Neue Spur im Fall Scarlett? Polizei prüft Hinweise eines Vereins
Sechs Jahre ist es her, dass Scarlett S. bei einer Wandertour im Südschwarzwald verschwand. Seit sechs Jahren rätseln Ermittler, suchen Freiwillige immer wieder nach ihr. Gibt es jetzt womöglich eine neue Spur? Die Polizei prüft Hinweise eines Vereins, der laut einem Bericht der "Badischen Zeitung" am Wochenende mit Suchhunden im Wehratal nach Spuren von Scarlett gesucht hat. In einem bestimmten Gebiet hätten alle Hunde angeschlagen.
Spuren wittern nach sechs Jahren? Polizei ist skeptisch
Die Polizei werde die Informationen des Vereins bewerten und prüfen, sagte Polizeisprecher Christoph Efinger am Montag. Danach werden die Ermittler entscheiden, ob es neue Maßnahmen gibt, also zum Beispiel eine weitere Suchaktion. Aktuell sei man skeptisch. Nach zwei Jahren könnten die speziell ausgebildeten Suchhunde der Polizei keinerlei Verwesungsgeruch mehr wahrnehmen, erklärte Efinger. Demnach ist seit dem Verschwinden Scarletts zu viel Zeit verstrichen, als dass die Hunde noch ihre Spur wittern könnten.
Die Mitglieder des Vereins "Finderwille" waren am Samstag mit zwölf Suchhunden im Wehratal im Bereich des Wildensteinfelsens unterwegs. Dabei handelt es sich um eine private Hilfsorganisation, die Hunde dafür trainiert, vermisste Menschen zu finden. Unterstützt wurden sie von Mitgliedern der Facebook-Gruppe "Bitte findet Scarlett" und von Scarletts Vater.
Sie suchten in der Gegend, in der Scarlett mutmaßlich zum letzten Mal gesehen wurde. Alle zwölf Hunde hätten mehrfach Signale gegeben, dass sie fündig geworden seien, heißt es in dem Bericht. Grundlage für die Tiere war demnach ein Tuch in einem Glas, mit dem Mitarbeiter des Vereins zuvor einen Schuh von Scarlett ausgerieben hätten.
Helfer Rüdiger Orth: Zwölf Hunde irren nicht
Dem SWR sagte Rüdiger Orth von "Finderwille", dass ihre Hunde nicht gezielt nach einem Verwesungsgeruch suchten, sondern nach dem "Individualgeruch" des Menschen. "Man kann das mit einem DNA-Abgleich vergleichen." Der ändere sich auch nach dem Tod nicht. Und am Wildensteinfelsen hätten die Hunde eben Scarletts Individualgeruch gefunden. Orth ist sicher: Zwölf Hunde irren sich nicht. Zudem hätten sie weitere Gegenstände gefunden, etwa einen roten Reißverschluss, der womöglich zu Scarletts Rucksack gehörte. Die Freiwilligen wollen ihre Suche in den nächsten Tagen fortsetzen.
Seit dem 10. September 2020 fehlt von der damals 26-jährigen Scarlett S. aus Bad Lippspringe in Nordhrein-Westfalen jede Spur. Scarlett war zur letzten Etappe ihrer Wandertour am Schluchtensteig aufgebrochen. Als sie nicht wie verabredet bei einer Freundin ankam, meldete ihre Familie sie als vermisst. Was folgte, war eine aufwendige Suchaktion - Polizei, Bergwacht, Feuerwehr, Hubschrauber, Drohnen, Hundestaffeln. Auch "Aktenzeichen XY" berichtete.
Im Fall Scarlett gehen immer noch neue Hinweise ein
Zweieinhalb Jahre nach ihrem Verschwinden wurde das Todesermittlungsverfahren eingestellt - es gibt laut Polizei keine Hinweise auf eine Straftat. Der Vermisstenfall aber bleibt weiter offen. Auch jetzt noch gehen immer wieder Hinweise bei der Polizei ein. Insgesamt seien es rund 640.