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Neue Vorwürfe: Busfirma lässt 250 Jugendliche in Schweden stehen

Nation

Stand: 23.10.2026 05:00 Uhr

250 Jugendliche saßen nach einem Fußballturnier in Schweden fest, weil ihre gebuchten Reisebusse nicht kamen. Kein Einzelfall: Weitere Betroffene erheben gegenüber dem NDR Vorwürfe gegen die Firma "Bushelden".

von Rahel Zahlmann

Was als unvergessliche Reise geplant war, endete im Chaos. Die B-Jugend des VfL Pinneberg reiste im Juli zum Gothia Cup nach Schweden. Zusammen mit zehn weiteren Mannschaften anderer Vereine aus der Region bildeten sie eine Reisegruppe mit insgesamt 250 Personen. Für 33.000 Euro hatten sie drei Busse gebucht, die sie hinbringen und abholen sollten. Die Hinreise klappte.

Chaos am Abreisetag in Schweden

Doch am Abreisetag kamen die Busse nicht. "Man ist in einem fremden Land und will weg. Und man wartet und wartet, aber er kommt nicht", schildert Spieler Mattis Schnackenberg die Situation. Die Jugendlichen saßen stundenlang auf gepackten Koffern. "Wir waren alle die ganze Nacht wach und haben gehofft, dass der Bus kommt und wir endlich schlafen können", so Mattis Flinn Wichmann.

Die Betreuer kontaktierten den Geschäftsführer Janik R. per WhatsApp, erinnert sich Trainer Ilker Ciftci: "Auf 20 Nachrichten unsererseits kam dann irgendwann mal eine Nachricht von ihm, die besagte: Ich komme morgen". Der Busunternehmer habe noch nach Fahrern gesucht, weil diejenigen, die die Gruppe eigentlich in Schweden hätten abholen sollen, ausgefallen seien.

Laut Ilker Ciftci kam am nächsten Mittag die Nachricht, dass die Mannschaften aus Schleswig-Holstein ihre Rückfahrt selbst organisieren sollen - das Busunternehmen würde die Kosten später erstatten. Der Trainer musste schnell reagieren, organisierte für die Jungs des VfL Pinneberg eine Fähre nach Kiel und legte knapp 4.000 Euro privat aus.

"Bushelden": Mehrere weitere Betroffene melden sich

Die Dimension dieses Falls übertrifft bisherige Recherchen. Bereits im September hatte NDR Schleswig-Holstein über geplatzte Schulausflüge der Quickborner Firma "Bushelden" berichtet, bei denen Klassen der Grundschule Norderstedt (Kreis Segeberg) unter anderem vergebens auf Busse Richtung Föhr (Kreis Nordfriesland) gewartet hatten - und ihre Vorauszahlung bis heute nicht erstattet bekamen.

Nach dieser Berichterstattung meldeten sich vier weitere betroffene Schulen sowie die Fußballvereine in unserer Redaktion. Nach NDR-Informationen sind allein in Schleswig-Holstein 13 Schulen betroffen, von denen einige ihr Geld erstattet bekamen, andere auf Stornierungskosten oder auf dem gesamten Betrag sitzen blieben.

Das sagt der Busunternehmer

NDR Schleswig-Holstein hat den Busunternehmer Janik R. für ein persönliches Interview angefragt, damit er seine Sicht der Dinge schildern kann. Er ließ mehrere Antwortfristen verstreichen, beantwortete auch schriftliche Fragen nicht. Mit Verspätung bat er dann doch um ein persönliches Interview, das er aber kurz vorher absagte. In einer seiner Mails schrieb er uns:

Auch wir haben Fehler gemacht, und ich habe nie behauptet, dass bei uns sämtliche Abläufe fehlerfrei gewesen seien. Ich bin ausdrücklich bereit, Verantwortung für tatsächliche Versäumnisse zu übernehmen und diese auch öffentlich zu erläutern. Stellungnahme von Busunternehmer Janik R. im Oktober 2026

Bereits im September wies er den Vorwurf eines betrügerischen Systems zurück und schob die Verantwortung auf "operative Fehlleistungen und organisatorische Probleme" bei der Disposition sowie auf Probleme mit Subunternehmen.

Omnibusverband warnt vor Lockangeboten

Dr. Joachim Schack, Geschäftsführer des Omnibusverbandes Nord (OVN), zeigt sich hinsichtlich der Vorwürfe gegen "Bushelden" besorgt: "Das schockiert, aber das diskreditiert auch die gesamte Busbranche." Er weist darauf hin, dass seriöse Busunternehmen meist mit festen Partnern arbeiten und Kunden niemals im Voraus zahlen müssten, wie es die betroffenen Schulen und Vereine bei "Bushelden" mussten.

Zudem warnt er vor auffallend günstigen Angeboten, mit denen auch das Quickborner Unternehmen viele Kunden überzeugte: "Qualität und Zuverlässigkeit haben eben einen Preis. Und generell gilt: Wer billig kauft, bekommt auch billig. Manchmal eben auch gar nicht", so Joachim Schack.

Juristische Schritte eingeleitet

Die elf Fußball-Mannschaften aus Schleswig-Holstein kamen letzendlich getrennt per Schiff, Bus, Bahn und Auto nach Hause. Ihre Zusatzkosten für die selbstorganisierten Notrückreisen aus Schweden liegen zusammen bei 17.000 Euro. Sie wurden bis heute nicht vom Busunternehmen erstattet. Die Gruppe hat juristische Schritte eingeleitet.

Tolle Erinnerungen trotz Ärger

Trotz des chaotischen Endes ihrer Reise, lassen sich die Jugendlichen und Trainer aus Pinneberg die Erinnerung an die Woche in Schweden nicht vermiesen. Sie betonen, dass das Turnier ein unglaublich tolles Erlebnis war, das sie jederzeit wiederholen würden.

Auch den finanziellen Schaden muss der Trainer des VfL Pinneberg nicht allein tragen: In der Mannschaft waren sofort alle Eltern bereit, die Kosten auf alle Schultern zu verteilen. Eine kleine Hoffnung, das ausgelegte Geld eines Tages doch noch von "Bushelden" zurückzubekommen, bleibt.

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