärken

Technologie

FOCUS online: Herr Münnicke, Sie sprechen von einem rasanten Verfall der Modul- und Speicherpreise. Kommt diese Ersparnis bei den Verbrauchern an – oder frisst der Staat den Vorteil über Netzentgelte und Steuern wieder auf?

Max Münnicke: Neue Solar- und Speicheranlagen erzeugen Strom immer günstiger. Je mehr ans Netz gehen, desto größer wird das Angebot an billigem Strom, was langfristig die Beschaffungspreise drückt. Auch bei Steuern, Abgaben und Netzentgelten erkennen wir derzeit keinen Trend, der diesen positiven Effekt für den Verbraucher grundsätzlich aufheben würde. Und rund 40 Prozent des Strompreises entfallen heute auf Erzeugung, Beschaffung und Vertrieb – ein Anteil, der seit einigen Jahren sinkt.

Großspeicheranlagen entwickeln sich zu einer attraktiven Einnahmequelle für Stadtwerke und Investoren. Wie funktioniert das Geschäftsmodell, mit dem Investoren an der Strombörse Geld verdienen?

Münnicke: Im Kern ist das simpel: Der Speicherbetreiber kauft Strom, wenn viel davon vorhanden und der Preis niedrig ist. Er verkauft ihn wieder, wenn Strom knapp und teurer ist. Gesteuert wird das über Prognosen und Algorithmen. Hinzu kommt ein zweites Geschäft: Speicher können innerhalb kürzester Zeit reagieren und so das Stromnetz stabilisieren. Moderne Großspeicher kombinieren diese Erlösmodelle und verdrängen dadurch teilweise teure Gaskraftwerke. Eine gut laufende Anlage amortisiert sich so innerhalb von fünf Jahren.

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Max Münnicke ist studierter Elektroingenieur und verantwortet bei Huawei Digital Power Germany als Vertriebsleiter den Bereich Photovoltaik- und Großspeicherlösungen. Zuvor war er über ein Jahrzehnt in verschiedenen Projektleitungs- und Vertriebspositionen im Energiesektor bei Siemens und Siemens Energy tätig.

Je mehr Solar- und Windstrom im System ist, desto stärker schwankt das Netz. Wie helfen Ihre Speicherkraftwerke, diese Fluktuationen abzufedern und Blackouts zu verhindern?

Münnicke: Unsere Batteriespeicher reagieren sehr schnell auf Schwankungen und halten Spannung und Frequenz stabil. Sie unterstützen das Netz nicht nur passiv, sondern aktiv – so lassen sich großflächige Blackouts wie kürzlich in Spanien verhindern. Dazu gehört auch die Schwarzstartfähigkeit, also die Fähigkeit, ein Stromnetz nach einem vollständigen Ausfall wieder hochzufahren, ohne dass dafür zunächst Strom von außen benötigt wird. Im Mai haben wir in Deutschland sogar eine Photovoltaik-Freiflächenanlage ohne zusätzlichen Speicher erfolgreich schwarzgestartet. Moderne Solar- und Speichertechnik kann deshalb einen wichtigen Beitrag zu einem stabileren Stromnetz leisten.

Sie prognostizieren einen massiven Zubau bei Großspeichern – abhängig von den Baugenehmigungen. Wie stark bremst die deutsche Bürokratie diesen Ausbau aus?

Münnicke: Erheblich, wobei sich die Engpässe verschieben. Vor zwei Jahren ging es oft um Schall- und Brandschutz, weil die Technologie für viele Behörden neu war. Heute ist der Netzanschluss die größte Hürde. Viele Netzbetreiber kommen mit den Anfragen kaum hinterher, stellen zusätzliche Anforderungen oder ändern Zusagen wieder. Viele Entwickler kombinieren Speicher deshalb inzwischen direkt mit Solar- oder Windparks am selben Netzanschluss. Dennoch erleben wir als Hersteller fast monatlich neue behördliche Auflagen.

Welche technologischen Innovationen erwarten Sie in den kommenden Jahren bei den Batteriespeichern?

Münnicke: Ein wichtiger Trend sind größere Batteriezellen, mit denen sich auf derselben Fläche deutlich mehr Energie speichern lässt. Vor drei Jahren hatte ein 20-Fuß-Container rund zwei Megawattstunden Kapazität, heute sind es fünf, bald vielleicht sieben. Hinzu kommen neue Typen wie Natrium-basierte Batterien, die in absehbarer Zeit relevante Marktanteile erreichen könnten. Gleichzeitig wird die Elektronik effizienter und künstliche Intelligenz hilft Betreibern dabei, Wartungsbedarf frühzeitig zu erkennen und Be- sowie Entladezyklen zu optimieren.

Im Utility-Bereich setzen Sie stark auf die „Smart-String-Architektur“. Was bedeutet das und warum macht es große Solarparks effizienter?

Münnicke: Statt einer einzigen, sehr großen zentralen Einheit setzen wir auf viele kleinere, eigenständige Einheiten. Fällt eine aus, steht nur ein kleiner Teil der Anlage still und sie lässt sich vergleichsweise schnell austauschen. Das „Smart“ steht für die digitale Diagnose: Das System erkennt automatisch, wo Leistung verloren geht oder ein Modul defekt ist. Der Betreiber muss nicht lange suchen, sondern bekommt konkrete Hinweise. Dieses Prinzip nutzen wir auch bei Batteriespeichern.

Das Fraunhofer ISE schätzt den Speicherbedarf in Deutschland auf 178 Gigawattstunden bis 2045. Reichen die aktuellen politischen Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen?

Münnicke: Der Ausbau beschleunigt sich gerade massiv. Allein im ersten Halbjahr 2026 kamen im Großanlagenbereich rund drei Gigawattstunden hinzu. Berücksichtigt man alle Speicherarten, halten wir die 178 Gigawattstunden bis 2045 für erreichbar. Dafür braucht es keine großen neuen Förderprogramme, sondern Planungssicherheit: langfristig geklärte Netzentgelte und unkompliziertere Netzanschlüsse. Deutschland verfügt über mehr Netze, Kraftwerke und Entwickler als viele andere Länder. Wir diskutieren aber noch zu viel, während andere längst bauen.

Mit welchen Sicherheitsstandards garantiert Huawei FusionSolar, dass diese kritische Infrastruktur verlässlich geschützt und steuerbar bleibt?

Münnicke: Sicherheit beginnt bei der Hardware: Bevor wir eine neue Zelltechnologie einsetzen, durchläuft sie mehr als 150 unterschiedliche Tests. Auch in die Cybersecurity investieren wir mit rund 3000 Spezialisten stark. Wir lassen nach internationalen Standards zertifizieren und entwickeln mit Zulieferern eigene, noch höhere Vorgaben. In unserem Nürnberger Grid-Labor testen wir zudem unter realen europäischen Netzbedingungen. Ein weiterer, ganz wichtiger Punkt: Wir liefern in Deutschland nicht die zentrale Anlagensteuerung. Das übernehmen europäische Partnerunternehmen, mit deren Systemen unsere Hardware sicher kommuniziert.

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