Neue „Steroid-Fingerabdruck“-Technologie soll Krebs- und Hormondiagnostik revolutionieren
Mit einer neuartigen Technologie zur Erkennung von hormonellen Mustern in Blut und Urin soll die Diagnose von Nebennierenkrebs und weit verbreiteten Hormonstörungen künftig schneller und präziser werden. Dazu haben die Universität Birmingham und das Imperial College London das gemeinsame Ausgründungsunternehmen Intelligent Mass Spec Solutions (IMS Solutions) an den Start gebracht, wie die Universitäten mitteilten. Das Start-up sammelte zum Auftakt eine Anschubfinanzierung von 1,1 Millionen Pfund (rund 1,3 Millionen Euro) ein und erhält zudem staatliche Fördergelder in Höhe von 2,1 Millionen Pfund.
Die von der Endokrinologin Professorin Wiebke Arlt entwickelte Plattformtechnologie identifiziert spezifische „Steroid-Fingerabdrücke“. Da Steroidhormone zahlreiche grundlegende Prozesse wie den Stoffwechsel, Blutdruck und die Fortpflanzung steuern, äußern sich Störungen oft in sehr vielfältigen Symptomen, was Diagnosen bislang langwierig und kostspielig macht.
Als erstes Produkt soll bis 2029 ein Urintest namens „ACCelerate™“ auf den britischen Markt kommen. Das Verfahren kombiniert Biomarker-Analysen mit einem Algorithmus für maschinelles Lernen, um frühzeitig das seltene und schwer zu behandelnde Nebennierenrindenkarzinom (ACC) zu erkennen. In einer klinischen Studie mit mehr als 2000 Patienten erwies sich der Test als bis zu viermal genauer als herkömmliche Bildgebungsverfahren. Damit soll Ärzten die Entscheidung erleichtert werden, ob ein Nebennierentumor operiert werden muss oder gutartig ist.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem Polyendokrinen Metabolischen Ovarialsyndrom (PMOS), früher bekannt als PCOS. Die Erkrankung betrifft weltweit schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller Frauen und geht mit erhöhten Risiken für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleibt die Störung jedoch bei bis zu 70 Prozent der Betroffenen unerkannt. Ein neuer KI-gestützter Bluttest von IMS Solutions soll Patientinnen künftig in verschiedene Risikogruppen einteilen, um maßgeschneiderte Behandlungen zu ermöglichen. Eine klinische Validierungsstudie hierzu steht kurz vor dem Abschluss.
Original paper:
Urine steroid metabolomics for the differential diagnosis of adrenal incidentalomas in the EURINE-ACT study: a prospective test validation study – The Lancet Diabetes & Endocrinology
Redaktion: X-Press Journalistenbüro GbR
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