Neue Studie räumt mit häufigster Erklärung auf
Startseite Politik AfD steigt in Umfragen: Studie räumt mit Hauptargument auf – „Es sind nicht die Benachteiligten“ Von: Stephanie Munk Uns auf Google folgen Eine neue Studie stellt verbreitete Erklärungen über Erfolge der AfD infrage. Nicht Abstiegsängste und soziale Sorgen treiben Wähler zur AfD – sondern Angst vor Migration. Saarbrücken – Kanzler Friedrich Merz trat als CDU-Chef an, um die AfD zu halbieren. Gelungen ist ihm das nicht, im Gegenteil: Die rechtspopulistische und in Teilen sogar rechtsextreme Partei ist zweitstärkste Partei im Bundestag und liegt mittlerweile in bundesweiten Umfragen vor der Union. Und in Sachsen-Anhalt, wo am 6. September 2026 gewählt wird, ist für sie mit über 40 Prozent in Umfragen sogar die absolute Mehrheit in Reichweite. Warum es immer mehr Wähler zur AfD treibt, beschäftigt Politik, Gesellschaft und Strategen, seitdem sich die „Alternative für Deutschland“ gegründet hat. Umso mehr, seitdem die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Alleinregierung anstrebt und dies wegen ihres rasanten Aufstiegs in Umfragen vor der Landtagswahl sogar denkbar ist. Warum steigt AfD in Umfragen? Sorge vor Migration ist laut Studie der Hauptfaktor Eine neue Studie der Universität des Saarlandes liefert nun überraschend klare Antworten darauf, warum Menschen die AfD wählen. Und sie stellt eine der gängigsten Erklärungen für den Aufstieg der Partei grundlegend infrage. Denn: Nicht wirtschaftliche Benachteiligung, sondern die Sorge um Migration ist der mit Abstand stärkste Treiber für die Unterstützung der AfD. Zu diesem Ergebnis kommen die Soziologen Martin Schröder, Moritz Rehm und Anja Röcke von der Universität des Saarlandes in der Studie, die am 21. Juli 2026 im Fachjournal „Plos One“ veröffentlicht wurde. Die Untersuchung weckt Zweifel an der sogenannten „Modernisierungsverlierer-These“. Das ist die Vorstellung, dass vor allem sozial und wirtschaftlich abgehängte Menschen zur AfD tendieren. Vor Sachsen-Anhalt-Wahl: Studie über Wahlmotive von AfD-Wählern – „Sind nicht die Benachteiligten“ Für ihre Analyse werteten Schröder, Rehm und Röcke Daten des Deutschen Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus elf Erhebungswellen zwischen 2014 und 2024 aus. Insgesamt flossen 110.194 Beobachtungen von 31.985 Personen in die Untersuchung mit ein. Das Ergebnis: Allein die Sorge um Migration erklärt laut der Studie rund 75 Prozent der erklärbaren Sympathie für die AfD und sogar 90 Prozent des tatsächlichen Wahlverhaltens. Faktoren wie Einkommen, Bildung oder Jobsituation tragen kaum zur zusätzlichen Erklärungskraft bei. „Es sind nicht die Benachteiligten“, lautet sinngemäß das Fazit der Forscher. Wer sehr besorgt über Zuwanderung ist, aber wirtschaftlich gut dasteht, hat laut der Studie eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, die AfD zu wählen, als jemand, der in jeder Hinsicht benachteiligt ist, sich aber keine Sorgen um Migration macht. Ein fiktiver „Modernisierungsverlierer“ – also jemand mit niedrigstem Einkommen, geringster Bildung und maximaler wirtschaftlicher Unzufriedenheit, der sich jedoch nicht um Zuwanderung sorgt – hat laut den Berechnungen lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 3,7 Prozent, die AfD zu unterstützen. Ein „Modernisierungsgewinner“ hingegen – gut verdienend, hochgebildet, wirtschaftlich zufrieden, aber sehr besorgt über Migration – kommt auf eine Wahrscheinlichkeit von acht Prozent. Wird dieselbe Person eine Standardabweichung besorgter über Zuwanderung, verdreifacht sich laut den Studienautoren ihre Chance, die AfD zu unterstützen – der Wahrscheinlichkeitszuwachs beträgt 20 Prozentpunkte. Soziale Benachteiligung spielt bei Sympathien für AfD laut Studie keine große Rolle Dieses Muster gilt laut der langfristigen Untersuchung nicht erst seit Kurzem. Bereits im Gründungsjahr der AfD 2014 war Migrationsskepsis der entscheidende Faktor für AfD-Sympathie – mehr als dreimal so stark wie jeder Indikator, der mit sozialer Benachteiligung in Zusammenhang stand. Der Bildungseffekt – Höhergebildete wählen seltener AfD – war erst ab 2021 statistisch signifikant, in allen Jahren davor nicht. Auch die sogenannte „Abstiegsangst“ – die Furcht vor sozialem Absturz, nicht die tatsächliche Benachteiligung – erklärt die AfD-Unterstützung kaum besser als Migrationsskepsis allein. Für linke Parteien dürften die Ergebnisse wohl für Ernüchterung sorgen. Denn: SPD, Grüne und Linkspartei setzen vorwiegend auf sozialpolitische Angebote, um AfD-Wähler zurückzugewinnen – in der Annahme, dass wirtschaftliche Not und Abstiegsgefühle die entscheidenden Motive seien. Die Studie legt nahe, dass diese Strategie an der Realität der AfD-Wähler vorbeigeht. Wer die AfD wählt, tut dies demnach in erster Linie wegen migrationspolitischer Sorgen. Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Migrationsfrage verantwortlich für AfD-Erfolg? Dass das Thema Migration entscheidend ist, um sein Kreuz stattdessen bei der AfD zu machen, gilt laut den Saarbrücker Forschern auch für Sachsen-Anhalt und andere ostdeutsche Bundesländer, in denen die AfD vor den anstehenden Landtagswahlen besonders stark ist. Selbst dort, wo wirtschaftliche Ungleichheit und strukturelle Benachteiligung besonders ausgeprägt sind, ist es die Migrationsfrage, die den Ausschlag beim Wahlverhalten gibt.